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Anleihen

Grünes Prozentzeichen auf Gras mit Gänseblümchen

Modethema Green Bonds

Grüne Anleihen: (Mini-)Zinsen mit gutem Gewissen

von Notker Blechner

Stand: 02.02.2017, 11:57 Uhr

Wer etwas für den Umweltschutz tun und dabei noch ein bisschen Zinsen verdienen will, kann sein Geld in Green Bonds stecken. Die grünen Anleihen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Lohnen sich die Produkte? Wie grün sind die Anleihen wirklich?

Nachhaltigkeitsfonds und Öko-Aktien gibt's schon lange. Nun bekommen auch die Anleihen einen zunehmend grünen Anstrich. Der neueste Schrei sind so genannte Green Bonds. Die Nachfrage ist groß.

Das Emissionsvolumen hat sich seit 2013 mehr als versechsfacht: von zehn Milliarden auf 65 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet die Climate Bonds Initiative mit einem Volumen von über 120 Milliarden Euro. "Der Markt wächst rasant", sagt Wolfgang Pinner, Leiter der Abteilung Nachhaltige Investments von Raiffeisen Capital Management.

Französische (Öko-)Revolution

Gerade erst hat Frankreich einen sieben Milliarden Euro schweren Green Bond ausgeben. Er hat eine Laufzeit von 22 Jahren. Trotz einer relativ geringen Rendite von 1,7 Prozent war die Öko-Anleihe dreifach überzeichnet.

Im Dezember hatte Polen bereits eine grüne Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren platziert. Die Rendite liegt bei um die 0,63 Prozent.

Das dürfte dem Green-Bond-Markt weiter Auftrieb geben, sind Experten überzeugt. Ursprünglich waren es vor allem Förderbanken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die Europäische Investment Bank (EIB), die solche grüne Anleihen ausgaben. 2007 hatte die EIB den ersten Green Bond überhaupt platziert.

Selbst Apple emittiert Green Bonds

Seit 2013 mischen auch Unternehmen im Green-Bond-Markt mit. Als einer der Vorreiter gilt Apple. Der iPhone-Hersteller hat neun Öko-Anleihen mit einem Volumen von über zwölf Milliarden Dollar emittiert.

Die Auswahl ist inzwischen recht groß. Laut Raiffeisen-Experte Pinner besteht das investierbare Green-Bond-Universum derzeit aus 123 Emissionen. Größte Anbieter sind die Weltbank (IBRD), die Europäische Investment Bank und die KfW. Die staatliche deutsche Förderbank hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben Green Bonds in vier verschiedenen Währungen mit einem Volumen von 2,8 Milliarden Euro ausgegeben. "Unser Anspruch ist es, dunkelgrüne Anleihen aufzulegen", sagt KfW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig.

Green Bonds Emissionen 2012-2017

Green Bonds Emissionen 2012-2017. | Bildquelle: Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m. b. H., CBI, Grafik: boerse.ARD.de

Die grünen Anleihen sind nämlich keine ganz normalen Anleihen. Die Emittenten der Green Bonds verpflichten sich, den Erlös der Anleihe in nachhaltige Projekte für den Umwelt- oder Klimaschutz zu investieren.

Mangelnde Transparenz

Allerdings sind die Kriterien für Green Bonds noch relativ unklar. Nach Ansicht des Südwind-Instituts fehlt es an voller Transparenz darüber, welche Projekte mit dem angelegten Geld finanziert werden. So könne es vorkommen, dass aus den Green Bonds neben erneuerbaren Energien auch der Kohlebergbau oder gar Atomkraftwerke unterstützt würden. Viele Öko-Puristen können auch nicht nachvollziehen, warum EDF als Atomkraftwerksbetreiber mehrere Öko-Anleihen begeben darf.

2014 haben sich mehrere Dutzend Emittenten auf die Green Bond Principles verständigt. Sie regeln, was als grüne Anleihe gilt, was finanziert werden darf und wie die Mittel verwendet werden sollen. Die Emission soll durch unabhängige Dritte begleitet werden. So analysieren Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie Oekom oder Sustainalytics oder Forschungsinstitute wie Cicero die Green Bonds und geben Zweitmeinungen.

Mickrige Renditen

Mit einigen Green Bonds, die von Nachhaltigkeits-Ratingagenturen positiv bewertet werden, lässt sich also die Welt retten. Doch das gute Gewissen geht nicht einher mit fetten Renditen. Die meisten Green Bonds rentieren mit unter ein Prozent, teilweise sind zwei Prozent möglich. Mehr kann man aber in der aktuellen Niedrigzinsphase nicht erwarten. Immerhin: Im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen gibt es keine nennenswerten Renditeeinbußen.

Für Privatanleger war es lange Zeit schwierig, an Green Bonds heranzukommen - wegen der oft großen Stückelung. Bei einigen Anleihen gab es Mindestanlagesummen von  100.000 Euro. Das hat sich inzwischen geändert. Bei einigen Green Bonds können Anleger schon ab 1.000 Euro einsteigen.

Weniger Risiko mit Green-Bond-Fonds?

Eine Alternative sind Green-Bond-Fonds. Sie investieren in mehrere grüne Anleihen und senken so die Risiken. Allerdings fallen hier höhere Gebühren und - beim Kauf des Fonds über die Hausbank - ein Ausgabeaufschlag an. Anbieter der Green-Bond-Fonds sind unter anderem SEB, Raiffeisen Capital Management, Natixis, Axa Investment Managers, Allianz Global Investors und die Umwelt-Bank.

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Das Universum der Green Bonds

KfW, Frankreich und einige Fonds

KfW Greenbond EUR 2014/2019: Kursverlauf am Börsenplatz Stuttgart für den Zeitraum 1 Jahr

KfW Greenbond EUR 2014/2019

Die deutsche Förderbank KfW hat zehn Green Bonds ausgegeben. Die 2014 emittierte fünfjährige Anleihe in Euro bietet einen Zinskupon von 0,375 Prozent. Privatanleger können ab einer Summe von 1.000 Euro einsteigen. Allerdings verdienen sie damit momentan kein Geld. Die Rendite liegt aktuell im negativen Bereich bei minus 0,5 Prozent. Mit dem Green Bond finanziert die KfW Wind- und Photovoltaikanlagen.

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