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Zalando-Schriftzug

Prognose kassiert

Zalando: Zu schnell gewachsen

Stand: 15.10.2015, 14:09 Uhr

Von solchen Wachstumszahlen kann der stationäre Handel nur träumen: Um über 40 Prozent sind die Erlöse von Zalando im dritten Quartal gestiegen. Doch die steigende Vorliebe für den Online-Handel hat auch ihren Preis.

Nach den in der Nacht vorgelegten, vorläufigen Zahlen ist Zalando im dritten Quartal in die Verlustzone gerutscht. Nachdem das Ebit bereits im Vorquartal auf nur noch 30 Millionen Euro gesunken war, vermeldet der Online-Händler nun einen bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern von 18 bis 32 Millionen Euro für den Zeitraum zwischen Juli und September, nach einem Plus von vier Millionen Euro ein Jahr zuvor.

In der Folge hat Zalando seine Prognose für die Ebit-Marge im Gesamtjahr auf drei bis vier Prozent gesenkt. Zuvor hatte der Online-Händler 4,5 Prozent angestrebt. Als einen Grund nannten die Berliner höhere Marketingkosten. Bereits im zweiten Quartal hatte die schlechte Zahlungsmoral einiger Kunden das Betriebsergebnis belastet.

Kurzfristige Verluste in Kauf genommen

Der operative Verlust kommt für die meisten Analysten überraschend. Sie hatten mit einem positiven Ergebnis gerechnet. Zalando-Vorstand Rubin Ritter begründete den Verlust unter anderem mit "gezielten Wachstumsinvestitionen". Die Berliner Firma sei bereit gewesen, "kurzfristige Einbußen bei der Profitabilität in Kauf zu nehmen, um Wachstum zu beschleunigen und Marktanteile zu gewinnen", sagte er.

Tatsächlich ist Zalando im dritten Quartal weiter rasant gewachsen. Die Erlöse legten zwischen Juli und Ende September im Jahresvergleich um 41 bis 43 Prozent auf 717 Millionen Euro zu. Damit übertraf Zalando die Erwartungen der Experten deutlich. Ingsesamt verbuchte Zalando für die ersten neun Monate einen Konzernumsatz von knapp 2,1 Milliarden Euro - 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Umsatzziel angehoben, Anleger verschnupft

Kein Wunder, dass der Konzern nun sein Umsatzziel für das Gesamtjahr angeboben hat. Statt der im August verkündeten Prognose eines Umsatzwachstums in diesem Jahr von 28 bis 31 Prozent, peilt das Unternehmen nun ein Plus von 33 bis 35 Prozent an.

Die Anleger reagieren dennoch enttäuscht auf die überraschende Verlustmeldung. An frühen Nachmittag hat die Aktie ihren Verlust von zunächst acht auf gut vier Prozent eingedämmt - und ist damit so viel wert wie Anfang Mai.

Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Zalando nach den Zahlen trotzdem auf "Buy" mit einem Kursziel von 28 Euro belassen. Der Onlinehändler biete dank heftiger Investitionen eine höhere Wachstumsdynamik und sei auf einem guten Weg, im Gesamtjahr die Erwartungen zu übertreffen, meint Analyst David Reynolds.

lg

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