Federal Reserve Bank (FED) in der Zinsspirale

Fed setzt Zinswende fort Zweite US-Zinserhöhung in diesem Jahr

Stand: 14.06.2017, 20:02 Uhr

In den USA normalisiert sich zunehmend die Geldpolitik. Die Notenbank erhöhte am Mittwochabend die Leitzinsen auf 1,0 bis 1,25 Prozent und stellte weitere Anhebungen in Aussicht. Die Reaktion an den Märkten war verhalten.

Kurz nach dem Fed-Entscheid drehte der S& P 500 ins Plus, der Dow zog um 0,2 Prozent an. Doch eine halbe Stunde später waren die Kursgewinne wieder weggeschmolzen. Der Dow rutschte ins Minus.

Dollar kommt zurück

Der Dollar konnte gegenüber dem Euro an Boden gutmachen. Eine gute Stunde nach der Zinserhöhung notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1205 Dollar, nachdem sie zuvor noch bis auf fast 1,13 Dollar geklettert war und ein Siebenmonats-Hoch erreicht hatte.

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Die meisten Finanzexperten hatten mit dem zweiten Zinsschritt in diesem Jahr gerechnet. Sie achteten vor allem auf den Ausblick für das zweite Halbjahr. Hier blieb Fed-Präsidentin Janet Yellen relativ vage. Sie kündigte zwar eine "graduelle" Anpassung der Geldpolitik an, gab aber keine klaren Hinweise auf den Zeitpunkt einer nächsten Zinsanhebung. Ihre Zinsprognosen änderten die Währungshüter kaum.

Ein weiterer Zinsschritt in diesem Jahr

Der geldpolitische Ausschuss FOMC erwartet für dieses Jahr im Mittel eine weitere Zinsanhebung. 2018 dürften drei weitere Schritte folgen. Lediglich die Zinsprognose für Ende 2019 wurde leicht von 3,0 Prozent auf 2,9 Prozent gesenkt und ist damit wieder zurück auf dem Niveau vor einer leichten Anhebung der Prognose im März.

Billionenschwere Bilanzsumme wird langsam abgebaut

Dagegen gab die Fed erstmals Hinweise darauf, wann sie mit der Reduzierung der rund 4,5 Billionen schweren Bilanzsumme beginnt. Zunächst wolle man zwar auslaufende Anleihen weiter reinvestieren. Man erwarte jedoch dass man in diesem Jahr mit einer Normalisierung beginnen werde. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Wirtschaft wie erwartet entwickle. Die Reduzierung der Bilanzsumme werde voraussichtlich einige Jahre dauern, sagte Yellen.

Für dieses Jahr hat die Fed ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent leicht angehoben. Der längerfristige Wachstumsausblick bleibt dagegen unverändert. Zudem rechnen die Notenbanker in diesem und in den kommenden Jahren mit einer niedrigeren Arbeitslosigkeit als zuletzt. Ihre Inflationsprognose haben die Währungshüter für dieses Jahr von 1,9 auf 1,6 Prozent gesenkt.

Volkswirte: "Positives Zeichen"

Volkswirte begrüßten die Straffung der Geldpolitik in den USA. Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, sprach von einem positiven Zeichen. Der Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik dürfte ohne größere Friktionen gelingen. Friedrich Heinemann, Ökonom von der ZEW, lobte vor allem den nahenden Bilanzabbau der Fed. "Offenbar nimmt die US-Notenbank die Gefahren von neuen Vermögenspreisblasen an Aktien- und Immobilienmärkten als Folge ihrer Billionen-schweren Wertpapierkäufe ernst", sagte er.

Ex-Bundesbankchef Axel Weber, jetzt Verwaltungsratschef von der UBS, hatte am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt bereits von einer "Normalisierung der Geldpolitik in den USA" gesprochen. Die Fed sei auf einem guten Wege der Zinswende.

Seit Ende 2015 hat die US-Notenbank bereits vier Mal die Leitzinsen erhöht. Zuvor hatte der Zins fast ein Jahrzehnt an der Nulllinie geklebt - ein Erbe der schweren Finanzkrise 2008.

nb

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