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Zertifikate

Schild mit BaFin-Schriftzug in Frankfurt

Kompromiss zwischen Finanzbranche und BaFin

Bonitätsanleihen werden (noch) nicht verboten

Stand: 16.12.2016, 17:13 Uhr

Mit einigen Zugeständnissen haben die Banken und Zertifikate-Anbieter ein Verkaufsverbot sogenannter Bonitätsanleihen vorerst verhindert. Die Produkte sollen künftig unter dem Namen "bonitätsabhängige Schuldverschreibungen" vertrieben und nur noch an risikobereitere Privatanleger verkauft werden.

Die Finanzaufsicht BaFin teilte am Freitag mit, dass sie das geplante Verkaufsverbot für Bonitätsanleihen an Privatanleger vorläufig zurückstelle. Die Finanzbranche habe auf Anlegerschutzbedenken reagiert. Nun will die BaFin sechs Monate beobachten, wie sich die Zugeständnisse in der Praxis auswirken. Das Verbot tritt so lange nicht in Kraft.

Mindeststückelung 10.000 Euro jetzt

Der Bankendachverband Deutsche Kreditwirtschaft (DK) und der Deutsche Derivate Verband (DDV) einigten sich auf neue Standards für die umstrittenen Finanzprodukte. Demnach sollen ausschließlich weniger komplexe Bonitätsanleihen aufgelegt und diese nicht mehr als Anleihen, sondern als "bonitätsabhängige Schuldverschreibung" bezeichnet werden. Zudem gelte ein Mindeststückelung von 10.000 Euro. Der DDV und die DK verpflichteten sich auf einen Zehn-Punkte-Katalog zum Vertrieb der Papiere, der zum 1. Januar in Kraft tritt.

Der Markt für Bonitätsanleihen ist 6,3 Milliarden Euro schwer. Die größten Emittenten sind die LBBW, die Deka, die HypoVereinsbank und die DZ Bank. Sie teilen sich nach Angaben des Deutschen Derivateverbandes (DDV) 90 Prozent des Marktes auf.

Irreführender Begriff

Die Finanzaufsicht hatte im Sommer ein Verbot dieser Finanzprodukte angedroht - es war das erste Mal, dass sie ihre neuen Kompetenzen im Verbraucherschutz nutzte. Die BaFin hatte sich unter anderem am zugkräftigen Namen "Bonitätsanleihen" gestoßen. Er sei irreführend, weil es sich nicht um Anleihen, sondern um eine Art Wette handele. "In die Hände von Privatkunden gehören sie aus unserer Sicht nicht", hatte die für die Wertpapieraufsicht zuständige BaFin-Exekutivdirektorin Elisabeth Roegele im Sommer gewarnt. Banken hätten die Kunden zumeist nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt.

Käufer von Bonitätsanleihen tragen nicht nur das Risiko, dass die ausgebende Bank selbst sie bedienen kann, die Papiere sind zudem mit Kreditrisiken von Unternehmen unterlegt. Damit hängen Zinsen und Rückzahlung auch davon ab, ob die Unternehmen die Kredite bedienen können.

Neue Regeln

Um die Verbraucher zu schützen, sollen künftig in der Regel nur Zertifikate ausgegeben werden, die von der Zahlungsfähigkeit eines einzigen Schuldners abhängen und fest verzinst werden. Zudem sollen die Kunden mindestens 10.000 Euro investieren müssen. Bisher waren Bonitätsanleihen in Stückelungen von 1.000 Euro auch an Kleinsparer verkauft worden.

Vor einer Woche hatte die Bafin ein zweites Verbot des Verkaufs komplexer Finanzprodukte an Privatanleger angedroht. Differenzgeschäfte (CFDs) mit einer Nachschusspflicht dürften Privatkunden künftig nicht mehr angeboten werden, weil das Verlustrisiko für den Anleger unkalkulierbar sei, erklärte sie.

nb

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