Thor Schultz Christensen, Dankse Invest

Interview zu inflationsgeschützten Anleihen "Inflationsrisken nicht unterschätzen"

Stand: 12.05.2017, 16:19 Uhr

Ist Inflation derzeit überhaupt ein Thema? boerse.ARD.de sprach hierüber mit Thor Schultz Christensen, Rentenfondsmanager und Leiter Fixed Income beim dänischen Asset Manager Danske Invest. Er zeigt auf, wie man sich mit inflationsgeschützten Anleihen absichern kann.

boerse.ARD.de: Inflation war lange Zeit kein Thema. Nun scheint es aber so, dass auch aus der EZB erste Signale kommen, sich von der ultraleichten Geldpolitik zu verabschieden. Müssen sich die Anleger damit auf rauere Zeiten, sprich höhere Inflationsraten einstellen?

Thor Schultz Christensen: Sie sprechen die angekündigte Verringerung der QE-Programme der EZB an. Man muss dabei bedenken, dass die EZB mittlerweile ihr Ziel nahezu erreicht hat, maximal 33 Prozent der jeweiligen Emittenten aufzukaufen. Dies ist aber eher ein technischer Grund dafür, dass sie die Programme zurückfahren dürfte.

Ein Wechsel im Zinsregime und damit der Inflationseinschätzung muss das aber nicht sein. Für den Leitzins im Euroraum erwarte ich derzeit wenig Bewegung. Es soll auch seitens der EZB gar nicht der Eindruck erweckt werden, die Bank befinde sich in einem Tapering-Prozess, so wie das in Amerika der Fall ist. Sie kann eine Rückführung der Programme ganz einfach mit der sich verbessernden wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone begründen, ohne dabei falsche Hoffnungen oder Eindrücke zu erwecken.

boerse.ARD.de: Aber die Inflationsraten haben zuletzt auch in Europa angezogen, zudem sind die Minuszinsen in vielen europäischen Ländern ein Ärgernis für Sparer und institutionelle Anleger.

Schultz Christensen: Zunächst sind für Mario Draghi die Minuszinsen nach wie vor das kleinere Übel im Vergleich etwa zu instabilen Finanzmärkten. Er kann damit gut leben, auch mit seinem Inflationsziel von 2,00 Prozent. Zumal diese Marke in Europa wesentlich schwieriger zu erreichen sein wird als in Amerika, weil die Immobilienkomponente, etwa für Mieten oder Hauspreise, in den europäischen Warenkörben nicht so stark berücksichtigt wird.

boerse.ARD.de: Woher kommen dann die höheren Inflationsraten beziehungsweise die gestiegenen Inflationserwartungen her?

Schultz Christensen: Grundsätzlich speisen sich die Inflationserwartungen meist aus drei Preiskomponenten. Denen für Energie, Lebensmitteln und den Löhnen. Hinzu kommt, dass auch Währungseffekte inflationsfördernd sein können, etwa wenn der Euro weiteren Boden gegenüber dem Dollar verlieren sollte. Während die Märkte derzeit bei den Energie- und Lebensmittelpreisen kaum höhere Volatilitäten erwarten, liegt der Hauptfokus eher auf der Lohnentwicklung. Nur eine Änderung, sprich stärkere Erhöhung, dürfte sich stärker auswirken und damit inflationstreibend wirken.

Global gibt es hierfür durchaus Anzeichen, etwa in den USA oder auch in China. Hinzu kommen höhere administrative Preise, also solche, die der Staat für Dienstleistungen festlegt, und Währungseffekte. Diese globalen Inflationsrisiken darf man nicht unterschätzen, sie steigen derzeit.

boerse.ARD.de: Und gegen solche Effekte kann man sich dann mit inflationsindexierten Renten oder Rentenfonds absichern?

Schultz Christensen: Ja, dem Ganzen liegt ein Versicherungsgedanke zugrunde. Wir fragen auch nicht, was wir nominal bei Ablauf eines Papiers zurückbekommen, sondern was man sich dafür effektiv kaufen kann. Das ist doch die viel wichtigere Frage, denn eine Inflationsdynamisierung gibt es bei nominalen Produkten eben nicht. Die meisten Anleger denken nämlich oftmals nominal.

Hinzu kommt, dass ein Engagement derzeit günstig ist, da es aktuell keine oder kaum Inflationserwartungen im Markt gibt. Man sichert sich also nicht nur ab, sondern verdient sogar noch etwas. Für den von mir gemanagten Fonds "Global Inflation Linked Bond Short Duration" hatten wir zuletzt einen erwarteten Ertrag von 1,1 Prozent ausgewiesen, ohne bei der Bonität irgendwelche Abstriche zu machen. Besser auch als bei Floatern, die man bei steigenden Zins- und damit Inflationserwartungen prinzipiell auch kaufen kann.

Ein weiterer positiver Effekt ist der, dass ein Investor mit inflationsgesicherten Anleihen im Portfolio den Aktienanteil höher halten kann, da das Rentenrisiko eben geringer ist. Die Papiere dienen damit auch einer besseren Diversifizierung des Gesamtportfolios, was vor allem bei Profi-Anlegern sehr beliebt ist.

boerse.ARD.de: Wie kann man sich ein solches Papier konkret vorstellen?

Schultz Christensen: Inflationseffekte werden auf den Nominalwert draufgeschlagen, beispielsweise wird eine Anleihe bei höherer Inflation dann nicht, wie sonst üblich, zu 100 Prozent, sondern zu einem höheren Kurs zurückgezahlt, je nach Inflationsentwicklung. Bei einem Fonds gehen solche Effekte positiv in den Fondspreis ein.

boerse.ARD.de: Welche Duration haben sie ihrem Fonds und in welchem Umfeld sind Käufe am sinnvollsten?

Schultz Christensen: Wir sind zwischen einem Jahr und zehnjährigen Anleihelaufzeiten engagiert. Noch länger laufende Papiere, die es ja auch gibt, sind nicht enthalten.

Inflationsgeschützte Anleihen sind dann besonders sinnvoll, wenn das Wirtschaftswachstum bei steigenden Preisen eher mäßig ist. Die Inflationsraten sind dann noch niedrig, ziehen aber an. Umgekehrt schlagen reine Nominalanleihen die inflationsindexierten Titel, wenn Notenbanken die Zinsen relativ schnell erhöhen und kein klarer Hinweis auf Lohn- und damit Inflationsdruck besteht.

Zu beachten sind dabei die enorm hohen Schuldenstände vieler Staaten, die ein solches Szenario derzeit eher unwahrscheinlich erscheinen lassen. Allerdings kann nur eine höhere Inflation diese Schuldenlast wirklich aushöhlen.


Das Gespräch führte Robert Minde.

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