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TecDax-Titel bricht ein

Short-Attacke gegen Wirecard?

Stand: 24.02.2016, 16:26 Uhr

Helle Aufregung: Die Aktie von Wirecard ist nach einem kritischen Bericht von "Zatarra" unter Druck geraten. Komisch ist, dass niemand die Analysefirma kennt. Komisch auch, dass die Börse trotzdem so heftig reagiert.

Das war eine wahre Berg- und Talfahrt. Die Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard sind am Mittwoch zunächst massiv unter Druck geraten. Das Papier brach um bis zu 25 Prozent auf 32,00 Euro ein - das ist der niedrigste Kurs seit November 2014. Das drückte den ganzen Technologieindex TecDax nieder, er wurde fast fünf Prozent ins Minus gezogen.

Ein kritischer Bericht im Internet von einem bisher unbekannten Research-Dienst fiel sehr negativ aus. Der Report griff im Prinzip alte Vorwürfe der Geldwäsche auf und warf dem Zahlungsabwickler betrügerisches Gebaren vor. Die Firma nannte ein Kursziel für die Wirecard-Aktie von 0,00 Euro.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
44,37
Differenz absolut
0,09
Differenz relativ
+0,20%

Wirecard dementierte: Die Anschuldigungen in dem Kommentar von Zatarra Research seien verleumderisch und gänzlich unwahr. "Wir nehmen an, dass dieser Bericht verteilt wurde, um unseren Aktienkurs negativ zu beeinflussen", hieß es in der Erklärung weiter. "Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet." Die Wirecard-Aktie erholte sich daraufhin zunächst auf ein Tagesminus von rund zehn Prozen. Am Nachmittag ging es aber erneut bergab.

Wer ist Zatarra?

Sucht man nach dem Research-Haus Zatarra, findet man nicht viel mehr als eine dürftig bestückte Webseite. Das Research der Firma scheint sich nur auf Wirecard zu beschränken. Das nährt zumindest Zweifel an der Verlässlichkeit oder sogar Existenz dieses Hauses.

Der Betreiber der Webseite von Zatarra Research wird dort nicht genannt. Die Site wurde erst vor einer Woche registriert bei der Agentur ICANN, die die Vergabe von Internet-Adressen koordiniert. Antragsteller war die Firma Perfect Privacy. Sie wirbt damit, dass die Betreiber der von ihr angemeldeten Seiten nicht zurückverfolgt werden können.

Es sieht nach einer gezielten Short-Attacke aus, bei der Spekulanten an jedem Euro, den der Kurs in die Tiefe rauscht, verdienen. Die Titel von Wirecard sind ein beliebtes Ziel für sogenannte Leerverkäufe. Dabei leihen sich Investoren Papiere, um diese sofort zu verkaufen. Ihr Ziel ist es, die Aktien bis zur Rückgabe billiger zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Dem Datenanbieter Markit zufolge sind derzeit 80 Prozent der verfügbaren Wirecard-Titel verliehen - knapp ein Viertel aller ausgegebenen Papiere.

Alte Vorwürfe

Wirecard war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Anschuldigungen, die zu Kurseinbrüchen der Aktie führten. Das Unternehmen wehrte sich wiederholt gegen Behauptungen über angeblich illegale Geldtransfers oder Bilanzfälschung. 2010 brach der Kurs nach dem Vorwurf dubioser Geldtransfers zeitweise um ein Drittel ein. Zwei Jahre zuvor sorgte ein Streit mit der Aktionärsschützervereinigung SdK, die schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben hatte, für Aufregung. Ein SdK-Vorstand, der von fallenden Aktienkursen profitiert hatte, trat später zurück und wurde schließlich wegen Marktmanipulation zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Vielleicht haben Anleger danach weiterhin eine gewisse Skepsis gehegt, was die heftige Kursreaktion erklären könnte.

bs

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