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Binäre Optionen

Gefährliches Börsenspiel

von Andreas Braun

Stand: 01.02.2013, 16:55 Uhr

Der Markt der Finanz-Derivate ist auch in Deutschland seit einiger Zeit um eine Variante reicher. Mit "binären Optionen" wird der Handel zum Finanz-Abenteuer in eigener Sache. Entweder es werden große Gewinne eingefahren – oder der Einsatz ist futsch.

"Cash or Nothing", so lautet die offizielle Bezeichnung einer Optionsspielart, bei der es nur die Alternativen "hopp" oder "top" gibt. Mit binären Optionen, auch "digitale Optionen" genannt, gibt es in der Regel keine Abstufungen zwischen Gewinn und Verlust. Tritt ein bestimmtes Ereignis ein, wie etwa ein Anstieg des Dax auf eine bestimmte Marke zum Schlussstand, ist Zahltag für den Spekulanten. Geschieht dies aber nicht, hat sich die Margin, die zum Kauf der entsprechenden Option eingesetzt wurde, in Nullkommanichts in Luft aufgelöst.

Binäre Optionen unterschieden prinzipiell nur zwischen zwei Alternativen. Schließt der Euro im Verhältnis zur US-Währung heute über 1,37 Dollar oder nicht? Berührt der Dax während des Monats Februar einmal die Marke von 8.000 Punkten oder wird es nichts mit dem neuen Gipfelsturm? Gerade die Schlichtheit der klaren Alternativen bei binären Optionen hat die Wetten in ihrer Beliebtheit steigen lassen.

Gegenüber sitzt nur der Broker

Ähnlich wie bei CFDs handelt es sich bei binären Optionen nicht um Wertpapiere, wie Aktien, Anleihen oder auch Zertifikate. Eigentlich stellen beide Anlagevarianten eine Vereinbarung mit dem Emittenten dar, der mit den Produkten einen Markt abbildet. Anders als an den klassischen Aktien-, aber auch Terminmärkten gibt es keinen Handelspartner am Markt, sondern nur den Broker, der auch gleichzeitig Anbieter der "Wette" ist.

Diese neue Finanzwette wird von einer Reihe von CFD-Brokern angeboten, die in Deutschland ansässig sind oder deutsche Tochterfirmen betreiben. Der weltweit größte Anbieter von CFDs (Contracts for Difference, die Spekulation auf Währungen, Rohstoffe oder Aktien ermöglichen), IG Markets, bietet die binären Optionen nach eigenen Angaben bereits seit drei Jahren an (s. dazu auch unser Interview). Aber auch die deutsche CFD- und Forex-Plattform FXFlat mit Sitz in Ratingen hat die Optionen seit einiger Zeit im Köcher.

"Schweizer Vertrauen" in Zypern

Neben inzwischen arrivierten und streng regulierten Handelsanbietern tummeln sich im Dunstkreis der CFD- und Options-Anbieter aber auch weniger durchschaubare Angebote. So wirbt etwa "Anyoption" auf einer bunten Einstiegsseite im Internet mit "Sieben Gründen" für den Handel mit Binär-Optionen, den hohen Profiten und niedrigen Kosten bei Wetten auf den Dax oder die Facebook-Aktie. Als Alleinstellungs-Merkmal stellt die Plattform ein kontrolliertes Risiko heraus. Hat der Anleger nämlich bei einer Wette aufs falsche Pferd gesetzt, beträgt der Verlust nicht 100 Prozent, sondern nur 85 Prozent.

Schon der "Spread" zwischen maximalen Verlust und maximalem Gewinn zeigen aber, dass die Investoren mit ihren Annahmen schon deutlich öfter richtig als falsch liegen sollten, wenn sie als Gewinner aus dem Spiel mit binären Optionen hervorgehen wollen. Bei Anyoptions beträgt der maximale Gewinn nämlich nur 71 Prozent. Die Firma, so kann der Besucher der Internet-Seite auf der englischsprachigen "Über uns"-Rubrik feststellen, hat ihren Sitz in Zypern. Von der Regulierung durch eine Finanzaufsicht ist dabei nicht die Rede, wohl aber davon, dass Anyoption bereits seit 2008 von "Personen mit hoher Reputation" betrieben wird.

Zumindest über einen Sitz in Frankfurt am Main verfügt die "Banc de Swiss". Das Unternehmen wirbt auf seiner Internet-Präsenz vor dem Hintergrund einer schneebedeckten Gletscherlandschaft mit "deutschem Service" und "Schweizer Vertrauen". Die Muttergesellschaft des Anbieters ist allerdings die Keplero Holdings Limited mit Sitz im Hawaii Tower in Nikosia, also ebenfalls in Zypern.

Auf dem EU-Ticket

Nach Auskunft der deutschen Börsenaufsicht BaFin reicht vielen der Anbieter bereits eine EU-weite Notifikation aus, um in Deutschland tätig zu werden. Dabei wird auf der Basis einer Erlaubnis im Ursprungsland eine bloße Zulassung des Geschäfts in einem beliebigen anderen Land der Gemeinschaft beantragt. Eine Regulierung im eigentlichen Sinne ist damit jedoch nicht verbunden, wie BaFin-Sprecher Ben Fischer gegenüber boerse.ARD.de erklärt. Rechtlich strittig sei es sogar, ob der Handel mit Börsenwetten wie binären Optionen überhaupt anmeldepflichtig ist. Das Kreditwesengesetz (KWG) macht hier nur schwammige Vorgaben.

Die BaFin hat Listen der bei ihr registrierten Finanzanbieter auf ihrer Internet-Seite zugänglich gemacht. Dass Regulierung aber nicht vor Zahlungsausfall schützt, zeigt das Beispiel des deutschen CFD-Brokers FXdirekt. Dessen Geschäftstätigkeit wurde von der BaFin Ende Dezember kurzerhand untersagt. Das Unternehmen war durch Überschuldung in die Insolvenz geschliddert. Immerhin können die Kunden zum Großteil entschädigt werden, da die FXdirekt Bank AG der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) angehört.

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