Rentenmarkt

Teile der Akropolis von Athen stehen neben dem Capitol in Washington

Drohende Zinswende Griechenland auf dem Capitol Hill?

von Robert Minde

Stand: 15.11.2016, 13:30 Uhr

Donald Trump will Amerika unter anderem mit einem neuen Konjunkturprogramm wieder flott machen. Das Geld dazu druckt er selbst - so einfach ist das. Oder vielleicht doch nicht? An den Rentenmärkten jedenfalls herrscht, anders als am Aktienmarkt, das blanke Entsetzen.

Die Märkte machen derzeit einfach nicht das, was sich wohl so mancher Anleger nach der überraschenden Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA ausgerechnet hatte. Nicht nur das sich die Wahlumfragen mal wieder als Mega-Flop erwiesen haben (wie auch schon beim Brexit), der als Börsenschreck geltende Immobilienunternehmer aus New York treibt auch noch die Aktienmärkte an.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
21.641,27
Differenz relativ
+0,60%

Spätestens nachdem Trump nach der Wahl dann für seine Verhältnisse recht versöhnliche Töne angeschlagen hat, gibt es kein Halten mehr. Der Leitindex Dow Jones steigt auf ein neues Rekordhoch, die Stimmung am Aktienmarkt ist zumindest für die Standardwerte prächtig (Technologiewerte bleiben allerdings zurück).

Panik am Rentenmarkt

Ganz anders die Lage am Rentenmarkt, wo die Kurse seitdem massiv einbrechen. So ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von 1,8 auf 2,25 Prozent gestiegen, im Juli lag sie noch bei 1,35 Prozent. 30-jährige Staatsanleihen rentieren sogar erstmals seit Januar über der Marke von drei Prozent. Für institutionelle Anleger sind das bittere Verluste, denn wenn die Renditen anziehen, fallen die Kurse der Papiere.

Aber nicht nur in den USA sind die Zinsen am Kapitalmarkt gestiegen, weltweit zeigt sich die gleiche Tendenz. Am heimischen Bondmarkt ist der Kurs der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe deutlich gefallen, die Rendite in der Spitze schon bis 0,37 Prozent angestiegen, nachdem zuletzt konstant Minusrenditen auf der Kurstafel standen. Nicht nur das die Investoren also keine Zinsen auf die Anleihe erhalten, der Kupon liegt schließlich bei 0,00 Prozent, jetzt machen sie auch noch Kursverluste.

Beispiel gefällig: Im Oktober stand der Kurs der Null-Prozent-Anleihe (WKN 110 240, nicht zu verwechseln mit einem Zerobond!) noch bei etwas über 101 Prozent, aktuell bei 96,75 Prozent. Wer also bei einem Kurs von genau 100 Prozent 1.000 Euro investiert hat, bekommt jetzt nur noch 967,50 Euro zurück. Bei den Summen, die institutionelle Anleger anlegen, kommt da schnell so einiges an Verlusten zusammen. Der Bund-Future, ein an der Terminbörse Eurex gehandelter fiktiver Kontrakt auf eine sechs-prozentige Bundesanleihe mit einem Volumen von 100.000 Euro, ist von seinem Kurs vor der Wahl bei 163,02 Prozent auf 159,31 Prozent abgeschmiert. Aktuell leckt sich der Kontrakt, der als richtungsweisend für den deutschen Bondmarkt gilt und international stark beachtet wird, seine Wunden bei etwas über 160 Prozent.

Auch in den europäischen Problemländern wie Italien oder Griechenland steigen die Renditen (Zehnjährige Hellas-Rendite zuletzt plus 13 Basispunkte auf 7,22 Prozent), entsprechnd fallen die Kurse. Gerade Griechenland trifft das bitter, denn es kann angesichts seiner Schuldenberge überhaupt nur mit Hilfe des IWF , der Euro-Staaten und der EZB überleben - sonst wären in Athen längst schon die Lichter ausgegangen.

US Staatsanleihen und ihre Zinmsentwicklung

US Staatsanleihen und ihre Zinsentwicklung. | Bildquelle: CNBC, Grafik: boerse.ARD.de

Der von Bank of America Merrill Lynch berechnet Index für den weltweiten Bondmarkt fiel in der vergangenen Woche um 1,2 Prozent - so viel wie zuletzt im Juni. Sein Pendant für die US-Bonds verzeichnete mit einem Minus von 1,9 Prozent sogar den größten Wochenverlust seit 2009. In der vergangenen Woche wurden damit rund 1,3 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung am Rentenmarkt vernichtet, im Gegenzug legten die Aktienbewertungen entsprechend zu.

"Wir beobachten einen Stimmungsumschwung", sagt Jeffrey Gundlach, Chef des Vermögensverwalters DoubleLine. Investoren schichteten in großem Stil Geld von Anleihen in Aktien um. Sie wetteten auf ein großangelegtes Trump'sches Konjunkturprogramm und versprechen sich daher von Aktien höhere Gewinne.

Holt Donald Trump die Inflation zurück?

Grund für die Kursverluste ist schlicht und einfach das Wahlprogramm von Trump. Er setzt auf ein großes Konjunkturprogramm, das nur einen Haken hat. Es ist schuldenfinanziert, sprich Trump muss die Druckerpressen anwerfen, um sein Programm bezahlen zu können. "Eine Geldschwemme in einem Meer von Schulden", sagt Analyst Eberhardt Unger von fairresearch. Zumal Trump auch noch die Steuern senken will.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt

ARD-Börse: Wende am Anleihemarkt - die Zinsen steigen weltweit

Und Schulden hat Amerika ja schon mehr als genug, wie der Chart zeigt. Per Ende des zweiten Quartals geht der Gesamtschuldenstand des Staates in Richtung 20 Billionen Dollar, Tendenz steigend. Auch unter Präsident Obama sind die Schulden stark gestiegen, die Zinsen müssen aus dem US-Haushalt bezahlt werden. Kommt nun eine neue kreditfinanzierte Geldschwemme auf das Land zu, wachsen diese Zinsbelastungen und gleichzeitig die Inflationserwartungen. Die Marktteilnehmer verlangen bei steigender Inflation eben einen höheren Zins als Risikoausgleich für ihr Engagement.

Zins- und damit inflationstreibend wirken sich auch die protektionistischen Tendenzen im Wahlprogramm aus. Denn höhere Einfuhrzölle an den Grenzen treiben die Preise. Entweder werden die Güter nämlich durch den Zoll künstlich teurer, oder sie werden zu höheren Lohnkosten dann nicht mehr in Asien, sondern, wie von Trump versprochen, in den USA produziert. Auch das würde die Preise und damit die Inflation anheizen. Ob die Aktienmärkte dann auch noch so begeistert sein werden wie aktuell, darf übrigens stark bezweifelt werden.

Zudem dürften sich Länder wie China ebenfalls mit höheren Einfuhrzöllen für US-Produkte revanchieren, was der US-Exportwirtschaft schweren Schaden zufügen würde. Wie man die Dinge auch sieht, Protektionismus hat selten für nachhaltiges Wachstum gesorgt - scheint aber politisch derzeit das Gebot der Stunde. Wie man zuletzt auch am Beispiel Großbritanniens gesehen hat.

Staatsverschuldung der USA in Billionen Dollar

Staatsverschuldung der USA in Billionen Dollar. | Bildquelle: FED, Grafik: boerse.ARD.de

Ist das schon die Zinswende?

Zurück zum Rentenmarkt, der bekanntlich all diese Tendenzen widerspiegelt. Die zentrale Frage ist die, ob es nun zur Zinswende kommt. Oder, anders ausgedrückt: geht angesichts dieser neuen politischen Prioritäten der US-Politik die Jahrzehnte währende Rentenhausse nun zu Ende?

Ganz so schnell sollte man zumindest die US-Staatsanleihen jedoch noch nicht abschreiben, zumal noch nicht klar ist, ob der Präsident Trump auch das tut, was der Wahlkämpfer Trump so vollmundig angekündigt hat. Fakt ist, im Vergleich zu den meisten europäischen Papieren sind sie immer noch attraktiv, zumal der Dollar von den Plänen Trumps und dem kurzfristigen Zinsszenario der Fed eher profitiert. Deshalb sei ein Crash bei den US-Papieren nicht zu erwarten, sagt Mihir Wohra, Anlagestratege bei der Allianz-Fondstochter Pimco.

Federal Reserve Bank (FED) in der Zinsspirale

Die Fed in der Zinsspirale. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Denn das die Notenbank im Dezember an der Zinsschraube dreht und damit auch die Geldmarktzinsen steigen, daran dürfte angesichts der guten Konsumkonjunktur bei niedriger Arbeitslosigkeit allerdings kein Zweifel bestehen. Experte Unger erwartet im Dezember 0,25 und dann im weiteren Verlauf des Jahres 2017 weitere 0,5 bis 1,0 Prozent.

Das Ende der Rentenhausse auszurufen, damit tun sich viele also noch schwer - auch wenn die Crash-Angst irgendwo in den Köpfen der Anleihe-Investoren stecken dürfte. Aber vielleicht überrascht ja die neue Trump-Administration die Märkte noch mit weiteren Plänen aus der großen politischen Wundertüte.

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