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Mode

Steilmann-Modenschau

In vier Monaten vom Börsenneuling zum Pleitekandidaten

Was ist falsch gelaufen bei Steilmann?

Stand: 24.03.2016, 13:08 Uhr

Bei einem Börsengang prüfen Banken ein Unternehmen auf Herz und Nieren. Das war auch bei Steilmann so, als die Modefirma im November an die Börse ging. Doch nur vier Monate später steht die Firma vor dem Aus - wie geht das denn?

Anleger wurden heute völlig überrascht von der Insolvenz Steilmanns. Schließlich ist der Börsengang noch nicht so lange her: Am 5. November feierte der Steilmann seine Fashion-Show auf dem Börsenparkett. Und bei jedem Börsengang prüfen die begleitenden Banken die Bücher des Börsenaspiranten sehr streng - im Rahmen einer so genannten Due Diligence.

Anleger fragen sich, ob so ein schneller Niedergang mit rechten Dingen zugeht, oder ob man bei Steilmann etwa nicht genau genug hingeschaut hat?

"Haben Bücher genauestens geprüft"

"Natürlich sind wir unserer Sorgfaltspflicht nachgekommen, das ist keine Frage", sagte ein Sprecher der Oddo Seydler Bank, die Steilmann an die Börse gebracht hat. "Auch zuvor bei der Ausgabe der beiden Steilmann-Anleihen haben wir die Bücher genauestens geprüft und uns anhand der zur Verfügung stehenden Informationen eine eigene Meinung gebildet. Aber die Situation in der Modebranche hat sich danach so drastisch verschärft, dass es bei Steilmann zu dem extremsten Fall der Insolvenz geführt hat."

Der Börsengang hatte sich gleichwohl schwierig gestaltet. "Die Vorstellungen von Steilmann waren am Markt nicht umsetzbar", so der Sprecher von Oddo. "Es gab nicht genug Nachfrage nach den Aktien zu diesem Preis. Doch die Gewinnwarnung im Dezember ebenso wie jetzt die Insolvenz kamen für uns völlig überraschend." Als kapitalmarktberatende Bank habe man im Gegensatz zu den kreditgebenden Banken nur punktuellen und begrenzten Einblick in das Unternehmen.

Das klingt, als sei die Modebranche unberechenbarer und riskanter für Anleger als die Biotech-Branche.

"Banken waren nicht mehr bereit, uns zu finanzieren"

Steilmann selbst verweist auf den milden Winter, der dem Unternehmen arg zusetzte. Umsatz und Gewinn gingen stark zurück. "Die Umsatzsituation hat sich zuletzt nicht verbessert", erklärte eine Sprecherin des Modeunternehmens auf Anfrage. "Dadurch ist ein Liquiditätsengpass entstanden, der durch die gegebenen Kreditlinien nicht mehr zu decken war." Der Vorstand hoffe nun, dass Steilmann von einem Insolvenzverwalter saniert werden kann.

Experten aus Bankenkreisen sprechen recht offen darüber, dass Steilmann schon seit Jahren Probleme hat, die Banken aber nun nach Verschärfung der Lage in der Modebranche nicht mehr bereit gewesen wären, das zu unterstützen. "Es ist aber nicht so, dass die Banken plötzlich die Kredithähne zugedreht hätten", sagte die Sprecherin. "Aber die finanzierenden Banken waren angesichts der schweren Marktlage und der schlechten Nachrichten aus der Branche nicht mehr bereit, uns zu finanzieren."

Investoren haben abgewunken

Parallel habe man Gespräche mit Investoren geführt, sowohl aus der Mode- als auch aus der Finanzbranche. Aber aufgrund des schwierigen Marktumfeldes seien die nicht erfolgreich gewesen.

Einige Nummern kleiner

Steilmann-Model mit roter Weste

Eigentlich wollte Steilmann bis zu 19,5 Millionen Aktien für bis zu 5 Euro je Papier ausgeben. Doch dafür fanden sich nicht genug Anleger. Steilmann wurde nur 2,5 Millionen Aktien zu je 3,50 Euro los. Statt erhoffter 98 Millionen Euro flossen also nur knapp 9 Millionen.

Steilmann war nach dem deutlich verkleinerten Börsengang gezwungen, die fehlenden Mittel anderweitig zu beschaffen. Genau das hat nicht geklappt - weshalb das Modeunternehmen nun die Notbremse zieht. Vielleicht war das auch der Rat des "Risk Officers", den Steilmann erst in den letzten Tagen engagiert hatte.

Schwierige Situation für Aktionäre und Anleihegläubiger

Steilmann: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger haben das Nachsehen. Im Insolvenzfall gehen die Aktionäre in der Regel leer aus. Mancher wird sich fragen, ob er beim Börsengang richtig infomiert wurde - von der Bank wie vom Unternehmen.

Anleihegläubiger stehen im Insolvenzfall generell besser da als Aktionäre: Sie können darauf hoffen, einen kleinen Teil ihres Geldes wiederzusehen - sofern die Insolvenz nicht zeigt, dass bei Steilmann gar nichts mehr zu holen ist. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) will die Interessen der Gläubiger im Steilmann-Fall vertreten, ebenso die Deutsche Investoren Union (DIU) sowie One Square Advisory Services, die bereits mehrere institutionelle Investoren vertritt, die Anleihen besitzen.

Was für ein Problem hat die Modebranche?

Viele Modefirmen haben schon seit längerem zu kämpfen. "Vielleicht liegt es daran, dass Fashion zum Teil "out of Fashion" ist", sagte Analyst Volker Bosse von der Baader Bank im Interview mit boerse.ARD.de. Zudem schlügen die veränderten Gewohnheiten der Verbraucher zu Buche – viele Konsumenten kauften lieber online statt offline. Außerdem sei der deutsche Markt begrenzt. "Die Bevölkerung wächst nicht, sodass eine nahezu konstante Anzahl an Hosen und Hemden gekauft wird."

bs

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