Frau mit Fernglas

Dax: Bringt die Berichtssaison frischen Schwung?

Stand: 09.07.2017, 11:01 Uhr

Von den Höchstständen der vergangenen Wochen hat sich der Dax mittlerweile entfernt. Aber jetzt beginnt langsam die Bilanzsaison und damit könnte das Sommerloch erst mal wieder Geschichte sein – wenn die Zahlen stimmen.

Zuletzt hatten Unsicherheiten über die künftige Zinspolitik der Notenbanken,  die Spannungen mit Nordkorea, und saisonale Effekte den Dax belastet. Aber immerhin ein halbes Prozent auf 12.388 Punkte ging es für den Dax in der vergangenen Woche aufwärts. Viele Investoren hoffen jetzt darauf, dass eine erfolgreiche Bilanzsaison den Dax trotz Sommerloch wieder in die Höhe treiben wird.

„Die Blicke richten sich zunehmend auf die bevorstehende Halbjahreszahlensaison der Unternehmen, die auf Basis der Konjunkturzahlen gut ausfallen dürfte. Da die Märkte aber bereits damit rechnen, werden die Ausblicke auf den weiteren Jahresverlauf auf großes Interesse stoßen“, meint Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.305,11
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+0,33%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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21.711,01
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+0,45%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.477,83
Differenz relativ
+0,03%

Man könnte es aber auch so interpretieren: Da die Märkte mit guten Zahlen rechnen, ist auch ein gewissen Enttäuschungspotenzial vorhanden. Es werde sich zeigen, ob die Unternehmensgewinne mit den hohen Kursgewinnen dieses Jahres Schritt halten können, kommentiert Fondsmanager Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners.

Vor allem aus den USA stehen Zahlen an. Am Freitag legen beispielsweise JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup ihre Bilanz vor. Bereits am Dienstag ist der Getränkekonzern PepsiCo an der Reihe.

 Aufzeichnungen aus dem Sommerloch

Die Berichtssaison beginnt. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Bilanzsaison dürfte also ein echter Test für die Aktienmärkte werden. Denn Helaba-Analyst Markus Reinwand sieht als Ursache für die zuletzt schwache Dax-Performance nach dem starken Lauf der Börsen in den vergangenen Monaten eine Korrektur überzogener Erwartungen an die Entwicklung von Unternehmen. Erst unter 12.000 Punkten würde sich die Situation mit Blick auf die Bewertung des Dax allmählich entspannen. Reinwand rät Anlegern daher, das Pulver vorerst trocken zu halten. „Eine Fortsetzung der Kursrückgänge in den kommenden Monaten wäre nicht nur gesund, sie würde auch in das saisonale Muster passen“, meint der Fachmann.  

Die Marktbeobachter von Index-Radar raten den Investoren jedenfalls, vorerst nicht zu optimistisch werden. „Insgesamt bleibt der Markt schwach, zumindest aus einer kurzfristigen Perspektive. Auf längere Sicht dominiert noch der Aufwärtstrend, der aber bald geprüft werden dürfte“, so die Experten. Und eines sollten die Anleger nicht vergessen: „Das geringe Handelsvolumen in den Sommermonaten kann zu ungewöhnlichen Ausschlägen in beide Richtungen führen“, schreibt Marcel de Gavarelli, Leiter Fonds Advisory der Laureus AG Privat Finanz.

Fed-Chefin Yellen wird reden

Aber auch die Konjunkturlage und die Notenbankpolitik sollten die Investoren im Auge behalten. Am Montag stehen deutsche Exportzahlen an. Am Mittwoch folgen dann Daten zu Industrieproduktion der Eurozone, deren Aufschwung sich im Mai den Experten der Postbank zufolge noch einmal beschleunigt haben sollte.

Janet Yellen schaut über ihre Brille

Janet Yellen. | Bildquelle: Imago

Aus den USA erwarten wir unter anderem frische Daten der Industrieproduktion und die Inflationsdaten. Außerdem tritt Notenbankchefin Janet Yellen am Mittwoch vor den Kongress. Analysten erwarten, dass sie ihre Bereitschaft zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik bekräftigt. Begründen dürfte sie ihre Haltung nach Einschätzung von Commerzbank-Stratege Bernd Weidensteiner vor allem mit dem brummenden Jobmotor, während die ausbleibende Inflation das Sorgenkind bleibt.

ts/dpa/rtr

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