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Regulierer fordern Risiko-Begrenzungen BaFin nimmt CFD-Branche ins Visier

Stand: 08.12.2016, 15:35 Uhr

Gleich mehrere Initiativen von europäischen Aufsichtsbehörden bringen die Broker-Branche derzeit in Bedrängnis. Am Donnerstag hat nun auch die deutsche Wertpapieraufsicht die Spielregeln für die Broker verschärft. Eine "Nachschusspflicht" soll es für Privatanleger nicht mehr geben.

"Das Verlustrisiko ist bei CFDs mit Nachschusspflicht für den Anleger unkalkulierbar. Aus Verbraucherschutzgründen können wir das nicht akzeptieren", so Chefaufseherin Elisabeth Roegele zur Begründung. Ein so genannter "Margin Call" kann im Verlustfall Anleger - ähnlich wie im Terminmarkt - zur einer "Nachzahlung" auf ihre Konten verpflichten. Die Verlustrisiken gehen damit also weit über die Einlage auf dem CFD-Konto hinaus.

Stellungnahmen zur "Allgemeinverfügung" erbeten

Die "geplante Allgemeinverfügung" der Behörde bietet nun erst einmal den betroffenen Anbietern Gelegenheit zur Stellungnahme bis Ende Januar. Danach könnte es dann ernst werden für viele CFD-Broker, bei denen der "Margin Call" zum Geschäftsmodell gehört.

Hohe Verluste auf vielen Anlegerkonten hatten etwa Anfang 2015 für Furore in der Branche gesorgt. Damals rutschten Devisenspekulanten hart in die Miesen, nachdem die Schweizer Nationalbank (SNB) Stützungskäufe zugunsten des Euro gegenüber dem Franken aufgegeben hatte. Auch einige der Broker mussten Verluste in Millionenhöhe schultern. Der CFD-Anbieter Alpari UK ging daraufhin sogar pleite. In der Folge des "SNB-Gaus" hatten einige der CFD-Broker bereits die Nachschusspflicht abgeschafft, die Mehrzahl der in Deutschland tätigen Firmen verlangt aber bislang weiterhin den "Margin Call".

Europaweite Initiativen

Die Anbieter der gehebelten Produke sehen sich derzeit europaweit Forderungen der nationalen Aufsichten gegenüber. Den Anfang hatte Ende November die zypriotische Aufsichtsbehörde CySec gemacht. Nach den neuen Regularien sollen die Handelsprodukte grundsätzlich nur noch mit einem Hebel von maximal 1:50 angeboten werden. Viele Broker lassen bislang Hebel von bis zu 1:400 zu.

Kein Bonus für Traden

Außerdem sollen Bonusaktionen, die hohe Handelsaktivitäten belohnen sollen, verboten werden. Die Broker verdienen im CFD-Handel (wie beim Aktien- oder Zertifikatehandel auch) vor allem an den Spreads (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis). Hohe Handelsvolumina sorgen damit auch für hohe Gewinne auf Seiten der Anbieter.

Eine Reihe von CFD-Anbietern, darunter auch die Social-Trading-Plattform eToro, haben auf der Mittelmeerinsel ihren Sitz. Zypern ist für sie gleichsam eine Eintrittskarte in die EU.

Transparenz über den Handelserfolg

Die britische Börsenaufsicht FCA hat Anfang Dezember ebenfalls angekündigt, den CFD-Brokern engere Zügel anzulegen. Viele der auch in Deutschland agierenden Anbieter haben ihren Hauptstandort in der Londoner City. Auch die FCA will die einsetzbaren Hebel im CFD-Handel deutlich beschränken. Für erfahrene Trader soll dieser Hebel bei 1:50 liegen, Anfänger sollen nach den Vorgaben sogar nur 25-fach hebeln dürfen.

Auch hier sollen Einzahlungs- und Handelsboni künftig entfallen. Und nicht zuletzt sollen die Broker künftig offenlegen, wie viele der Kunden profitabel handeln beziehungsweise Geld verlieren. Insbesondere diese Verpflichtung könnte das Image der Branche belasten. Schließlich macht nach Studien nur der kleinere Teil der Privatanleger Gewinne mit den Differenzkontrakten. Die Mehrheit der privaten Trader zahlt beim CFD-Handel drauf.

Wie sehr die Geschäfte der Broker von möglichen härteren Vorschriften betroffen sein könnten, zeigte sich bereits am Dienstag, als die Aktien einiger Branchengrößen wie IG Markets und CMC Markets in die Knie gingen: Bis zu 40 Prozent rutschten die Titel der in London ansässigen Firmen binnen weniger Stunden ab.

AB

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