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Papier knapp unter Allzeithoch

Was treibt nur die Apple-Aktie an?

Stand: 08.02.2017, 11:55 Uhr

Es ist fast in alten Zeiten. Seit ihrem Tief im Mai letzten Jahres eilt die Apple-Aktie wieder von einem Hoch zum Nächsten. Inzwischen ist sie fast wieder so teuer wie im Rekordjahr 2015. Woher kommt nur die neue Fantasie?

Wie die neuesten Zahlen zeigen, steht das Unternehmen weit besser da als viele Fachleute lange vermuteten. So verkaufte Apple im Weihnachtsquartal 78,3 Millionen iPhones - ein neuer Bestwert. Das sind rund 3,5 Millionen Geräte mehr als ein Jahr zuvor. Damit übertraf der US-Technologiekonzern nicht nur die Prognosen von Analysten, sondern auch die eigenen.

Und es ist auch ein kleiner Triumph gegenüber dem Erzrivalen Samsung: Nach Schätzungen des Marktforschers Canalys zog Apple nämlich an ihm vorbei an die Spitze des Smartphone-Marktes. Die Koreaner, die nur rund 77 Millionen Smartphones abgesetzt haben dürften, haben sich ihr Weihnachtsgeschäft selbst mit den Batteriebränden bei seinem "iPhone-Killer" Galaxy Note 7 vermiest. Das dürfte auch die Nachfrage nach Apple iPhone gesteigert haben.

Konzern neu bewertet

Doch die Verkaufszahlen widerlegen auch jene Kritiker, die bezweifelten, dass das erst im September auf den Markt gekommene iPhone 7 die zuvor gemeldeten iPhone-Rückgänge stoppen könne, da es weitestgehend das Aussehen der noch 2014 eingeführten 6er-Serie beibehielt.

Die guten Quartalszahlen haben viele Analysten dazu bewogen, die Lage und die Geschäftsaussichten von Apple genauer unter die Lupe zu nehmen und etntsprechend neu zu bewerten. Zuletzt wurde die Aktie von Spekulationen befeuert, das Unternehmen habe mehr Computer-Uhren verkauft als erwartet und damit der Konkurrenz Marktanteile weggenommen.

Lieferengpässe bei der Apple Watch

Die Apple Watch sei trotz Lieferengpässen bei einigen Modellen im vierten Quartal etwa sechs Millionen Mal verkauft worden, schätzt die Marktforschungsfirma Canalys in ihrem jüngsten Bericht. Damit seien rund zwei Drittel der weltweit abgesetzten Computer-Uhren von Apple gekommen. Was die Umsätze angehe, seien sogar 80 Prozent der branchenweiten Erlöse bei Apple gelandet.

Apple selbst hat noch keine Zahlen zu Verkäufen seiner Computer-Uhr genannt. Apple-Chef Tim Cook sagte jüngst lediglich, das vergangene Weihnachtsquartal sei das bisher erfolgreichste gewesen. Die Apple-Uhr hält seit der Markteinführung im Frühjahr 2015 die Führung im Smartwatch-Geschäft - die Verkäufe der ersten Generation waren dann aber relativ schnell abgesunken. Im gesamten vergangenen Jahr kam Apple laut Canalys mit knapp zwölf Millionen verkauften Uhren auf einen Marktanteil von 49 Prozent. Auf Platz zwei sehen die Marktforscher den Fitness-Spezialisten Fitbit mit seiner Sport-Uhr bei 17 Prozent vor Samsung mit 15 Prozent.

Tim Cook präsentiert die neue Apple Watch

Tim Cook präsentiert die neue Apple Watch. | Bildquelle: Imago

iPhone steht vor Superzyklus

Doch es ist nicht nur die Computer-Uhr, die neue Fantasien weckt. Auch das anlässlich des zehnjährigem iPhone-Jubiläums erwartete iPhone 8 sorgt bereits jetzt für hohe Erwartungen. Apple stehe mit dem kommenden iPhone 8 und dem damit zusammenhängenden Servicegeschäft vor einem Superzyklus, glaubt Analystin Kathryn Hubert von der Investmentbank Morgan Stanley. Sie attestiert dem Smartphone-Hersteller deshalb bessere Geschäftsperspektiven als bisher.

Für das kommende Geschäftsjahr 2017/18 rechnet sie in einem Basisszenario mit einem iPhone-Umsatzplus von 23 Prozent. Die Serviceerlöse - dazu gehören der Streaming-Dienst Apple Music sowie Einnahmen aus dem Verkauf von Apps und Speicherplatz sowie Filmen, Büchern und Musik zum Herunterladen - dürften Huberty zufolge um 19 Prozent steigen. Die Expertin erhöhte ihr Kursziel für die Aktie von 148 auf 150 Dollar und hält an ihrer Einstufung "Overweight" fest. Die Apple-Aktie ist angesichts des zu erwartenden starken iPhone-Aufschwungs ihr Branchenfavorit.

Auch die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Apple nach Quartalszahlen von 127 auf 138 Dollar angehoben und die Einstufung für die Aktie des iPhone-Herstellers auf "Buy" belassen.

Zukunftsmarkt Indien

Auch Apple selbst stellt neue Erwartungen auf. Nach Angaben einer lokalen Regierung soll das iPhone bald auch in Indien produziert werden. Wie der Technologieminister des Bundesstaats Karnataka mitteilte, soll eine Produktionseinheit in Provinzhauptstadt Bangalore in wenigen Monaten ihren Betrieb aufnehmen. "Apple wird hier seine Telefone zusammensetzen", sagte Priyank Kharge.

Neben China setzt Apple auch auf die wachsende Mittelschicht in dem Riesenland als potentielle Käufer seiner Produkte. Noch hat das Unternehmen dort erst einen sehr kleinen Marktanteil. Das liegt vor allem an der hohen Preissensitivität der dortigen Verbraucher. Mit einer lokalen Produktion könnte Apple Importgebühren sparen und konkurrenzfähiger werden.

Eiche aus dem Spessart

Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dabei schätzt Apple auch weiterhin seine Zulieferer in Europa, besonders in Deutschland. So besuchte Firmenchef Tim Cook kürzlich den Möbel-Hersteller Dula in der westfälischen Provinz. Dula baut die Tische und andere Möbel für die Apple Stores in Europa und anderen Ländern - und wird auch die neue gewaltige Zentrale des Konzerns in Cupertino ausrüsten.

Die Möbelbauer aus Vreden westlich von Münster zeigten Cook auch seinen noch unfertigen künftigen Chef-Tisch - wie die Möbel der Apple-Läden mit Eiche aus dem Spessart furniert. "Es gibt nichts vergleichbares mit deutscher Handwerkskunst", lobte Cook und betonte, dass der Konzern in Europa insgesamt 4.600 Zulieferer habe - "und wir gaben im vergangenen Jahr elf Milliarden Euro bei ihnen aus".

lg

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1976: Die Gründung

Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Wayne gründeten Apple im April 1976 gemeinsam. Jobs als treibender Verkäufer, Wozniak als Tüftel-Genie und Wayne als Schlichter für die ungleichen Freunde. Allerdings stieg Wayne bereits einige Tage später wieder aus dem Unternehmen aus. Mehr zum Thema: Ronald Wayne: Der vergessene Apple-Gründer

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