Hingucker der Woche

Wochenausblick Wie berechenbar ist Donald Trump?

von Robert Minde

Stand: 21.05.2017, 11:59 Uhr

Kaum ein Politiker hat die Börsen weltweit so in Wallung gebracht wie der neue US-Präsident. Geht das Politdrama in Washington weiter oder kommen die Märkte endlich zur Ruhe? Die Frage dürfte auch die neue Woche beherrschen.

Denn von der Berichtssaison dürften kaum mehr nennenswerte Impulse ausgehen, sie neigt sich dem Ende zu. Mit Vonovia öffnet am Mittwoch nur noch ein Dax-Wert seine Bücher, hinzu kommen ein paar Nachzügler aus der zweiten Reihe.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die gute Nachricht dieser abgelaufenen Berichtssaison ist aber, dass die Unternehmen (nicht nur hierzulande) einen überwiegend guten Start ins neue Jahr gehabt haben und von guten konjunkturellen Rahmenbedingungen profitieren. Und darum geht es ja eigentlich an der Börse. Der Dax jedenfalls hat sich trotz des jüngsten US-Störfeuers gut gehalten und markierte zuletzt bei 12.841 Punkten ein neues Rekordhoch. Börsenglück, was willst du mehr?

Donald Trump und kein Ende

Grinsender Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Aber....kein Glück ist perfekt, denn da gibt es den unberechenbaren amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Ein Tweet des exzentrischen Milliardärs hat nach wie vor das Zeug dazu, die Märkte durcheinanderzuwirbeln. Die vergangene Woche hat gezeigt, wie schnell es gehen kann. Vom Börsenliebling zum Schreckgespenst.

Fakt ist, trotz aller konjunkturellen Rückenwinde, mit niedriger Arbeitslosigkeit und soliden Unternehmensgewinnen, der Politikfaktor, diese Mal aus den USA in Gestalt der Trumpschen Russland-Affäre, bleibt über der Börse wie ein Damoklesschwert hängen.

Trump werden immerhin versuchte Einflussnahme auf die Justiz und seine ungeklärten Verbindungen zu Russland vorgeworfen. Sogar das Wort "Amtsenthebung" tauchte in den Kommentaren zuletzt immer öfter auf. Und auch wenn die Lage in Korea zuletzt nicht mehr so im Mittelpunkt gestanden hat, könnte die asiatische Krise jederzeit wieder aufflammen.

Die Krise im Weißen Haus werde weiterhin für dunkle Wolken über den Aktienmärkten sorgen, kommentierte Analyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader pessimistisch. Anleger sollten daher kurzfristig mit höheren Schwankungen rechnen. "Das Wackeln an der Börse hat begonnen, egal wie das Polit-Chaos in Washington weitergeht", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets.

Anja Kohl

Präsidenten machen die Kurse

Politikkrise als Einstiegschance

Audio allgemein - Startbild

Börse 20.15 Uhr Wogen um Trump am Aktienmarkt haben sich etwas geglättet

Vielleicht ist dem einen oder anderen aber der Trump-Wirbel gar nicht so unrecht, denn er bietet die Gelegenheit, zu günstigeren Kursen am Aktienmarkt einzusteigen. Nichts ist schließlich für Anleger so bitter wie steigende Kurse, und man ist nicht dabei. Laut Experte Cutkovic sitzen nämlich viele Aktienfonds auf großen Barbeständen. Wenn die Fondsmanager wirklich dagegen halten, würde diese den Markt natürlich stützen und negative Politikfolgen abmildern, so die Conclusio.

Konjunkturdaten im Blick

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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In der kommenden Woche dürften die Anleger daher neben der Politik und mangels neuer Unternehmenszahlen auf einige wichtige Konjunkturdaten blicken. In Deutschland wird dies vor allem der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Mai am Dienstag sein. Es ist der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, der im April positiv überraschte. Auch das GfK-Konsumklima für den Juni am Mittwoch dürfte hierzulande für Beachtung sorgen.

Europaflagge mit abgerissenem britischen Teil

Brexit. | Bildquelle: colourbox.de

Für die Eurozone werden am Dienstag ebenfalls Stimmungsdaten für Dienstleister und Industrie erwartet. Kann sich die zuletzt gute Entwicklung in der EU fortsetzen? Ein Signal, das sicher auch am Devisenmarkt für Beachtung sorgen wird. Zuletzt profitierte der Euro bekanntlich von der politischen Schwäche des Dollar, jetzt kommen auch die Fundamentaldaten hinzu.

Ganz ohne Politik wird es aber auch in Europa in der kommenden Woche nicht gehen. Die Brexit-Verhandlungen werfen ihre Schatten voraus und die EU-Vertreter beraten über ihre Verhandlungsstrategie. Begonnen wird mit den Gesprächen allerdings erst nach den Wahlen in Großbritannien am 8. Juni. Und damit sich der Bogen für die kommende Woche schließt - Donald Trump ist auf (seiner ersten) Auslandsreise, die ihn unter anderem zum G7-Treffen nach Sizilien am Freitag führt. Die Märkte dürfen sich wohl auf neue Twitter-Botschaften des Mannes aus New York einstellen.

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