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Derivate

Elisabeth Roegele, Bafin, Direktorin für Wertpapier-Aufsicht

BaFin will Privatanleger schützen

Aufsicht hat CFDs im Visier

Stand: 19.09.2016, 11:17 Uhr

Zu gefährlich und intransparent für Kleinanleger? Die Wertpapier-Aufsicht kann sich ein Verbot der "contracts for difference", CFD, offenbar zumindest vorstellen. Bei Banken und Brokern würde das eine neue Einnahmequelle zum Versiegen bringen.

Die Commerzbank-Tochter Comdirect hat sie, auch der S-Broker der Sparkassen offeriert CFDs. Und eine ganze Reihe von Discount-Brokern oder spezialisierten Anbietern, die auch in Deutschland tätig sind, setzen auch die noch recht junge Produkt-Kategorie der Differenz-Kontrakte, "contracts for difference", kurz CFD.

Die Derivate ermöglichen Wetten auf Indizes, Rohstoffe oder Devisen, aber auch auf Einzelaktien und sogar Indexfonds (ETF). Dabei können Anleger sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse bei dem jeweiligen Basiswert setzen. Und das kann mit sehr hohen Hebeln geschehen. Viele der CFD-Broker haben Hebel von 1:100 oder sogar 1:400 im Angebot.

Anleger verlieren in den meisten Fällen

Als hochriskant stuft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, BaFin, die CFDs daher ein. Auch so genannte "binäre Optionen" haben die Aufseher im Auge. Laut einem Interview der zuständigen Direktorin für Wertpapier-Aufsicht Elisabeth Roegele in der "Welt" verlieren Anleger "mit dieser Art von Wetten auf minimale Preisveränderungen bei Aktien, Währungen und Rohstoffen in den allermeisten Fällen".

Die Aufsicht sehe "bei genau solchen Angeboten" ihre "Aufgabe, Verbraucher zu schützen“, so Roegele gegenüber der Zeitung. Roegele schließt sich mit ihrer Ansicht danach "voll und ganz" einer Einschätzung der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA zu den Produkten an. Diese hatte im Juli vor CFDs und den binären Optionen gewarnt.

Kleinanlegerschutzgesetzt macht "Produktintervention" möglich

Die BaFin hat erst seit rund einem Jahr die Möglichkeit zu einem Verbot von einzelnen Produkten, einer so genannten "Produktintervention". 2015 wurde das neue Kleinanlegerschutzgesetz in Kraft gesetzt. Zum Schutz der Anleger kann seitdem eine Produktkategorie verboten oder ihr Handel eingeschränkt werden.

Im August hatte die BaFin mit der Ankündigung eines Verbots von bestimmten Zertifikaten, so genannten "Bonitäts-Anleihen" für Furore gesorgt. Anfang September fand eine Anhöhrung mit Vertretern der Zeritifikate-Industrie statt, auf die nun ein endgütliges Verbot dieser Zertifikateform folgen könnte. In die Hände von Privatanlegern gehörten die strukturierten Produkte nicht, so die Argumentation der Aufseher, zudem sei der Begriff der "Bonitäts-Anleihe" für Kleinanleger irreführend.

Nur Direkthandel mit dem Emittenten

Bei den CFDs und den binären Optionen könnte die BaFin neben den hohen potenziellen Risiken, die Preisfindung der Produkte monieren. Die Kurse der Differenzkontrakte werden durch die Emittenten selbst "gestellt", es gibt also keinen Börsenhandel. Dies haben sie allerdings mit dem Großteil der Hebel-Zertifikate gemeinsam, auch sie werden zumeist im Direkthandel mit dem Emittenten, ge- und verkauft.

Nach einer Studie des Research Center for Financial Services aus München gab es Ende 2015 rund 127.000 CFD-Konten in Deutschland, ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das gehandelte Volumen lag sogar um 33 Prozent höher als ein Jahr zuvor, bei fast zwei Billionen Euro.

AB

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