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Banken

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Aufsichtsrat hat entschieden

Zielke wird neuer Commerzbank-Chef

Stand: 07.03.2016, 08:57 Uhr

Nachfolger des scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Blessing wird nun doch ein interner Kandidat: der derzeitige Privatkunden-Vorstand Martin Zielke. Und es gibt noch andere Veränderungen in der Führungsriege des Geldhauses.

Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung am Sonntag den 53-jährigen Manager zum neuen Commerzbank-Chef ernannt. Der Diplom-Kaufmann setzte sich gegen eine Reihe interner und externer Kandidaten durch. Als mögliche Nachfolger für Blessing galten auch Markus Beumer, Leiter der Mittelstandsbank, Ex-Finanzchef Eric Strutz, HypoVereinsbank-Vorstandschef Theo Weimer, Annika Falkengren, Chefin der schwedischen SEB, sowie Jutta Dönges, Chefin der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung.

Zielke sitzt seit 2010 im Vorstand der Commerzbank. Er hat in den vergangenen Jahren das angestaubte Filialgeschäft des Frankfurter Geldinstituts auf Vordermann gebracht.

Keine passende Frau für den Chefjob gefunden

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Vor ein paar Tagen hatte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller erklärt, dass keine Frau die Commerzbank führen werde. Es gebe keine geeigneten Bewerberinnen für einen solchen Job, meinte er. Laut der "Welt am Sonntag" seien sie an der Sprachhürde gescheitert.

Vorstandschef Blessing hatte im Oktober 2015 angekündigt, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. "Man soll gehen, wenn's am schönsten ist", scherzte er. Analysten werten den Abgang Blessings als schlechtes Omen. Möglicherweise deute dies darauf hin, dass das Geschäft 2016 schlechter laufe und die Dividende ausfalle.

800.000 Neukunden angelockt

Mit der Nominierung zum neuen Commerzbank-Lenker wird Zielke für seine erfolgreiche Strategie im Privatkundengeschäft belohnt. Unter seiner Führung gewann die Commerzbank seit 2012 netto über 800.000 neue Kunden - vor allem dank des kostenlosen Girokontos und der Wechselprämie für Neukunden. Die Sparte verbesserte 2015 ihr operatives Ergebnis um zwei Drittel auf 751 Millionen Euro und trug damit fast die Hälfte zum Konzernergebnis von 1,79 Milliarden Euro bei.

Zielke legte die Filialen von Commerzbank und der übernommenen Dresdner Bank zusammen, 400 wurden geschlossen. Einen radikalen Abbau wie bei der HypoVereinsbank vermied er aber. "Filialen zu schließen ist keine Strategie", lautet sein Mantra. Stattdessen verordnete er eine bessere Abstimmung von stationären und digitalen Angeboten. Zudem setzte Zielke stärker auf Baufinanzierung, vermögende Kunden und Wertpapiergeschäfte.

Ein ganz anderer Typ als Blessing

Der Unterschied zwischen Zielke und seinem Vorgänger könnte größer kaum sein. Blessing hatte stets einen lockeren Spruch auf den Lippen und sorgte mit provokanten Thesen gerne mal für Aufruhr. Zielke dagegen meidet die große Bühne und hält sich zurück. Bei ihm wirkt jeder Satz wohlüberlegt. Wenn er Botschaften unters Volk bringen will, tut er das gerne im kleinen Kreis bei einem Mittagessen - oder überlässt es gleich ganz seinen Untergebenen. An seiner Ausstrahlung müsse er als Vorstandschef sicher noch arbeiten, sagen Commerzbank-Mitarbeiter.

Der neue Commerzbank-Chef stammt aus Hofgeismar nördlich von Kassel. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein gesamtes Berufsleben hat der Diplom-Kaufmann in der deutschen Bankenbranche verbracht: Nach der Ausbildung bei der Deutschen Bank und dem BWL-Studium in Göttingen arbeitete er für die Dresdner Bank, die Deutsche Bank 24 und die Deutsche Hyp. 2002 wechselte er zur Commerzbank.

Erstmals auch Frau im Vorstand

Neben dem Chefposten hat der Aufsichtsrat erstmals auch eine Frau in den Vorstand der Bank berufen. Die 45-jährige Bettina Orlopp erhält das neu geschaffene Ressort Recht, Personal und Compliance. Der genaue Zeitpunkt für ihren Aufstieg steht noch nicht fest, da die Bankenaufsicht erst ihr grünes Licht geben muss. Bis dahin verantwortet sie weiter das Strategieressort.

Nachfolger Zielkes als Privatkundenvorstand wird der frühere Comdirect-Chef Michael Mandel. Der 1966 geborene Mandel war zusammen mit Zielke in die Commerzbank-Zentrale gewechselt, um dort das marode Privatkundengeschäft zu sanieren. Diese Arbeit wird nun belohnt.

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Die bei der Commerzbank auf den Namen "Non-Core Assets" getaufte Abbausparte barg im dritten Quartal so manch positive Überraschung. So brachte der Abbau der Altlasten sogar einen kleinen Gewinn von 13 Millionen Euro nach einem Verlust von 252 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Nach neun Monaten hat sich der Verlust fast halbiert auf 329 Millionen Euro. Die Schiffs- und Immobilienkredite in der Abbau-Einheit sind Ende September auf 22 Milliarden Euro geschrumpft – das sind nur noch zwei Milliarden mehr als das Ziel für Ende 2016.

nb/lg

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