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Geldanlage 2013

Alternative Unternehmensanleihen

Anleihen 2013 - wenn guter Rat teuer ist

von Robert Minde

Anlageprofis und Privatanleger sitzen in einem Boot. In Zeiten extremer Niedrigzinsen suchen sie händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Eine Alternative können Unternehmensanleihen sein.

Jahresausblick 2013 Unternehmensanleihen. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Nicht wenige Anleger dürften aktuell der "guten alten Zeit" nachtrauern, als Bundeswertpapiere noch auskömmliche Renditen boten. Hatte die Anfang April 2013 fällig werdende fünfjährige Bundesobligation 2008-2013 (WKN 114152) noch einen Kupon von 3,5 Prozent, bietet die aktuelle Emission des Bundes (WKN 114164) bis 2017 nur einen Minizins von 0,5 Prozent.

Ein ähnliches Bild gibt es bei den Bundesanleihen, also den länger laufenden Papieren. Die jüngste Emission einer zehnjährigen Anleihe (WKN 113549) aus dem September mit einem Nominalzins von 1,5 Prozent wirft nur noch 1,27 Prozent Rendite ab - berücksichtigt man die Inflation von rund zwei Prozent, verringert der Anleger also mit einer solchen Anlage sein Vermögen. Da ist guter Rat teuer. Denn wem das zu wenig ist, der muss Abschied nehmen von lieben Anlagegewohnheiten aus der Vergangenheit und sich anderweitig umschauen.

Mehr Chance, mehr Risiko

Das ist leichter gesagt als getan, denn seit jeher gilt: Je höher der Ertrag ausfallen soll, desto mehr Risiko muss der Anleger in Kauf nehmen. Sonst droht die Magerkost der Bundeswertpapiere.

Rating-Tabelle US-Ratingagenturen

Rating-Tabelle US-Ratingagenturen. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Im Fachjargon werden die Zinsen der Bundeswertpapiere auch "riskoloser Zins" genannt. Risikolos deshalb, weil  Deutschland, zusammen mit einigen anderen europäischen Staaten wie Finnland, Norwegen, die Niederlande oder Österreich als höchst zahlungsfähig angesehen wird und von den großen Rating Agenturen die höchste Kreditwürdigkeitsnote erhalten hat, das "AAA-Rating".

Die Tabelle zeigt die Systematik der Bonitätswächter mit ihren Noten, die sowohl auf Unternehmen, als auch auf öffentliche Schuldner angewendet werden. Noten bis zur BBB- gelten als "Investment Grade", darunter beginnt der Bereich der Ramschanleihen, die auch Junk Bonds genannt werden.

Griechenland als warnendes Beispiel

Wer einfach auf die vermeintlich als sicher geltenden öffentlichen Emissionen anderer Euro-Staaten ausweichen will, der hat das warnende Beispiel Griechenland vor Augen. Als EU-Staat von den Rating-Agenturen schon als Ausfall klassifiziert, zeigt der hellenische Fall überdeutlich, dass dieser Weg nicht (mehr) oder nur unter Inkaufnahme sehr großen Risiken gangbar ist.

Aktien oder Unternehmensanleihen?

Wenn also Direktanlagen in Staatsanleihen keine wirkliche Alternative sind, bleiben Aktien oder andere Formen festzverzinslicher Papiere als (liquide) Alternativen. Aktien bieten aktuell größtenteils Dividendenrenditen, die zum Teil deutlich über den Renditen der Bundesanleihen liegen, dafür ist die hohe Volatilität nicht jedermanns Sache.

Unternehmensanleihen, die in der Regel auch besser rentieren als Pfandbriefe, könnten aber eine sinnvolle Alternative sein.

Streuung ist Trumpf

Aber die Auswahl ist groß, weshalb es für den privaten Anleger in der Regel ausgesprochen schwierig ist, selbst eine aktive Auswahl zu treffen. Fondslösungen können daher sinnvoll sein, denn in den Fondsvermögen werden ganze Portfolien abgebildet, so dass dadurch die Risiken gestreut werden.

"Genau wie bei Aktienfonds lassen sich so bereits kleine Anlagebeträge über diverse Anleihetypen und Regionen streuen und damit das Chance-Risiko-Verhältnis optimal ausbalancieren", wirbt Andreas Feiden von Fidelity für den klassischen Investmentgedanken und damit für die Produkte des Hauses.

Variable Anlagemöglichkeiten

In der Tat bieten Rentenfonds eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten, je nach Präferenz des Anlegers. Dieser kann beispielsweise auswählen zwischen den klassischen Unternehmensanleihen großer Unternehmen, die in der Regel im oder am "Investment Grade" geratet sind und damit als risikoärmer gelten. Oder aus  kleineren Emissionen aus dem Mittelstandsbereich.

Beispiele für Investment-Grade-Papiere sind Emissionen von Flaggschiffen wie Volkswagen, Siemens oder BASF, die den Kapitalmarkt gerade im Jahr 2012 für sich als attraktive Refinanzierungsquelle entdeckt haben. "83 Prozent aller Dax-Unternehmen waren 2012 am Kapitalmarkt", sagt Matthias Minor von der Royal Bank of Scotland. Allerdings ist der Zinsvorsprung bei diesen großen Emittenten gegenüber den Bundeswertpapieren meist nur gering. Da auch noch Kosten anfallen, ist der Nutzen einer solchen Investition somit durchaus fragwürdig. Ein Beispiel wäre die jüngste Euro-Emission der BASF im Volumen von einer Milliarde Euro (WKN A1R0XG), die bei einer Laufzeit von zehn Jahren (bis Novemebr 2022) einen Kupon von mageren zwei Prozent bietet.

Im "High-Yield-Bereich", also dem Segment der hochverzinslichen Anleihen mit mehr Risiko als bei den Standardwerten, ließ sich 2012 hingegen durchaus Geld verdienen. Durch die Streuung im Fondsvermögen können auch hier Ausfälle besser verkraftet werden. "Aktuell preist der Markt in diesem Segment Ausfallraten von acht Prozent ein, was einer schweren Rezession entsprechen würde", erläutert Tobias Spies von der Vermögensverwaltung Kohlhase.

Pro und Contra Unternehmensanleihen
ProContra
Chancen auf eine höhere Verzinsung als bei BundeswertpapierenHöheres Risko, abzulesen in der Regel am Kreditrating
In der Regel weniger volatil als eine AktienanlageUnter Umständen spezifische Branchenkenntnissse notwendig
Durch Streuung, zum Beispiel im Fondsvermögen, ist eine Risikominderung möglichBekannte Namen allein versprechen noch keinen Anlageerfolg
Große Unternehmen werden zum Teil besser beurteilt als ganze StaatenZuweilen wenig Liquididät, gerade bei kleineren Emissionen

Fazit: Unternehmensanleihen sind also eine gangbare Anlagealternative in Zeiten extremer Niedrigzinsen. Gleichwohl muss sich der Anleger darüber im Klaren sein, dass das Risiko, je nach gewählter Kreditbonität, höher ist als bei klassischen Bundesanleihen und anderen "AAA"-Papieren. Dies gilt besonders dann, wenn sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen verschlechtern. Eine Anlage ist also nicht unbedingt für jeden geeignet.

Durch ein gestreutes Portfolio können Risiken, vor allem durch Zahlungsausfälle der Emittenten, verringert werden, so dass am Ende eine Rendite über der aktuellen Negativrendite der Bundeswertpapiere steht. Idealerweise bieten Fondslösungen ein solche Streuung an.

Stand: 17.12.2012, 16:27 Uhr

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