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Wochenausblick

Hingucker der Woche

Schwierige Dax-Prognose

Zwischen Hoffen und Bangen

von Robert Minde

Stand: 17.01.2016, 11:58 Uhr

Der Terminkalender ist in der kommenden Woche prall gefüllt. Neue China-Daten, die EZB-Sitzung und viele Quartalsberichte aus den USA stehen an. Findet der Markt seine Richtung?

Fakt ist, auch die Profis hängen nach dem schlechten Jahresstart derzeit kräftig in der Luft. "Das Jahr hat mit der schlechtesten Aktienmarktentwicklung seit Beginn der Dax-Berechnung 1965 begonnen", konstatiert David Kohl, Chefvolkswirt der schweizerischen Privatbank Julius Bär für Deutschland. Die Konjunkturrisiken hätten zugenommen, da die US-Notenbank Fed weiter auf steigende Zinsen zusteuere und der Ölpreis keinen Boden zu finden scheine. "Dies wird die Finanzmärkte in den kommenden Wochen weiter belasten."

"Da sich die Konjunktur trotz zahlreicher Störfeuer bislang als recht robust erweist und anders als 2008 keine Rezession droht, stehen die Chancen auf eine Erholung der Notierungen im weiteren Jahresverlauf insgesamt gut", hält Helaba-Analyst Markus Reinwand dagegen. "Schließlich wirken gerade die gegenwärtig stark zur Verunsicherung beitragenden Preisrückgänge bei Rohstoffen in den Verbraucherländern wie ein Konjunkturprogramm." Auch die Überbewertung des Marktes habe sich abgebaut, gibt Reinwand zu bedenken.

China und die EZB

Den Anlegern wird angesichts dieser unterschiedlichen Ansätze nichts anderes übrig bleiben, als immer neue Daten wie in einem Puzzlespiel zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. In der kommenden Woche gibt es einige neue Teilchen, so zunächst am Dienstag weitere Konjunkturdaten aus China. Steuert das Riesenreich auf eine harte Landung zu, oder fängt sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder? Ministerpräsident Li Keqiang trat am Wochenende jedenfalls Ängsten um die heimische Konjunktur entgegen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Erwartet werden das BIP-Wachstum im vierten Quartal sowie die Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsatz im Dezember. Nicht zuletzt die Sorge um ein Ende des China-Booms hat die Anleger zuletzt massiv umgetrieben und wird zusammen mit der Angebotsschwemme für den massiven Ölpreisverfall als Begründung herangezogen. China gilt schließlich als weltgrößter Ölverbraucher. Ein wichtiges Datum also, vor allem die verheerende Preisentwicklung des Ölpreises zehrt bei so manchem Konjunkturforscher an den Nerven. Mittlerweile kostet ein Fass der Nordseesorte Brent weniger als 30 Dollar je Fass.

Mario Draghi EZB . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Am Donnerstag ist dann wieder Zeit für EZB-Chef Mario Draghi, seine Sicht der Dinge zu präsentieren. Dessen Position wird immer schwieriger. Denn sein Inflationsziel von knapp zwei Prozent dürfte bei den massiven Preisrückgängen der Energie- und Rohstoffpreise wohl weiter in den Sternen stehen. Legt die EZB nach der jüngsten Ausweitung ihres QE-Programms noch mal nach? Experten erwarten eher im März weitere Schritte.

In Amerika ist der Markt am Montag feiertagsbedingt geschlossen. Im weiteren Wochenverlauf werden unter den Konjunkturdaten am Mittwoch Inflationsdaten und am Donnerstag der Konjunkturausblick für den Großraum Philadelphia, der Philly-Fed-Index, erwartet. Wöchentliche Öldaten des Energieministeriums, die zuletzt wegen der Entwicklung auf dem Ölmarkt immer mehr Beachtung gefunden haben, kommen ebenfalls am Donnerstag.

US-Banken im Bick

Unter den Einzelwerten stehen nächste Woche hauptsächlich amerikanische Aktien im Blick, besonders die Banken-Berichtssaison geht weiter. Mit den Zahlen von JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup hat sie vielversprechend begonnen. US-Banken verdienen Milliarden, das Wort Krise scheint derzeit ein Fremdwort zu sein.

Allerdings haben die guten Zahlen den Markt in der Vorwoche nicht aus seiner schlechten Stimmung nach oben ziehen können - vielleicht ändert sich das ja in der nächsten Woche, wenn die Berichtssaison insgesamt mehr Fahrt aufnimmt. Die Erwartungen jedenfalls sind hoch gesteckt für die US-Finanzbranche, die so gut dasteht wie selten. Zu den Banken legen aus der Industrie unter anderem noch IBM und Siemens-Rivale General Electric ihre Zahlen vor, zudem die Dow-Mitglieder United Health am Dienstag und Verizon Communications am Donnerstag.

Aus Deutschland sind die Unternehmensdaten noch sehr übersichtlich, die Berichtssaison ist hierzulande noch nicht richtig angelaufen. Lediglich Online-Händler Zalando aus dem MDax gibt einen Einblick in seine Bücher, zudem legt Dax-Mitglied SAP endgültige Zahlen vor. Eckdaten sind aber schon bekannt, so dass sich die Überraschung in Grenzen halten dürfte.

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