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Anleihen

Strafzinsen

Historische Anleihenemission

Nullzins und Negativrendite

Stand: 14.07.2016, 14:01 Uhr

Erstmals in der Geschichte hat der deutsche Staat eine Bundesanleihe ganz ohne Zinskupon auf den Markt gebracht. Oder anders gesagt: Deutschland leiht sich Geld und bekommt dafür auch noch Zinsen. Und dennoch findet der Schuldschein Investoren.

Verkehrte Welt am Anleihenmarkt: Die Finanzagentur des Bundes hat am Mittwoch bei einer Anleihen-Emission erstmals eine negative Rendite für Investoren begeben. Die zehnjährige Anleihe, wurde - ebenfalls ein Novum - ohne einen Zins auf den Markt gebracht. Anleger erhalten also während der Laufzeit keinerlei Zahlungen vom Schuldner, der Bundesrepublik Deutschland.

Hauptsache: Sicherheit

Wer die Anleihe mit der Wertpapier-Kennnummer (WKN 110240) zum Start am Mittwoch kaufte, bekommt aber sogar noch weniger als null: Denn die Anleihen wurden dank der guten Nachfrage zu 100,48 Prozent zugeteilt - zurückgezahlt werden im August 2026 aber nur 100 Prozent. Damit ergibt sich eine jährliche Minus-Rendite von 0,05 Prozent. Die Finanzagentur des Bundes nahm mit der Anleihe rund vier Milliarden Euro ein. Nach ihren Angaben war die Anleihe 1,2-fach überzeichnet, es hätte also noch mehr Abnehmer gegeben.

Manchen Investoren ist bei dem Wertpapier die Sicherheit des deutschen Staates als Schuldner offenbar wichtiger als eine Verzinsung ihrer Anlage. Aber auch regulatorische Anforderungen spielen eine große Rolle, wie etwa der Zwang für Banken, in erstklassige liquide Aktiva zu investieren, um ihre vorgeschriebene Mindestliquiditätsquote zu erreichen. Hinzu kommen Investoren, die auf kurzfristig weiter fallende Zinsen und damit Kursgewinne setzen.

Wer das Papier zehn Jahre hält, macht ohnehin Verluste, denn nicht einmal die derzeit geringe Inflation in Deutschland und der Eurozone wird bei der Rückzahlung ausgeglichen.

Rentenmarkt-Experten führen das Interesse an den Papieren auf die wieder gestiegene Risiko-Aversion nach dem Brexit-Votum der Briten als Motivation für sicherheitsbewusste Anleger ins Feld. Deutschland gilt wegen seiner Wirtschaftskraft und auch wegen seiner hohen Kreditwürdigkeit mit einem "AAA"-Rating als Musterschuldner, das Verlustrisiko mit Bundespapieren wird entsprechend sehr gering eingeschätzt.

Nullzins bei Kurzläufern schon üblich

Bei bereits emttierten Bundesanleihen sind Negativrenditen bereits länger zu beobachten. Papieren mit zehnjähriger Laufzeit liegt die Rendite sogar inzwischen bei minus 0,16 Prozent. Bei kürzerlaufenden Bundesanleihen sind Nullkupons bereits geübte Routine: Eine fünfjährige Anleihe wurde erstmals 2015 ohne Verzinsung aufgelegt, bei zweijährigen Papieren feierte der Nullzins bereits 2012 seine Premiere.

Des Investoren Leid', des Bundesfinanzministers Freud': Wolfgang Schäuble kann sich über die immer besseren Möglichkeiten freuen, für den Bund Geld einzutreiben. Die Refinanzierung des Schuldenberges von rund einer Billion Euro war noch nie so einfach.

AB

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