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Chinesischer Staatsfonds hat angeblich Interesse
Waghalsiges Manöver bei der Daimler-Aktie
Die Aktie des Automobilkonzerns Daimler zählt zu Wochenbeginn zu den gefragtesten Werten im Dax. Doch Investoren sollten besser aufpassen, dass sie nicht am Ende einer Zeitungsente aufsitzen. Einer kommunistischen Zeitungsente wohlgemerkt.
Chinesische Wochen in Stuttgart?
So berichtet die staatliche chinesische Zeitung "People's Daily" zwar am Montag auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Insider, dass der Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) vier bis zehn Prozent der Daimler-Anteile zu einem Marktwert von 1,8 bis 4,5 Milliarden Euro kaufen wolle. Das befördert die Daimler-Aktie bis zu 2,4 Prozent ins Plus auf 43,64 Euro.
Deal "sehr unwahrscheinlich"?
Doch es gibt mehrere Details, die aufmerksame Investoren skeptisch stimmen dürften. So findet sich der Zeitungsbericht zumindest auf der englischsprachigen Internetseite von "People's Daily" nicht wieder.
Überdies wollte der Fonds den Bericht, wie üblich bei Marktspekulationen, nicht kommentieren. Laut "Financial Times" soll aber ein Insider gesagt haben, ein unmittelbar bevorstehender Deal sei "sehr unwahrscheinlich".
Uralte Spekulationen
Hinzu kommt: Diese Sau wurden schon mehr als einmal durchs Dorf getrieben. Bereits Ende 2011 hatte es erstmals Spekulationen um einen CIC-Einstieg bei Daimler gegeben. Damals hatte das "Manager Magazin" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, dass Daimler einen chinesischen Investor für eine fünf- bis zehnprozentige Beteiligung suche. Der CIC galt schon damals als Favorit.
Nicht zuletzt muss man sich fragen, ob Daimler wirklich so gut ins Portfolio von CIC passen würde. Schließlich hatte sich der Staatsfonds zuletzt auf Investitionen in natürliche Ressourcen und Infrastruktur fokussiert. Ein Einstieg bei Daimler wäre das erste direkte Investment von CIC in den Automobilsektor.
China Investment Corporation (CIC)
Der Konkurrenz hinterher
Mit Daimler würden sich die Chinesen allerdings ausgerechnet den deutschen Autokonzern angeln, der der Konkurrenz (Audi, BMW) auf dem schnell wachsenden chinesischen Markt stark hinterherhinkt.
Was sich zuletzt auch in der Aktienkursentwicklung mehr als deutlich niederschlug: In den vergangenen zwölf Monaten konnte die Daimler-Aktie 18 Prozent zulegen, die BMW-Aktie lieferte mit einem Plus von 32 Prozent eine deutliche Outperformance.
Nur Mini-Aktionäre im Boot
Andererseits ist es ein offenes Geheimnis, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche derzeit auf der Suche nach langfristigen Investoren ist. Auch solche aus China wären ihm nach dem Rückzug von Daimlers größtem Einzelinvestor sehr willkommen. Der Fonds Aabar aus Abu Dhabi hatte im Oktober 2012 seine verbliebenen Stimmrechtsanteile abgestoßen.
Im Gegensatz zu BMW oder VW, die mit der Familie Quandt beziehungsweise den Familien Porsche/Piëch und dem Land Niedersachsen große Ankeraktionäre im Boot haben, befinden sich die Daimler-Aktien weitgehend im Streubesitz.
Stand: 07.01.2013, 10:57 Uhr