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Börsengang

Zalando-Börsengang - von links: David Schneider, Robert Gentz, Rubin Ritter

Wie gewonnen, so zeronnen

Holpriges Zalando-Debüt an der Börse

Stand: 01.10.2014, 18:11 Uhr

Der Schrei vor Glück bei Zalando ist wieder verstummt. Der Online-Modehändler zog am Donnerstag zum Börsenstart zwar eine große Show mit Models und Konfetti ab, die Kursgewinne schmoilzen aber schnell zusammen.

Der bisher größte deutsche Börsengang des Jahres und das größte Internet-IPO seit T-Online erinnerte anfangs an den Hype des Neuen Markts. Auf dem Parkett drängelten sich mehr Journalisten als Händler. "Das gab's zuletzt bei der T-Aktie", meinte Markstratege Robert Halver von der Baader Bank. Orangene Pakete auf dem Parkett und Models in Stöckelschuhen zeigten, wie sexy ein Börsengang sein kann.

Euphorie nur am Anfang

Der Anfang verlief tatsächlich verheißungsvoll: Nachdem die Gründer David Schneider und Robert Gentz zusammen mit Finanzvorstand Rubin Ritter die Glocke (im Bild von links) geläutet hatten und der obligatorische Schrei vor Glück übers Parkett geklungen war, gab's um 9.24 Uhr den echten Glücksmoment für Anleger: Der erste Kurs wurde bei 24,10 Euro festgestellt - ein Zeichnungsgewinn von rund 12 Prozent.

Im Tagesverlauf fiel der Titel dann aber wieder zurück und schloss schließlich auf dem Ausgabepreis von 21,50 Euro. Das dürfte den Samwer-Brüdern, die über ihren eigenen Fonds 14,8 Prozent der Zalando-Anteile halten, wie auch den beteiligten Emissionsbanken kaum gefallen haben.

Angst vor einem neuen Facebook-Desaster

Mit dem Ausgabepreis von 21,50 Euro hatten die Macher die Zeichnungsspanne von 18 bis 22,50 Euro nicht ganz nach oben ausgereizt. Und das, obwohl die Nachfrage das Angebot an Aktien um ein Vielfaches überstiegen hatte. Offenbar wollte das Zalando-Management einem IPO-Desaster wie einst 2012 bei Facebook entgehen.

Insgesamt hatte Zalando 28,1 Millionen Papiere ausgegeben. Das entspricht rund elf Prozent der Anteile. Die Altaktionäre, darunter der schwedische Investor Kinnevik und die Berliner Internet-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer, haben bei dem Börsengang keine Aktien abgegeben.

Genauso viel wert wie große Dax-Unternehmen

Zalando-Versandkarton

Zu früh gefreut. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Am ersten Handelstag wechselten allein auf Xetra Papiere für fast 351 Millionen Euro den Besitzer. Der Erlös des IPO liegt bei 605 Millionen Euro. Mit diesem Geld will der Online-Modeversandhändler weiter expandieren. Zalando will neue Märkte erobern und neue Kunden dazugewinnen. Zuletzt waren dort rund 14 Milllionen Kunden aktiv.

Zum ersten Kurs war Zalando knapp sechs Milliarden Euro wert. Das ist mehr, als Dax-Unternehmen wie K+S, Lanxess oder Lufthansa auf die Waage bringen. Dabei war Zalando lange Zeit gar nicht profitabel und schaffte erst dieses Halbjahr ein positives Betriebsergebnis. Das Hauptproblem für den Anbieter von Schuhen, Kleidung und Accessoires, das ist die hohe Retouren-Quote.

Morgen wartet schon der nächste Börsengang. Die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet steht in den Startlöchern. Sie gehört mehrheitlich den Samwer-Brüdern. Aus dem Hause Rocket ist auch der Online-Modehändler einst hervorgegangen. 2008 wurde Zalando gegründet.

nb/um

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