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Mittelstandsanleihen

Millionen Anlegergelder im Feuer

German Pellets ist insolvent

Stand: 10.02.2016, 16:54 Uhr

Die Pleitewelle im Segment der Mittelstandsanleihen geht weiter: Am Mittwoch meldete die Öko-Firma German Pellets Insolvenz an. Tausende Anleger, die über 200 Millionen Euro in die Anleihen gesteckt hatten, müssen um ihr Geld zittern. Droht ein zweites Prokon?

Mit dem Slogan "German Pellets heizt ihre Rendite an" und lodernden Flammen buhlte der Hersteller von Holzschnitzeln in TV-Spots um Interessenten für die Anleihen. Die Anleger sollten Feuer und Flamme sein. Bis zu acht Prozent Zinsen versprach das Unternehmen aus Wismar.

Nun ist das meiste Geld wohl verbrannt - wie die Holzschnitzel im Ofen. Der Brennstoff-Hersteller ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und musste Insolvenzantrag stellen. Geplant sei ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, bei dem das Management unter der Aufsicht eines Sachwalters selbst die Rettung in Angriff nehmen kann. Dafür zuständig ist der Sanierer Frank Günther von der Beratungsfirma One Square Advisors.

Anleger müssen um ihr Geld bangen

Den Inhabern der Anleihen drohen massive Einbußen und möglicherweise gar der Totalverlust. Denn die Papiere sind ins Bodenlose abgesackt - auf unter ein Prozent des Nennwerts. Laut der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) stehen mehr als 200 Millionen Euro im Feuer. Nach einem Bericht des "Handelsblatt" könnten es noch deutlich mehr sein.

German Pellets Anleihe 11/16: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Tausende Anleger haben Anleihen in Höhe von 226 Millionen Euro gezeichnet. Hinzu kommen die Besitzer von Genussrechten, die 44 Millionen Euro investiert haben. Darüber hinaus wurden in den USA 546 Millionen Dollar in Bonds für zwei mit German Pellets verbundene Produktionsstätten investiert. Folglich stehen rund 760 Millionenen Euro Anlegergeld auf der Kippe.

Die Zweifel an German Pellets hatten sich in den letzten Wochen verstärkt. Das Inkasso-Unternehmen Creditreform Mecklenburg-Vorpommern berichtete, German Pellets habe seit Jahresende 2015 relativ plötzlich Rechnungen nicht mehr beglichen. Wegen des deutlich billigeren Öls geriet der Preis für die Holzpellets unter Druck. Zudem entpuppte sich der Kauf des Ofenbauers Kago 2010 als Fehlschlag und brachte dem Unternehmen zusätzliche Verluste.

Gläubiger sollten auf Teil der Forderungen verzichten

Am Mittwoch sagte das Wismarer Unternehmen eine Gläubigerversammlung ab - ohne Nennung von Gründen. Dort sollte um eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro gehen, die zum 1. April hätte zurückgezahlt werden müssen. German Pellets hatte die Gläubiger um eine Laufzeitverlängerung von zwei Jahren bis zum 31. März 2018 gebeten. Außerdem sollte der Zinssatz von 7,25 auf 5,25 Prozent reduziert werden. Im Gegenzug sollten die Anleiheinhaber 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der German Pellets GmbH als Sicherheit erhalten. Aktionärsschützer, darunter die SdK, rieten Anlegern, das Angebot nicht anzunehmen.

Der Brennstoffhersteller hat nicht nur eine Anleihe emittiert, sondern gleich drei Anleihen, die jeweils mit 7,25 Prozent verzinst werden. Das Volumen der ausstehenden Papiere liegt bei 250 Millionen Euro. Einige der Anleihen dienten offenbar dazu, bereits begebene Anleihen zurückzukaufen.

Reinfall mit Mittelstandsanleihen

Der Fall German Pellets reiht sich ein in eine Serie von Skandalen und Pleiten im Bereich der Mittelstandsanleihen. Laut der Ratingagentur Scope sind bereits 40 solche Anleihen mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro ausgefallen. Dazu zählen der Tütensuppenhersteller Zamek, der Designermodeanbieter Strenesse, der schwäbische Wind-Projektentwickler Windreich und der Fahrradhersteller Mifa.

Die Pleitewelle könnte bald weitergehen. Anlegeranwalt Klaus Nieding rechnet in diesem und dem kommenden Jahr mit einer großen Welle von Zahlungsausfällen. Denn viele der vor fünf Jahren aufgelegten Papiere sind jetzt fällig.

Anfangseuphorie verflogen

Im Frühjahr 2010 war in Deutschland die erste Mittelstandsanleihe an die Börse gekommen. Die Papiere lockten mit sechs bis acht Prozent oder noch mehr Zinsen. Tausende private Anleger griffen zu. Die Börsen in Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt buhlten um die Schar der Mittelstandsanleihen-Zeichner. Fünf Jahre später ist die Anfangseuphorie verflogen, die Bilanz der Mini-Bonds ist ernüchternd.

nb

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