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Unternehmensanleihen

Risikoprämien auf Rekordhoch

Höchstgefahr mit Hochzins-Anleihen?

von Notker Blechner

Stand: 12.02.2016, 17:54 Uhr

Der rasante Verfall der Ölpreise sorgt für Turbulenzen im Hochzinsanleihen-Markt. Experten befürchten massive Ausfälle von Bonds der Öl- und Gasfirmen. Das würde auch Banken hart treffen. Droht hier der nächste Crash?

Hohe Zinsen bergen hohe Risiken - diese Binsenweisheit gilt mehr denn je in der momentanen Nullzins-Ära. Das wissen die meisten Profi-Investoren, die in Hochzinsanleihen - die höfliche Umschreibung für Ramschanleihen - investieren. Auf der verzweifelten Suche nach Rendite steckten sie Milliarden in Papiere von Unternehmen, die aufgrund einer schlechteren Kreditwürdigkeit höher verzinst sind, und nahmen das höhere Risiko im Vergleich zu den Anleihen im Investment-Grade-Bereich in Kauf.

Bonds von Fracking-Firmen stürzen ab

Nun hat sie der dramatische Einbruch der Ölpreise auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kurse von Anleihen im Energiebereich sind in den letzten Wochen regelrecht abgestürzt. Besonders Fracking-Firmen wurden kalt erwischt. Die Kurse des zweitgrößten US-Erdgasförderers Chesapeake notieren teilweise nur noch bei 15 Prozent ihres Nennwerts.

Die Fracking-Firmen hatten in den vergangenen Jahren bevorzugt Anleihen ausgegeben, um von dem Kapital Maschinen und Geräte zur Erschließung der Öl- und Gasvorkommen in Amerika zu kaufen. Angesichts eines Ölpreises von knapp über 30 Dollar zweifeln Investoren zunehmend an der Profitabilität der Schiefergas-Förderer - und versuchen ihre Anteile loszuwerden. Das drückt den Kurs der Anleihen.

Fast 20 Prozent Rendite

Wie das "Handelsblatt" am Mittwoch berichtete, liegt die durchschnittliche Rendite der Junk Bonds von US-Energiefirmen inzwischen bei 19,8 Prozent. Die Risikoprämien gegenüber US-Staatsanleihen kletterten auf ein Rekordhoch von sage und schreibe 18,4 Prozent.

Der Markt hat also eine hohe Ausfallrate der Anleihen eingepreist. Es wird angenommen, "dass jede dritte Firma im Öl- und Energiesektor ausfallen wird", sagte Philipp Good, Fondsmanager des Schweizer Anleihe-Spezialisten Fisch Asset Management. Das halte er für stark übertrieben. Das Analysehaus Credit Sights befürchtet, dass bis 2017 jährlich 15 Prozent aller US-High-Yields aus dem Energiebereich ausfallen.

Ansteckungsgefahr bei US-High-Yields

Die Verwerfungen im Energie- und Rohstoffbereich haben den gesamten Markt für US-Hochzins-Anleihen durcheinandergewirbelt. Die Renditen sind auf zehn Prozent gestiegen, erklärt Michael Mewes, Anleihenexperte von JPMorgan, gegenüber boerse.ARD.de. Die Ausfallrisiken liegen inzwischen schon bei acht Prozent. Die durchschnittliche Risikoprämie, also der Renditeaufschlag gegenüber US-Staatsanleihen, hat mit 8,5 Prozentpunkten das höchste Niveau seit Oktober 2011 erreicht.

Angst um die Banken

Kommt es zu einem Massensterben der Fracking- und Rohstoff-Firmen, würden die kreditgebenden Banken in Mitleidenschaft gezogen und hätten hohe Belastungen zu verkraften. Diese Befürchtungen haben mit zu dem dramatischen Kurseinbruch der Bankaktien in den letzten Wochen geführt. So nennt Bernstein 17 Banken, deren Ausfallrisiken im Hochzins-Bereich bei über einer Milliarde Dollar liegen. Unter den deutschen Geldinstituten wäre besonders die Deutsche Bank betroffen. Laut den Analysten von Exane könnte die Deutsche Bank "signifikante" Engagements im High-Yield-Bereich haben, die nicht gut abgesichert sind, meldete "Die Welt" vor einer Woche.

"Viele Anleger fürchten, der niedrige Ölpreis werde im Finanzsystem zu ähnlichen Belastungen führen wie in der Subprime-Krise", glaubt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Das sei jedoch ein Irrtum, meint er. Hypotheken machten 2008 gut 30 Prozent der privaten US-Schulden aus, bei High Yields seien es nur zwei Prozent, sagte er der "Welt".

Übertreiben die Märkte?

Viele High-Yield-Experten halten denn auch die momentanen Risikoprämien und erwarteten Ausfallquoten für übertrieben. "Wir glauben nicht an die große Krise, die der Markt derzeit spielt", sagt JPMorgan-Experte Mewes. "Wir erwarten nur eine kleine Krise am High-Yield-Markt."

Er setzt derzeit vor allem auf europäische Hochzinsanleihen und favorisiert die Bereiche Medien, Auto und Konsum. Auch Anleihen von Ölgiganten wie Exxon und Chevron mit guter Bonität sieht er von der Krise nicht betroffen.

Kaldemorgen und Huber setzen auf High Yields

Bekannte Fondsmanager wie Klaus Kaldemorgen (DWS) oder Peter E. Huber sind derzeit ebenfalls positiv gestimmt für High Yields. Hochzinsanleihen seien eine sehr gute Alternative zu Aktien, meinte Kaldemorgen jüngst auf dem Mannheimer Fondskongress. Gut seien Bonds von Unternehmen, die auch Aktien am Markt haben. Und Huber investiert nach eigenen Angaben derzeit in High Yields von großen Unternehmen, teilweise auch im Energie- und Rohstoffbereich.

Eine Schwäche bei Hochzinsanleihen gilt allerdings als Warnsignal für die Konjunktur und die Finanzmärkte. "Der High-Yield-Markt hat in der Vergangenheit viele Krisen vorweggenommen, auf die die Börsen später reagierten", sagt JPMorgan-Experte Mewes. So hätten die US-High-Yields den Bärenmarkt schon Mitte 2014 eingeläutet - ein Jahr vor den Börsen.

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