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Deutsche Börse führt Order-on-Event ein

Arbeitserleichterung für Anleger?

von Angela Göpfert

Es gibt technische Neuerungen, da fragt man sich, wie man überhaupt so lange ohne sie auskommen konnte. Auch der neue Ordertyp der Deutschen Börse könnte Privatanlegern das Leben erheblich erleichtern. Eigentlich.

Füße hoch und dabei Geld verdienen? Ganz so einfach ist es dann doch nicht

Wenn der Dax auf ein neues Jahreshoch steigt, dann bekommt der deutsche Leitindex neuen Schwung. Davon sind Sie fest überzeugt. Praktisch wäre es, für diese Eventualität gerüstet zu sein: Zum Beispiel mit einer Kauf-Order für einen Dax-Call, wenn der Dax über 7.474 Punkte steigt.

Bislang hatten es Privatanleger, die solche Strategien umsetzen wollten, ziemlich schwer. Sie mussten umständlich mit fiktiven Zeitwerten und zukünftigen Volatilitäten jonglieren, um das geeignete Limit für einen Kauf oder Verkauf von Hebelprodukten  abschätzen zu können.

Einführung zum 26. November
Die Alternative dazu war noch weit weniger verlockend: während der Arbeitszeit die Börsenentwicklung beobachten und überdies in der Freizeit permanent das Smartphone nach Börsen-News durchforsten.

Für alle Anleger, die auf solche zeitraubenden Spielchen keine Lust mehr haben, hat die Deutsche Börse nun ab dem 26. November die Lösung. Das Konstrukt nennt sich Order-on-Event. Wie der Name schon sagt, erlaubt diese neue Orderform dem Anleger, Aufträge auszuführen, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt.

Neu, intelligent, makellos?

"Das Wertpapier wird genau dann ver-/gekauft, wenn das von Ihnen festgelegte Szenario eintritt", wirbt Scoach, die Derivate-Handelsplattform der Deutschen Börse, für die Ereignisorder.

Insgesamt listet die Deutsche Börse als "verfügbare Marktindikatoren" 50 Indizes, darunter auch einen Goldminen-Index und den Volatilitätsindex VDax New, sowie 6 Futures (Dax und Euro-Bund) auf.

So einfach dann doch nicht

Handelssaal der Frankfurter Börse von oben (Quelle: pa/dpa)

Das klingt verlockend einfach, doch de facto hat auch die neue Orderform so ihre Tücken. Vor allem die Auswahl des Basiswerts sollte wohl durchdacht sein. So werden viele Derivate nicht nur während der Xetra-Öffnungszeiten gehandelt, sondern auch frühmorgens und spätabends – in aller Regel von 8 bis 22 Uhr.

Soll für ein solches Papier eine Order-on-Event aufgegeben werden, so sollten Anleger statt des Dax-Performance-Index besser den Dax-Future als Basiswert wählen.

Onlinebroker üben sich größtenteils…

Das größte Hindernis bei der Order-on-Event ist aber: Es gibt derzeit gerade einmal zwei ausländische Broker, welche die neue Orderform anbieten: der US-Anbieter Interactive Brokers sowie Brokerjet, der Onlinebroker der österreichischen Erste Group Bank.

Von den deutschen Brokern übernimmt ausgerechnet ein Branchen-Leichtgewicht die Vorreiterrolle: Vitrade will mit der Ereignisorder Januar 2013 starten. Cortal Consors kann noch kein genaues Datum nennen, die Einführung sei aber fest für 2013 geplant.

Dabei spielten vor allem hausinterne technische Erwägungen eine Rolle, wie schnell die neue Orderform für die Kunden tatsächlich verfügbar sein wird, erklärt Dirk Althoff, Leiter der Unternehmenskommunikation, auf Anfrage von boerse.ARD.de.

…noch in Zurückhaltung

DAB Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.41
Differenz absolut
-0.04
Differenz relativ
-1.27%
Comdirect: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.50
Differenz absolut
-0.10
Differenz relativ
-1.30%

"Wir planen derzeit keine Einführung von Order-on-Event", betont hingegen Jürgen Eikenbusch, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der DAB Bank. "Mittel- bis langfristig schauen wir uns aber an, ob wir diese Orderfunktionalität unseren Kunden zur Verfügung stellen – dann aber nicht nur auf eine einzelne Börse bezogen, sondern über alle Börsen hinweg", betont Eikenbusch.

Auch der Onlinebroker der Commerzbank, Comdirect, hat die Order-on-Event noch nicht im Angebot. "Wir werden das aber genau beobachten. Wir sehen in der Order-on-Event eine interessante Möglichkeit für unsere Kunden. Wir können uns durchaus vorstellen, diese im kommenden Jahr umzusetzen", erklärt Annika Fischer, Pressesprecherin der Comdirect.

Richtige Orderform – verzweifelt gesucht

Bis Privatanleger also bei der raffinierten Order von Hebelprodukten leichteres Spiel haben, steht ihnen offenbar noch ein längeres Geduldsspiel bevor. In der Zwischenzeit sind sie auf die bei den Brokern bereits verfügbaren Orderformen angewiesen. Welche Orderform für welches Szenario am besten geeignet ist, erfahren Sie in unserem Hintergrund Gut geordert, ist halb gewonnen.

Stand: 26.11.2012, 14:09 Uhr

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