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Automobile

VW-Filiale in Chattanooga, Tennessee, USA

Behörden machen Druck

Wird VW zum US-Elektro-Vorreiter?

Stand: 21.02.2016, 15:29 Uhr

In Amerika kämpft VW vor allem um Wiedergutmachung des "Dieselgate-Schadens". Nun könnte für den Konzern die Diskussion in eine ganz andere Richtung gehen. Der Konzern kämpft jedenfalls an mehreren Fronten.

Im VW-Abgasskandal fordern die US-Behörden einem Bericht zufolge von dem Konzern den Aufbau einer eigenen Elektroauto-Produktion in den USA. In den Gesprächen mit der Umweltbehörde EPA werde diskutiert, ob VW als Wiedergutmachung für seine Abgas-Manipulationen Elektroautos in den USA bauen und sich auch an einem Netz von Stromtankstellen beteiligen könne, berichtete die "Welt am Sonntag".

VW-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch

VW-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ärger droht VW auch abseits der Dieselaffäre: Rückrufe wegen schadhafter Airbags des Zulieferers Takata könnten den Gewinn um bis zu 400 Millionen Euro belasten, berichtet das Blatt. Die US-Behörden hätten VW und andere Hersteller wegen schadhafter Bauteile zu Rückrufen aufgefordert.

Zudem musste VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Dienstag zum Rapport bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt antreten und über die Aufklärung der Affäre informieren. Das schreibt "Bild am Sonntag".

Im Gespräch

Sollte Volkswagen der EPA-Forderung zustimmen und in den USA Elektroautos bauen, kämen Millionenbelastungen auf den Konzern zu, schrieb die Zeitung. Bei der EPA hieß es dem Bericht zufolge: "Wir befinden uns dabei in andauernden Gesprächen." Für die US-Behörden wäre ein Engagement Volkswagens ein Hebel, die bislang schleppend anlaufende Elektromobilität im Land voranzubringen. Ein VW-Sprecher bestätigte am Samstag nur, dass der Autobauer weiter Gespräche mit der EPA führe.

Das selbst gesteckte Ziel, bis Ende 2015 eine Million Elektroautos auf amerikanischen Straßen zu haben, hat die US-Regierung um Längen verfehlt. Noch dünner ist die Bilanz beim Aufbau eines Ladesäulennetzes. Ein VW-Sprecher bestätigte am Samstag nur, dass der Autobauer weiter Gespräche mit der EPA führe. Man kommentiere den Inhalt dieser Beratungen nicht.

Konzept für die Umrüstung steht

Das Konzept Volkswagens für die Umrüstung der 500.000 in den USA mit der Schummelsoftware ausgestatteten Autos steht dem Blatt zufolge derweil. Rund 100.000 Fahrzeuge sollen zurückgekauft werden. Bei etwa 50.000 Autos der neuesten Generation reiche ein Software-Update, und in 350.000 Fahrzeuge solle ein neuer Katalysator eingebaut werden.

Laut "Bild am Sonntag" versprach AR-Chef Pötsch dem Verkehrsminister bei dem Treffen am Dienstag, VW werde die Affäre gründlich und ohne Rücksicht auf Personen und Positionen im Konzern aufklären. VW bestätigte das Treffen, machte aber keine Angaben zum Inhalt des Gesprächs.

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Im April will VW einen Bericht der US-Kanzlei Jones Day über die Manipulationen vorlegen. Spätestens Ende April muss der Konzern auch einen Jahresabschluss vorlegen, der angemessene Rückstellungen für etwaige US-Strafzahlungen und weitere Kosten der Abgasaffäre enthalten muss. Die bisher angesetzten 6,7 Milliarden Euro würden dafür nicht reichen, so die "Welt am Sonntag".

Aktie etwas erholt

Die im Dax enthaltenen VW-Vorzüge haben in der vergangenen Woche einhergehend mit dem guten Gesamtmarkt Boden gut gemacht und sich in Richtung 125 Euro vorgearbeitet. Damit ist die Aktie aber kurzfristig an einem Widerstand angekommen. Bereits im Janaur waren Versuche gescheitert, diese Marke zu übewinden. Sollte dies trotzdem gelingen, hätte das Papier Luft bis zum Zwischenhoch aus dem Dezember bei etwas über 140 Euro.

rtr/rm

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Viele Unwägbarkeiten

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Schadenersatz: Die Kunden

Schadenersatz könnten zuallererst die Kunden, sprich die Käufer der betroffenen Diesel-Modelle anmelden. Denn ihnen wurde juristisch gesehen nicht das Produkt mit den Eigenschaften verkauft, die von VW versprochen wurden. Sie könnten also wegen Betrug klagen. VW hat bereits erklärt, die betroffenen Kunden zumindest im Inland anzuschreiben und die Autos technisch umzurüsten. In Amerika aber könnte es auch einfach heißen: Auto auf den Hof stellen und Geld zurück. Die Schadenshöhe dürfte je nach Rechtssystem unterschiedlich hoch sein.

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