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Anleihen 2017

Börsenteil einer Zeitung mit einer Lupe über dem Kapitel Anleihen

Fallende Kurse, steigende Renditen

Anleihen: Droht jetzt Ungemach?

Stand: 17.01.2017, 16:52 Uhr

Mit Staatsanleihen ließ sich 2016 kaum Geld verdienen. Vielfach waren die Renditen sogar negativ. Mit den steigenden Inflationserwartungen, vor allem in den USA, beginnt sich der Markt zu drehen. Schon werden inflationsindexierte Anleihen angepriesen. Was 2017 bringen könnte.

Tatsächlich sind die Anleihekurse in den letzten Monaten kräftig gesunken. Nach Berechnungen der Bank Sal. Oppenheim gingen allein die zehnjährigen US-Anleihen in der zweiten Jahreshälfte 2016 um 7,1 Prozent zurück. Auch die Kurse der Bundesanleihen sanken, allerdings nur um 2,6 Prozent. Vom Einbruch der Anleihemärkte, wie von einigen Experten prophezeit, kann also (noch) keine Rede sein. Dennoch erscheint die Tendenz der letzten sechs Monate eindeutig: Die Kurse an den Anleihemärkten haben ihren Zenit überschritten, während die Renditen wieder anziehen. Auslöser dieser Entwicklung sind natürlich die gestiegenen Inflationserwartungen nach dem kräftigen Anstieg des Ölpreises und dem Wahlausgang in den USA.

Donald Trump hat sich für höhere Staatsausgaben ausgesprochen und plant, entsprechende Maßnahmen durch die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren. Ein bedeutendes, schuldenfinanziertes Infrastrukturprogramm könnte die Konjunktur antreiben und einen Anstieg der Preise nach sich ziehen. Gleichzeitig besteht die Gefahr einer protektionistischen Abschottung der amerikanischen Wirtschaft, die weltweit als Blaupause dienen könnte. Die Folge wären steigende Importpreise.

Inflationsindexierte Anleihen

Zwar sind derartige Szenarien derzeit nichts anderes als pure Spekulationen, doch haben die gestiegenen Inflationserwartungen die Renditen am Anleihemarkt bereits ansteigen lassen. Sollte sich die Geldentwertung also beschleunigen, sinkt der heutige Wert festverzinslicher Wertpapiere. Anleihen mit längerer Restlaufzeit sind davon naturgemäß stärker betroffen als Anleihen kürzerer Restlaufzeit. Steigende Teuerungsraten sind für traditionelle Staatsanleihen der Hauptrisikofaktor.

Wie inflationsindexierte Anleihen funktionieren

Bei inflationsindexierten Bundesanleihen wird der reguläre Nominalzins mit einem zusätzlichen Inflations-Quotienten multipliziert. Der spiegelt die Inflation wider: Je höher die Inflationsrate, desto größer wird der Inflations-Quotient, und desto mehr Zinsen erhält der Anleger. Gleiches gilt für den Rückzahlungsbetrag am Laufzeitende: Bei Inflation erhalten Anleger entsprechend mehr als den Nennwert zurück. Damit werden sowohl die Anlagesumme als auch die Zinsen gegen Inflation geschützt, ihre Kaufkraft bleibt über die Anlagezeit erhalten. Demzufolge spricht man auch von inflationsgeschützten oder Realzins-Anleihen. Inflationsindexierte Bundesanleihen sind niedriger verzinst als herkömmliche Anleihen gleicher Laufzeit. Weiterer Schwachpunkt: Durch den Inflationsausgleich steigt der Einkaufspreis an der Börse. Je nach Börsenkurs kann das die Rendite der inflationsindexierten Anleihen erheblich senken, und damit den Vorteil gegenüber nominal verzinsten Anleihen wettmachen.

Anleger, die sich dagegen schützen wollen, haben die Möglichkeit, inflationsindexierte Anleihen zu kaufen. Auch US-Hochzinsanleihen und europäische Kreditanleihen haben sich in den vergangenen 20 Jahren als geeignetes Mittel gegen die Geldentwertung erwiesen, glaubt die Bank Sal. Oppenheim.

In den vergangenen 20 Jahren habe sich die durchschnittliche Performance von inflationsindexierten US-Staatsanleihen - auch Linker genannt - um mehr als die Hälfte (von 0,4 Prozent pro Monat auf 0,63 Prozent) verbessert, sobald die Inflationserwartungen deutlich anstiegen, hat Philipp Finter, Leiter Research Investmentstrategie von Sal. Oppenheim ausgerechnet. Dagegen sei die Performance von festverzinslichen US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von sieben bis zehn Jahren von 0,83 Prozent auf 0,38 Prozent pro Monat eingebrochen.

Inflation muss unerwartet ansteigen

Ihren Vorteil könnten Linker besonders dann ausspielen, wenn die Inflationsraten unerwartet ansteige, so Finter weiter. Ein solches Szenario wäre beispielsweise gegeben, wenn sich der Anstieg der Rohstoffpreise fortsetzen sollte oder es zu positiven Überraschungen beim Wachstum kommen würde, was die Teuerungsrate ebenfalls antreiben dürfte. Ob dies in Europa oder in Deutschland in diesem Jahr der Fall sein wird, halten die Ökonomen der EZB für unwahrscheinlich. In den USA dagegen scheint dieses Szenario plausibler.

Inflationserwartung und Performance von US-Anleihen 1997 bis 2016

Inflationserwartung und Performance von US-Anleihen 1997 bis 2016. | Bildquelle: Thomson Reuters, Sal. Oppenheim

Der Kauf einer inflationsindexierten Anleihe lohnt sich also nur, wenn es zu einer echten Beschleunigung der Teuerung kommt. Früheren Berechnungen zufolge war dies der Fall, wenn die Inflation in den nächsten fünf Jahren mindestens 1,4 Prozent beträgt. Wie belastbar solche Berechnungen tatsächlich sind, lässt sich nur schwer feststellen.

Auch Linker weisen Negativrenditen auf

Auch handelt es sich in Deutschland um ein Nischenprodukt. Nach Angaben der Bundesfinanzagentur sind derzeit nur sechs inflationsindexierte Bundeswertpapiere im Umlauf. Sie erreichen zusammen ein Volumen von  69,5 Milliarden Euro. Das klingt zwar erst einmal viel, doch am Gesamtvolumen der ausstehenden Bundestitel beträgt ihr Anteil nur sechs Prozent. Zudem ist er 2016 um ein Prozent gesunken.

Wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, weisen die inflationsindexierten Anleihen derzeit negative Renditen auf. Das wird sich erst ändern, wenn die Teuerungsrate weiter anzieht. Wer also davon ausgeht, dass die Preise in den kommenden Jahren deutlich steigen werden, für den haben inflationsindexierte Staatsanleihen durchaus ihre Berechtigung.

Alternative Hochzinsanleihen

Als Alternative empfehlen die Vermögensberater auch US-Hochzinsanleihen, auf englisch High-Yield-Bonds. Dabei handelt es sich um Obligationen, deren Rückzahlungsfähigkeit von Rating-Agenturen eher als schlecht eingestuft wird und die meist mit "BB" und schlechter benotet sind. Sie werden daher auch "Schrott-Anleihen", englisch Junkbonds, genannt. Allerdfings reagieren sie weniger empfindlich auf steigende Inflationserwartungen, da ihre Anleger eine höhere Risikoprämie zahlen müssen als für normale Staatsanleihen. So sei die Wertentwicklung von US-Hochzinsanleihen in Monaten, in denen die Inflationserwartungen deutlich anstiegen, von 0,55 Prozent pro Monat auf 0,81 Prozent gestiegen, erklärt Philipp Finter. Vielfach eignen sich Hochzinsanleihen aber nicht zu einem Direkteinstieg, weil die Mindestanlage nicht selten 100.000 Euro beträgt.

US Staatsanleihen und ihre Zinmsentwicklung

US Staatsanleihen und ihre Zinsentwicklung. | Bildquelle: CNBC, Grafik: boerse.ARD.de

Am Laufen gehalten wird die relativ gute Entwicklung der Hochzinsanleihen von der unterschiedlichen Geldpolitik der Notenbanken in den USA und Europa. Anleger sollten deshalb genau die Entwicklung in den USA unter dem neuen Präsidenten Trump sowie die Notenbank Fed beobachten. Paradoxerweise müsse Trump darauf vertrauen, dass die Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan (BoJ) die Zinsen niedrig halten und damit die Anleger auf der Jagd nach Renditen in den Markt für US-Staatsanleihen treiben, erklärt Ariel Bezalel, Fondsmanager bei Jupiter AM.

"Zerbrechliche Dynamik"

Dieser Ansatz schaffe eine "zerbrechliche Dynamik" auf den Anleihemärkten, die leicht umschlagen könne, sollten die EZB oder die BoJ ihre Geldpolitik straffen oder die Inflation tatsächlich überraschend stark zulegen. Auch die Aufwärtsbewegung des Dollar gelte es zu beachten, da eine zu steile Aufwertung für Schwellenländer mit hohen Verbindlichkeiten in US-Dollar ein Risiko darstelle.

Fazit: Für die Anleger gibt es derzeit keinen Grund, sich in inflationsschützende Papiere zu stürzen. Gleichwohl lässt sich wohl auch in diesem Jahr mit gut benoteten Staasanleihen nur wenig Geld verdienen. Für risikofreudigere Anleger bieten sich Hochzinsanleihen sowie die Papiere von Schwellenländern an.

lg

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Richard Dittrich, Börse Stuttgart

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