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Geldanlage

Warnschild mit fallenden Prozentzeichen

50-, 70- oder 100-jährige Bonds - Achtung, Risiko!

Finger weg von den Langläufern!

Stand: 07.11.2016, 12:28 Uhr

Staatsanleihen mit 50, 70 oder gar 100 Jahren Laufzeit? Ja die gibt's tatsächlich. Für uns normalsterbliche Anleger ist das aber nichts - und das längst nicht nur aus Sterblichkeitsgründen.

Das klingt fast schon unverschämt: Die Österreicher platzierten jüngst eine Anleihe am Markt, die 70 Jahre läuft. Aus Sicht der Alpenrepublik ein durchaus nachvollziehbarer Schritt: Das Land sichert sich über Jahrzehnte das aktuell sehr niedrige Zinsniveau, um seine Schulden zu finanzieren. Aus Sicht der Anleger klingt das aber beinahe unanständig. Die jährliche Rendite liegt bei nur 1,5 Prozent.

Für wen soll denn diese Anleihe sein? Sie wird erst am 2. November 2086 fällig und vom Staat zurückgezahlt. Für den Zeithorizont eines Privatanlegers ist das bei weitem zu lang. Selbst für die Enkel, die das Geld vielleicht erben sollen, könnte es knapp werden mit dem Geldausgeben.

100-jährige kommen in Mode

Und doch kommen solche Ultra-Langläufer mehr und mehr in Mode. In diesem Jahr ist der Anteil der Anleihen mit Laufzeiten ab 20 Jahren deutlich gestiegen. Während die Deutschen geradezu schüchtern sind mit ihren maximal 30-jährigen Bonds, gaben Italien, Spanien und Frankreich sogar 50 Jahre laufende Staatsanleihen aus.

Und es geht sogar noch länger: Belgien und Irland nutzen die Niedrigzinsphase noch schamloser aus und brachten sogar 100-jährige Bonds auf den Markt.

Die Pensionskassen kaufen

Die Anleihen finden reißenden Absatz, es gibt sogar weit mehr Nachfrage als Angebot. Für die rund zwei Milliarden Euro schwere österreichische Anleihe lagen Kaufaufträge im Umfang von 7,8 Milliarden Euro vor.

Es sind vor allem die großen institutionellen Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen, die ihr Geld in diesen ultra-langlaufenden Anleihen anlegen. In Deutschland stecken sie 80 Prozent ihrer Anlagen in Anleihen. Und da ist bei Kurzläufern kein Geld zu verdienen. Zeitweise war sogar die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe negativ.

Vorsicht, Risiko für Privatanleger!

Wer eine positive Rendite erzielen will, muss sein Geld entweder in Anleihen von Schuldnern schlechter Bonität - höheres Risiko inklusive. Oder er muss eben längere Laufzeiten wählen.

Für Privatanleger ist das nicht unbedingt zu empfehlen. Das Risiko ist einfach zu hoch und nur schwer kalkulierbar. Wenn nämlich die Renditen am Markt steigen, sinkt der Kurs der Anleihe. Und zwar umso stärker, je länger eine Anleihe noch läuft. So würde zum Beispiel der Kurs der 70-jährigen Österreich-Anleihe um rund ein Drittel einbrechen, wenn die Rendite am Markt um einen Prozentpunkt steigt.

Pensionskassen und Versicherungskonzerne können das aussitzen. Sie wollen ihre Anleihen nicht vorzeitig zurückgeben. Ihnen geht es gerade um die langfristige Geldanlage. Aber einen Zeithorizont von 70 Jahren haben Privatanleger nun einmal nicht. Daher muss man ihnen auch dringend raten: Finger weg!

Außer Spesen nichts gewesen

Zumal die Inflation einen Großteil der Zinsen wieder auffrisst. Zuletzt lag die Inflationsrate in Deutschland bei 0,8 Prozent. Für 2017 erwartet die Bundesbank sogar einen Anstieg auf 1,5 Prozent. Bei einer Rendite von 1,5 Prozent, wie sie der Austria-Bond bietet, bliebe für den Anleger als am Ende nichts übrig. Und wenn die Inflation noch weiter steigt, hat der Staat gut Lachen: Er entschuldet sich so ganz bequem - fast von selbst.

bs

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