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Internet

Rocket Internet abwärts

Nach der Bauchlandung letzte Woche

Zalando und Rocket schrumpfen weiter

Stand: 06.10.2014, 16:20 Uhr

Von wegen Meilensteine für die deutsche Online-Wirtschaft: Aus Sicht der Anleger haben sich die Börsengänge von Zalando und Rocket Internet bisher als Rohrkrepierer erwiesen. Auch am Montag geht es weiter abwärts.

Von der allgemeinen Erholung der Märkte am Montag können die Aktien der beiden Internetfirmen Zalando und Rocket Internet nicht profitieren. Im Gegenteil. Der Kurs von Rocket Internet markiert am Montag immer neue Tiefstände. Am Nachmittag beschleunigt sich die Talfahrt sogar noch und der Kurs fällt unter die Marke von 35 Euro. Bereits am ersten Handelstag am vergangenen Donnerstag schloss das Papier mit 37 Euro rund 16 Prozent unter dem Ausgabekurs von 42,50 Euro.

Auch bei der Zalando-Aktie geht die Schrumpfkur weiter. Am Montagnachmittag fällt das Papier auf ein neues Tief bei 18,24 Euro und notiert damit deutlich unter dem Ausgabekurs von 21,50 Euro und 45 Prozent unter dem bisherigen Hoch von 34,40 Euro.

Nicht vergleichbar mit dem Neuen Markt

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,04
Differenz absolut
0,10
Differenz relativ
+0,29%

Von einem Fiasko wollen die Analysten dennoch nicht sprechen. Rocket Internet und Zalando seien nicht vergleichbar mit Unternehmen des Neuen Marktes, die mitunter lediglich eine Geschäftsidee vorzuweisen hatten, urteilt Sarah Brylewski vom Handelshaus Ayondo. Sowohl Zalando als auch Rocket Internet hätten bewiesen, dass sie Projekte zum Laufen bringen könnten, lediglich der Preis für die Unternehmen scheine "ambitioniert".

Rocket Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,80
Differenz absolut
0,92
Differenz relativ
+5,15%

Im Klartext heißt das: der Ausgabepreis war zu hoch, die Aktien zu teuer. Doch müsse diese Entwicklung gar nicht schlecht sein, meint Brylewski. Denn sie unterstreiche, dass der Markt zwar bereit sei für neue Börsengänge, die Investoren aber nicht bereit seien, jeden Preis zu zahlen. "Der Hype vor dem IPO war fast schon zu groß, umso realistischer scheinen die Bewertungen nach offiziellem Start zu werden", so Brylewski weiter.

Rocket-Chef Oliver Samwer zeigte er sich vom schwachen Start der Aktie unbeeindruckt: Rocket Internet denke langfristig, man sei weder auf den ersten Kurs fokussiert, noch auf den der ersten Monate.

Kursschwäche gelassen beobachten

Auch Robert Halver von der Bader Bank sieht die Kursschwäche von Zalando und Rocket gelassen. Bei diesen IPOs seien fast ausschließlich Großanleger zum Zuge gekommen, "denen man ein gehöriges Maß an Finanzfachkenntnissen und rationaler Herangehensweise an Börsengängen unterstellen darf". Privatanleger könnten deshalb ohne Druck in Ruhe die ersten Börsentage der Unternehmen abwarten, um eine Entscheidung für oder gegen die Aktie zu treffen.

Klar ist allerdings auch, dass die zahlreichen anderen IPO-Kandidaten die Kursentwicklung von Zalando und Rocket genau beobachten werden und ihre eigene Preisvorstellung entsprechend anpassen, um Enttäuschungen von vornherein zu vermeiden.

lg

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