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Intelligent investieren

Mann schaut in die Weite, im Hintergrund sind Berge von Geld zu sehen.

Zertifikate können als Parkstation dienen

Deep Discounter für Kurstiefen

Stand: 18.01.2016, 14:33 Uhr

Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten in der Zinsdürre stößt der findige Anleger vor allem in holprigen Börsenzeiten auf eine besondere Art von Discount-Zertifikaten: Die Deep Discounter locken gerade dann mit ansehnlichen Renditen.

Das Tagesgeldkonto bringt Anfang 2016 kaum ein Prozent an jährlichen Zinsen ein. Und ein direkter Einstieg in den Aktienmarkt als rentierliche Alternative zur Parkstation ist derzeit ebenfalls für viele private Investoren zu "kitzlig". Zu labil scheinen die Aktienmärkte, zu hoch die Schwankungsbreite, im Börsendeutsch Volatilität genannt.

Hohe Vola, hohe Rendite

Eben diese Volatilität macht derzeit vor allem Discount-Zertifikate interessant. Denn der Aufbau der Produkte mit einer Optionskomponente sorgt dafür, dass die Preise der Zertifikate "günstiger" werden, je höher ihre Basiswerte schwanken - das ist in der Regel eine Aktie oder ein Index. Günstigere Preise bedeuten aber eine höhere Rendite als in Zeiten geringer Börsenschwankungen.

Wer nun in unsicheren Börsenzeiten "relativ" sicherere Renditen erzielen will, bekommt dann mit so genannten Deep Discountern eine günstige Möglichkeit dazu. Diese Discount-Papiere zeichnen sich dadurchaus, dass ihr "Cap" also die Grenze, bis zu der der Anleger an Kurssteigerungen des Basiswertes teilnimmt, weit unter dem derzeitigen Kurs liegt. Beispielsweise hat ein Deep Discounter der Société Générale auf den Dax einen Cap von 7.000 Punkten, die Grenze liegt also "tief" unter dem derzeitigen Indexstand von rund 9.500 Punkten. Das Produkt (WKN: SG2HXV) läuft noch bis zum 16. Dezember 2016.

Die Seitwärtsrendite macht's

Hier hat der Anleger also gar nichts von weiteren Anstiegen des Index', doch das ist auch gar nicht Sinn der Übung. Denn das Discount-Zertifikat wirft eine so genannte "Seitwärtsrendite" ab. Die wird am Ende der Laufzeit fällig, wenn der Index nicht unter die Höhe des Caps fällt. Im Beispiel des Discount-Zertifikats mit Cap 7.000 sind dies derzeit mehr als drei Prozent Rendite pro Jahr. Fällt der Index wider Erwarten doch unter diese Marke, ist der Puffer aufgebraucht und das Zertifikat läuft unterhalb des Caps wie ein normales Index-Zertifikat ebenso wie der Index. Im genannten Fall könnte der Dax also noch weitere 28,5 Prozent fallen, ohne dass die Rendite in Gefahr käme.

Mehr Puffer...

Der Einsatz der Deep Discounter kann mit fast jeder beliebigen Cap-Grenze und auch Laufzeit erfolgen. In der Regel werden Produkte eingesetzt, die zwischen zwei Monaten und einem Jahr Restlaufzeit haben. Je nach Zeithorizont, Risikoneigung des Anlegers und natürlich einer gewissen Erwartung zur Marktentwicklung lassen sich Renditeszenarios abbilden.

Wer den Markt potenziell auf wackeligen Füßen sieht oder ganz auf Nummer sicher gehen will, kann etwa einen Discounter mit einem Cap von 6.000 wählen. Dabei ist der Puffer vom derzeitigen Niveau aus sage und schreibe 38 Prozent groß. Bei einem Zertifikat der HSBC (WKN: TB5FGL) gibt es dafür immerhin noch 1,7 Prozent Jahresrendite.

Rund fünf Prozent Rendite aufs Jahr gesehen kann einheimsen, wer den Cap bei 8.000 Punkten ansetzt, hier bietet die Zertifikate-Abteilung der BNP Paribas einen bis zum Jahresende laufenden Schein (WKN: BP560W) an.

... oder weniger

Deutlich riskanter, aber naturgemäß auch erheblich renditeträchtiger ist der Kauf eines Deep Discounters mit dem Cap 9.000 Punkte. Damit darf der Dax in den kommenden zwei Monaten bei einem Produkt der Deutschen Bank (WKN: TD0ZKS) nicht mehr als weitere 8,3 Prozent fallen. Tut er das nicht, lockt eine annualisierte Seitwärtsrendite von mehr als 18 Prozent. Binnen zwei Monaten wären dies mehr als drei Prozent.

Zertifikate sind Schuldverschreibungen

Nicht vergessen sollte man als Käufer eines Discount-Zertifikats generell auch nicht, dass das Produkt selbst ein gewisses Restrisiko in sich trägt. Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen des Emittenten, der sie begeben hat. Bei einer Zahlungsunfähigkeit dieses Emittenten kann der Wert des Zertifikats prinzipiell auf null fallen - ganz ohne Cap und Puffer.

AB

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