Bundesadler mit Zinszeichen und Euros

Dramatischer Rendite-Anstieg Turbulente Zeiten für Bundesanleihen

Stand: 12.07.2017, 13:36 Uhr

Am Anleihemarkt herrscht Unruhe: Die Renditen von Bundesanleihen haben sich binnen kurzer Zeit verdreifacht. Die Spreads zu US-Treasuries verringern sich. Experten sehen das als Warnsignal für den Aktienmarkt.

Seit 2009 ist der Renditeabstand zwischen zehnjährigen Bundesanleihen und US-Staatsanleihen zunehmend angestiegen. Vor einem Jahr erreichte der Spread mit 2,38 Prozentpunkten ein Rekordniveau.

Nun aber sieht es nach einer Trendwende aus. Der Abstand zwischen deutschen und amerikanischen zehnjährigen Staatstiteln verringert sich kontinuierlich auf inzwischen 1,7 Prozentpunkte. Während US-Treasuries nur noch bei 2,35 Prozent rentieren, schnellten die Renditen von Bundesanleihen am Mittwoch auf 0,6 Prozent.

"Schlechtes Omen für die Börsen"

Experten schlagen Alarm. Markttechniker Tom McClellan hat ermittelt, dass eine solche Wende bei den Spreads zwischen US- und Bundesanleihen historisch ein schlechtes Omen für die Aktienmärkte ist. Jedes Mal, wenn der Zenit im Renditeabstand erreicht war, ging es auch an den Börsen nach unten, heißt es auf dem Finanzportal "MarketWatch". Das, so McClellan, war 2000 und 2010/11 der Fall.

Renditen von Bunds verdreifacht

Die Entwicklung an den Rentenmärkten ist besorgniserregend. Seit Ende Juni sind die Renditen von Bundesanleihen von 0,2 Prozent auf inzwischen 0,61 Prozent nach oben gesprungen. Das ist der höchste Stand seit Anfang 2016. Die Anleger fürchten ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Präsident Mario Draghi hat vor kurzem in Portugal Spekulationen über ein Herunterfahren der Anleihenkäufe angeheizt.

Die europäische Notenbank ist inzwischen zu einem mächtigen Akteur am Rentenmarkt aufgestiegen. Fällt die EZB als Käufer weg, könnte der gesamte europäische Bondsmarkt in Turbulenzen geraten.

Findet die EZB nicht genügend Bundesanleihen?

Nach Einschätzung der ABN-Amro-Experten sei inzwischen die EZB faktisch gezwungen, etwa in Deutschland bereits vorzeitig ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Die EZB-Käufe deutscher Staatspapiere bleiben seit drei Monaten hinter dem Niveau zurück, das dem sogenannten Kapitalschlüssel zufolge eigentlich vorgesehen ist. Der Kapitalschlüssel gibt vor, wie hoch der Anteil der Papiere eines Euro-Landes am Gesamtvolumen der Käufe sein soll. Er richtet sich nach der Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Offiziell läuft das Kaufprogramm noch mindestens bis Ende 2017. Monatlich sind Käufe im Volumen von insgesamt 60 Milliarden Euro vorgesehen.

Der Ausverkauf bei Bundesanleihen hat Anleger von deutschen Staatspapieren schwer getroffen: Der Rentenindex Rex10P, ein wichtiger Indikator am Anleihemarkt, hat binnen knapp zwei Wochen seine kompletten Jahresgewinne abgegeben. Viele Rentenfonds erlitten Verluste.

Neue Bundesanleihen mit 0,5 Prozent Kupon

Renditen und Kurse entwickeln sich am Rentenmarkt gegenläufig. Fallen die Kurse, steigen die Renditen und umgekehrt. Ändert sich das Zinsniveau, passen sich die Kurse entsprechend an.

Das muss auch der Bund einsehen. Konnte er noch vor einem Jahr zehnjährige Bundesanleihen zu einem Kupon von null (!) Prozent ausgeben, musste er jetzt für die Neuemission von zehnjährigen Titeln (bis 2027) am Mittwoch 0,5 Prozent anbieten.

nb

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