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Automobile

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn

VW-Spitze angeblich schon früher informiert

Was wusste Martin Winterkorn?

Stand: 15.02.2016, 08:47 Uhr

Der VW-Abgasskandal ist um eine weitere Variante reicher. Nach Presseberichten hat Ex-Chef Martin Winterkorn schon sehr viel früher Bescheid gewusst. Bisher hat das alles ganz anders geklungen.

In der Abgasaffäre des Wolfsburger Autobauers soll Ex-Konzernchef Martin Winterkorn schon im Frühling 2014 von der Suche der US-Behörden nach einer Manipulationssoftware gewusst haben. Das schreibt die "Bild am Sonntag" und beruft sich dabei auf interne Dokumente, die dem Blatt vorliegen. Allerdings wird keine Passage zitiert, aus der eine direkte Kenntnis von Winterkorn hervorgeht.

Schon seit Anfang 2014 Bescheid gewusst?

Angeblich hätte Winterkorn aber von einem Vertrauten bereits über ein Jahr bevor die Affäre im September 2015 aufflog eine Warnung erhalten. In einem Brief heißt es: "Es ist zu vermuten, dass die US-Behörden die VW-Systeme daraufhin untersuchen werden, ob Volkswagen eine Testerkennung in die Motorsteuergeräte-Software implementiert hat (sogenanntes Defeat Device)."

VW-Chef Matthias Müller

VW-Chef Matthias Müller. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ein Volkswagen-Sprecher wollte den Vorgang nicht kommentieren. Auch Winterkorn selbst wollte sich nicht äußern. VW untersucht die Affäre intern und will voraussichtlich im April Ergebnisse bekannt geben. Winterkorn war im September letzten Jahres zurückgetreten und hatte damit die Verantwortung für den Skandal übernommen. Nach eigenen Erklärungen hatte er aber keine Kenntnis von den Manipulationen. Kurz vor der Demission hatte Volkswagen eingeräumt, dass man mit Hilfe einer Software Diesel-Abgaswerte bei Test auf Prüfständen manipuliert habe. Nachfolger von Winterkorn wurde bekanntlich Ex-Porsche-Chef Matthias Müller.

Aktie ganz im Zeichen des Skandals

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
116,20
Differenz absolut
-2,95
Differenz relativ
-2,48%

VW-Aktionäre machen derzeit eine harte Zeit durch, denn von dem Diesel-Schlag im September hat sich das im Dax enthaltene Vorzugspapier bisher nicht wirklich erholt. Bereits bevor der Skandal aufflog, hatte sich die Aktie schon deutlich von ihren Zwölf-Monats-Hoch im März 2015 bei knapp 250 Euro abgeschwächt. Nach dem skandalbedingten Kurssturz im September gab es dann noch eine Gegenbewegung im November und Dezember, ohne das die September-Kurse aber erreicht worden wären.

Aktuell ist das Papier mit dem schwachen Gesamtmarkt seit Jahresbeginn wieder deutlich zurückgefallen und steht knapp über 100 Euro. Vor allem die Unklarheit, wie hoch der Schadenersatz für die Manipulationen ausfallen wird, lastet auf der Aktie.

Denn verlässliche Gewinnschätzungen sind ohne eine zumindest grobe Vorstellung über kommende Schäden gar nicht möglich. Die Deutsche Bank mit ihren nicht enden wollenden Rechtsstreitigkeiten ist ein warnendes Beispiel. Vor allem in den USA mit seinem unberechenbaren Schadenersatzrecht drohen Milliardenstrafen. VW selbst hat schon über sechs Milliarden Euro zurückgestellt. Experten bezweifeln aber, dass dieser Betrag reichen wird. Immerhin wurden im Januar in China, dem wichtigsten Markt, wieder mehr Autos verkauft. Ob dass schon das Ende des Abwärtstrends aus 2015 ist, bleibt abzuwarten. Die in China eigentlich erfolgsverwöhnten Wolfsburger büßten 2015 beim Anteil auf dem chinesischen Markt 2,3 Prozentpunkte ein und fielen auf 17,7 Prozent zurück - der niedrigste Wert seit 2010.

rm

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Was jetzt alles auf VW zukommt

Viele Unwägbarkeiten

 Volkswagen-Besitzerin in ihrem 2013 Volkswagen Jetta Sportwagen Diesel

Schadenersatz: Die Kunden

Schadenersatz könnten zuallererst die Kunden, sprich die Käufer der betroffenen Diesel-Modelle anmelden. Denn ihnen wurde juristisch gesehen nicht das Produkt mit den Eigenschaften verkauft, die von VW versprochen wurden. Sie könnten also wegen Betrug klagen. VW hat bereits erklärt, die betroffenen Kunden zumindest im Inland anzuschreiben und die Autos technisch umzurüsten. In Amerika aber könnte es auch einfach heißen: Auto auf den Hof stellen und Geld zurück. Die Schadenshöhe dürfte je nach Rechtssystem unterschiedlich hoch sein.

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