Seitenueberschrift

Energie

Zwei Hände voll Holzpellets

Komplett abgebrannt

Wo ist das Geld von German Pellets?

Stand: 25.02.2016, 15:46 Uhr

Anleger schauen bei German Pellets in die Röhre. Zur Pleite des Brennstoffherstellers kommt die Pleite der Töchter. Jetzt sieht auch noch alles danach aus, als sei bei German Pellets eine Art Wirtschaftskrimi geschrieben worden.

Eigentlich haben Anleger die Rettung von German Pellets schon längst aufgegeben. Die Anleihen und Genussscheine sind an der Börse fast nichts mehr wert. Die Kurse schwanken zwischen 1,5 und 1,8 Prozent - das heißt pro 100 Euro Nennwert wird dem Wertpapier nur noch ein Wert von 1,50 Euro beziehungsweise 1,80 Euro zugestanden.

Nachdem nun auch vier Tochtergesellschaften des Holzverarbeiters zahlungsunfähig sind - sie haben gestern Insolvenzanträge gestellt - fragen sich Anleger, ob und was von dem nach eigenen Angaben einst weltgrößten Produzenten und Händler von Holzpellets mit weltweit 27 Unternehmungen noch bleibt. Ob es eine Rettung gibt, wie viel Wert noch in der Firma steckt - das muss alles noch geklärt werden.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte sich zum Stand der Rettungsbemühungen nicht äußern. Die Bestandsaufnahme laufe, und die vorläufige Insolvenzverwaltung halte die Gläubiger seit Mittwoch über ein Informationsportal im Internet auf dem Laufenden.

Anleger tappen im Dunkeln

"Nach wie vor tappen die Anleger völlig im Dunkeln, wie die finanzielle Situation bei German Pellets wirklich aussieht", kritisiert Klaus Nieding, Vorstand der Nieding+Barth Rechtsanwaltskanzlei. "Es ist daher wichtig, dass die Anleger sich organisieren, um ihre Rechte im Insolvenzverfahren zu wahren." Auch die Inhaber der nicht börsennotierten German Pellets-Genussrechte sollten sich spätestens jetzt organisieren, ergänzt Marvin Müller-Blom, Anwalt bei Nieding+Barth.

Diese Genussscheine wurden von der German Pellets Genussrechte GmbH begeben und nicht von der German Pellets GmbH, was zu einer unterschiedlichen Rechtsstellung der Genussrechtsinhaber im Vergleich zu den übrigen Anlegern führt, auch im Vergleich zu denen, die börsennotierte Genussrechte haben.

Der undurchsichtige Wirtschaftskrimi

Nieding verweist auf die immer undurchsichtiger werdende Situation. So sollen mit dem Geld der Anleger Werke in Übersee finanziert worden sein. Doch gehören diese Werk jetzt nicht etwa German Pellets - dann wären sie Teil der Konkursmasse. Sie sollen stattdessen einer der Familie des Ex-Chefs Peter Leibold nahestehenden Stiftung gehören. Damit nicht genug, so Nieding. Auch das erst jüngst von Eon gekaufte Kohlekraftwerk in Belgien gehört inzwischen wohl nicht mehr zur German Pellets Gruppe. Es soll an eine österreichische Gesellschaft weitergereicht worden sein. "Hier brauchen wir schnellst möglich Klarheit", sagt Nieding.

Die "Wirtschaftswoche" beschreibt noch eine Art Wirtschaftskrimi. So soll German Pellets mit einem Unternehmen aus Wien, einem Financier namens MFC Commodities, Geschäft gemacht haben. MFC soll den Holzpellet-Produzenten auch bei schwächerer Geschäftslage finanziell flüssig gehalten haben. Dafür kaufte MFC bei German Pellets Ware, die German Pellets für die Österreicher einlagerte, schreibt das Magazin. Nun soll MFC aber aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten des Pellet-Herstellers die Lagerbestände genau geprüft haben - mit dem unschönen Ergebnis, dass längst nicht so viel Ware in den Lagern liegt, wie German Pellets sagte. Beide Unternehmen schweigen dazu. Die Österreicher sollen aber Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Rostock gestellt haben.

Wo sind die 226 Millionen Euro der Anleger?

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass "gegen verantwortliche Mitarbeiter von German Pellets" eine entsprechende Strafanzeige eingegangen ist wegen Verdacht auf Veruntreuung. Der NDR berichtete, die Behörde ermittle gegen den Geschäftsführer und Firmengründer Peter Leibold. Auslöser sei die Anzeige eines Lieferanten wegen nicht bezahlter Rechnungen - es geht um den Verdacht der Unterschlagung. Offenbar hat German Pellets in Deutschland offene Rechnungen für Holzlieferungen nicht bezahlt. Zusätzlich gibt es Anzeigen von Privatleuten, die Anleihen bei German Pellets gezeichnet hatten. Es geht um den Verdacht des Kapitalanlagebetrugs.

Es scheint fraglich, ob Kleinanleger nach der Insolvenz an ihr Geld kommen. Es heißt, die vorläufige Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde habe nur noch 5.000 Euro in der Firmenkasse gefunden.

Peter Leibold hat das Unternehmen 2005 gegründet. Der Umwelt-Trend - weg vom Öl, hin zu umweltschonenderem Holz - half ihm dabei, binnen eines Jahrzehnts den weltgrößten Hersteller von Holzpellets zu formen. Doch der rasante Expansionskurs gelang nur mit reichlich Geld. Die Unternehmensgruppe holte es sich von Anlegern, versprach ihnen dafür hohe Zinsen: bei Anleihen Renditen von 7,25 Prozent und bei Genussrechten 8,00 Prozent.

Allein deutsche Anleger haben dem Unternehmen rund 226 Millionen Euro gegeben - die hohen Zinszusagen noch nicht mitgerechnet. Zum 1. April wird eine Anleihe mit einem Volumen von 52 Millionen Euro fällig - die brachte alles ins Rollen. Erst wollte German Pellets die Rückzahlung verschieben und die Zinslast verringern - und lud zur Gläubigerversammlung. Am 10. Februar sagte das Unternehmen die Versammlung dann kurzfristig ab und stellte Insolvenzantrag.

bs

Darstellung: