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Anleihen

Berechnungen der Bundesbank

Die Ersparnis der Nullzinspolitik

Stand: 13.01.2017, 11:30 Uhr

Während Mario Draghi und die Nullzinspolitik der EZB hierzulande regelmäßig am Pranger stehen, eilt ihnen nun ausgerechnet einer ihrer größten Kritiker zu Hilfe - die Bundesbank.

So hat die Notenbank ausgerechnet, dass Deutschland zu den größten Profiteuren der Nullzinspolitik gehört - zum Ärger vieler Sparer, die sich scheuen Aktien zu kaufen und ihr Geld immer noch auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten parken.

Profitiert hat dagegen der Staat. Seit dem Jahr 2008 hat Finanzminister Wolfgang Schäuble dank der Niedrigzinsen 240 Milliarden Euro Zinskosten eingespart. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich diese Ersparnisse von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen im Vergleich zur Zeit vor der Finanzkrise auf 47 Milliarden Euro, wie laut "Handelsblatt" vom Freitag Berechnungen der Bundesbank zeigen.

Gesunkene Rendite

Die Bundesbank verglich demnach das Zinsniveau aus dem Jahr 2007 - dem Jahr vor der Finanzkrise - mit dem jeweiligen Niveau in den Jahren danach. Musste der Staat im Jahr 2007 Investoren noch eine durchschnittliche Rendite von 4,23 Prozent für frisches Geld bieten, fiel das Zinsniveau seitdem kontinuierlich auf zuletzt 2,05 Prozent im Jahr 2016. Wegen dieses Zinsverfalls musste der Staat immer weniger Geld für den Schuldendienst ausgeben.

Leitzinsen Fed vs. Eurozone

Leitzinsen Fed vs. Eurozone. | Bildquelle: Fed, EZB

Im Falle einer Zinswende würden auf den Staat schnell Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe zukommen: Würden die Zinsen nur um einen Prozentpunkt steigen, müsste der Staat jährlich 21 Milliarden Euro mehr für den Schuldendienst ausgeben, wie Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) zeigen. "Die budgetären Spielräume sind geringer als es scheint", sagte RWI-Forscher Heinz Gebhardt dem "Handelsblatt".

Drohendes Defizit

So würden sich die Zinsausgaben der Kommunen für ihre Kassenkredite schnell verfielfachen und die Kämmerer zu neuen Sparrunden zwingen. Auch die Bundesländer könnten die vereinbarte Schuldenbremse wohl nicht mehr einhalten. Insgesamt würde Deutschland bei einer Normalisierung des Zinsniveaus bei den heutigen Ausgaben ein Defizit von 1,5 Prozent machen, hat Moritz Krämer von der Ratingsagentur Standard & Poor's kürzlich errechnet.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Weil Schäuble sich dieses Risikos bewusst ist, baut er fleißig Reserven und Rücklagen auf, statt die Überschüsse wie von seinen Kollegen gefordert, auszugeben. Auch sollen bekanntlich gut sechs Milliarden Euro zur Schuldentilgung verwendet werden.

lg/afp

Alle Kommentare (3)

Kommentar von "Gerald Sommer" am 13.01.2017, 16:22 Uhr

Der "Glücksfall" der Möglichkeit zur Schuldentilgung, und nicht nur zur Senkung der Neuverschuldung, sollte genutzt werden! Wir haben und werden wahrscheinlich viel zu selten wieder die Möglichkeit haben, in den Genuss eines kostenlosen und aufwandsfreien Konjunkturprogramms (wie jetzt durch die Nullzinspolitik)zu kommen und gleichzeitig (!) die Staatsverschuldung reduzieren zu können!

Kommentar von "Michael Gerhards" am 13.01.2017, 15:37 Uhr

Ich habe sowieso schon lange das Gefühl, das wir an der Nase herumgeführt werden. Vorausgesetzt das die Informationen stimmen die ich habe ,schuldet uns alleine Italien fast 2 Billionen Euro. Demnach hätten wir gar keine Schulden. Steuereinahmen dürfen nicht zum Selbstzweck für Politiker als machtinstrument werden. Das Geld gehört dem Bürger, Basta

Kommentar von "Jürgen Hohnke" am 13.01.2017, 12:52 Uhr

Schulkdentilgung ist schon ok. Aber das reicht nicht an Anstrengungen. Es müssen endlich die vielen unsinnigen - alleine schon im MWST-Bereich - Stuervorteile aufgehoben werden. Alleine dadurch kommen Milliarden in die Staatskasse. Und dann die vielen Steuervorteile der Gutverdienenden. Alleine das Steuersplitting für Paare ohne Kinder ist total unsinnig. Das Steuersplitting sollte auf Einkommen bis zu 250.000.-- Euro begrenzt werden.

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