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Bundesadler neben Zentrale der Deutschen Bank

Deutsche Bank-Anleihen zurückgestuft

Wenn Erstklassiges droht, Ramsch zu werden

Stand: 31.03.2017, 16:04 Uhr

Das klingt erst einmal nicht sehr vertrauenswürdig. Die Ratingagentur Standard & Poor`s stuft Anleihen der Deutschen Bank bis fast auf Ramschniveau runter. So einfach wie es aussieht, ist die Sache aber nicht.

Denn erst vor zwei Tagen hatte S&P das Emittentenrating der Deutschen Bank und auch der Commerzbank angehoben, und zwar von BBB+ auf A-. Jetzt stuft die Agentur nur kurz danach Anleihen der Bank im Volumen von 58 Milliarden Euro auf BBB- herab.

Bekanntlich ist dies die letzte Stufe im sogenannten Investment Grade, der den bonitätsmäßig unbedenklichen Bereich der Verbindlichkeiten begrenzt. Dieser reicht von der Bestnote AAA+ bis eben BBB-. Sollte das Rating für die Schuldtitel noch weiter fallen, würden die Papiere also im "Non-Investment-Grade"-Bereich landen, der auch wenig schmeichelhaft "Ramsch" genannt wird.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,04
Differenz relativ
-0,99%

Was für eine Bank, die ja vom Vertrauen ihrer Kunden und Geschäftspartner lebt, fast schon der Super-GAU wäre. Auch dürften institutionelle Investoren solche Schuldverschreibungen gemäß ihren Anlagerichtlinien dann nicht mehr in ihre Portfolios aufnehmen.

Opfer des deutschen Gesetzgebers

Wie aber kann das sein? Der Lösung dieses auf den ersten Blick widersinnigen Vorgehens der Ratingagentur nähert man sich beim Blick auf das deutsche Abwicklungsmechanismusgesetz, das zu Jahresbeginn verabschiedet wurder. Das Gesetz führt dazu, dass sich die Verlustpuffer deutscher Banken erhöhen, wodurch die Gläubiger besser geschützt würden.

Ratingagenturen

Ratingagenturen. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Deutschland setzt damit die EU-Abwicklungsrichtlinie um, die sicherstellen soll, dass der Steuerzahler künftig nicht mehr für eine Bankenschiefllage haften muss. Hört sich vernünftig an, beim Blick auf die Schuldtitel der betroffenen Banken wird es aber kompliziert. Der Verlustpuffer der Institute steigt nämlich deswegen, weil die Anleihen künftig als nachrangig gelten und mit in die Haftung eingerechnet werden, sich das Risiko für die Investoren damit also erhöht. Als Konsequenz dieses erhöhten Risikos wird nun die Bonitätsnote gesenkt.

Hätte der Gesetzgeber im Fall der Deutschen Bank die alten Anleihen aus der Haftung genommen, hätte das Institut neue Papiere im Volumen von immerhin 23 Milliarden Euro emittieren müssen, um möglichst schnell den erhöhten Versorgungspuffer zu erreichen. Das war aber angesichts der Vielzahl der milliardenschweren Verbindlichkeiten von Deutschlands größter Geschäftsbank nicht realistisch.

Rating-Tabelle

Rating-Tabelle. | Bildquelle: Börse Stuttgart

Andere Lösung in Frankreich

Im Nachbarland geht man da anders vor. Früher emittierte Anleihen bleiben vom Status her zunächst unangetastet, erst werden die Neuemissionen herangezogen. Die deutsche Regelung kritisiert Philippe Boderau, Fixed-Income-Fachmann von Pimco: "Die vorrangigen Anleihen deutscher Banken stellen für den Investor ein erhöhtes Risiko dar, weil sie durch das neue Gesetz nun einen nachrangigeren Charakter haben", erklärte der Experte gegenüber "faz.net".

Auch hätten Investoren der deutschen Papiere die Anleihen unter völlig anderen Bedingungen gekauft, als diese sich nach der Änderung der Haftungsregeln nun darstellen. Das sieht wohl auch die EU-Kommission vor, die der französischen Regelung zuneigt. Bis es mit einer einheitlichen Regelung soweit ist, werden die deutschen Banken aber wohl lange Übergangsfristen brauchen.

rm

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