Seitenueberschrift

Automobile

Rotes Ampelmännchen vor der VW-Konzernzentrale in Wolfsburg

Gewinnwarnung treibt Aktie gen 100 Euro

Nicht schon wieder! VW schockt Anleger

Stand: 22.09.2015, 17:47 Uhr

Wer bei der VW-Aktie auf eine Erholungsbewegung nach dem gestrigen Kurssturz gesetzt hatte, sieht sich bitterlich enttäuscht. Nach einer Gewinnwarnung stürzt der Dax-Titel um weitere 20 Prozent ab.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,40
Differenz absolut
4,65
Differenz relativ
+3,73%

Am späten Vormittag gab der Konzern in Folge des Skandals eine Gewinnwarnung heraus: "Zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen, beabsichtigt Volkswagen, im 3. Quartal des laufenden Geschäftsjahres rund 6,5 Milliarden Euro ergebniswirksam zurückzustellen", heißt es darin.

"Aufgrund der laufenden Untersuchungen unterliegt der angenommene Betrag Einschätzungsrisiken. Die Ergebnisziele des Konzerns für das Jahr 2015 werden dementsprechend angepasst."

Die VW-Aktie stürzte daraufhin um bis zu 24,2 Prozent ab auf 101,35 Euro. Zum Xetra-Schluss beträgt das Minus 19,8 Prozent auf 106,00 Euro. Kurz zuvor hatte VW-Chef Martin Winterkorn in einer Videobotschaft einen Rücktritt abgelehnt.

Bereits am Montag war der Dax-Titel um 18,6 Prozent eingebrochen. Vor Bekanntwerden des Schadstoffbetrugs hatte das Papier noch bei über 160 Euro notiert. Seit dem Jahreshoch im März bei 262,45 Euro hat die Aktie mehr als 60 Prozent an Wert verloren.

Rechtliche Konsequenzen

Die Manipulation von Abgaswerten in den USA hat strafrechtliche Relevanz. Und viele Anleger erwarten, dass die Absatzzahlen nun nicht nur in den USA hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Nach einer Einschätzung des Rechtsanwalts Dietmar Kälberer von der Kanzlei Kälberer & Tittel könnten Aktionäre VW verklagen und den Schaden für das Unternehmen so noch erhöhen. "Das Thema VW und unterlassene Ad-hoc-Mitteilung ist auch nach deutschem Recht extrem brisant", so Kälberer. Laut Wertpapierhandelsgesetz seien Unternehmen dazu verpflichtet, Insider-Informationen sofort zu veröffentlichen: "Macht ein Unternehmen das nicht, so ist es nach deutschem Recht zu Schadensersatz verpflichtet." Habe VW schon seit Jahren Abgas-Werte manipuliert, so könnten auch in Deutschland Milliardenforderungen auf den Konzern zukommen.

Das sagen die Analysten

Die Schweizer Großbank UBS sieht dennoch gute Chancen für die Entwicklung der VW-Aktie. VW bleibe trotz kurzfristiger Bedenken einer der wenigen Autobauer mit bedeutendem Ergebnis- und Kapitalpotenzial, schrieb Analyst Philippe Houchois. Er setzt Volkswagen ein Kursziel von 290 Euro - das scheint angesichts der laufenden Hiobsbotschaften doch recht ambitioniert.

Goldman Sachs hat die Einstufung der Volkswagen-Aktie auf "Sell" belassen. Der Imageverlust sei über den finanziellen Schaden erheblich. Außerdem könnte der Skandal die geplante Diesel-Offensive deutscher Hersteller in den USA erschweren.

Aus der Traum?

Die Abgasaffäre beim Autobauer wird nach Auffassung von Aufsichtsratmitglied Olaf Lies Verantwortliche den Job kosten. "Wir werden... die Details erfahren: Wer, wann, wo welche Entscheidungen getroffen hat, wer dafür verantwortlich ist", sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister im Deutschlandfunk.

Stefan Böhm von "dax-strategie.de" meint, der Traum vom größten Autobauer der Welt sei nun erst einmal ausgeträumt. Volkswagen wisse bereits seit einem Jahr über die Vorwürfe Bescheid und habe nichts geändert.

Gegen 16 Uhr gab auch die Porsche Holding eine Gewinnwarnung heraus: "Es ist davon auszugehen, dass das Ergebnisziel des Porsche SE Konzerns für das Geschäftsjahr 2015 angepasst wird". Die Porsche Holding ist Hauptanteilseigner der Volkswagen AG. Bisher erwartete der von den Familien Porsche und Piech beherrschte Konzern ein Ergebnis nach Steuern von 2,8 bis 3,8 Milliarden Euro.

fw

1/5

Wissenswertes zur VW-Karambolage

Haben Sie das gewusst?

Grüner VW-Pkw mit Unfallschaden

Totalschaden bei VW

Die Gewinnwarnung im Zuge der Abgas-Affäre hat die Talfahrt der Volkswagen-Aktie noch einmal beschleunigt. Die Titel rauschen heute um bis zu 24 Prozent auf 101,35 Euro nach unten. Volkswagen hatte mitgeteilt, im Zuge der Affäre rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite legen zu wollen – die Ergebnisziele wurden entsprechend angepasst. Am Montag war das Papier bereits um 18,6 Prozent eingebrochen. Damit verbrannte der Abgas-Skandal des Volkswagen-Konzerns bisher rund 27 Milliarden Euro an Börsenwert. Das entspricht etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Münchner Rück, des weltweit größten Rückversicherers.

Porsche Automobil Holding VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche

Porsche Automobil Holding VZ

VW-Aktie bleibt unter Druck - Konsequenzen nicht nur in den USA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche

VW-Aktie bleibt unter Druck - Konsequenzen nicht nur in den USA

Alle Kommentare (34)

Kommentar von "boerse.ARD.de" am 23.09.2015, 08:50 Uhr

@heinzmichael fischer: Ihrem Hinweis würden wir gerne folgen. Doch können wir die Kommentatoren nicht von der Verantwortung für ihre Rechtschreibung befreien. Leider fehlen uns dafür die Kapazitäten.

Kommentar von "Martin" am 23.09.2015, 08:16 Uhr

Der Kommentar von Dieter zeigt wie der eigene Slogen zum Bumerang werden kann, z.B. "Vorsprung durch Manipulation" Betrug zahlt sich nicht aus. Und nicht Dobrindt (CSU) soll zur Klärung zu VW reisen sondern eine unabhängige Kommission aus den USA. Mein Wunsch, Ehrlichkeit unter Alltagsbedingungen und zeigen was unsere Ingenieure drauf haben. Und dann stellt sich noch die Frage, warum soll ein Diesel mehr Dreck ausstoßen dürfen als ein Benziner? Nicht so in den USA

Kommentar von "Renate Neff" am 23.09.2015, 00:46 Uhr

Es handelt sich hier um einen klaren, vorsätzlichen Betrug. Nein, es wurde nicht Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer gefährdet, sondern "nur" besonders strenge Abgasnormen der USA verletzt, die Autobauer vor technische Probleme stellen, die sie nur unter großem finanziellem Aufwand erfüllen können. Dem wollte VW entgehen und sich so gegenüber den Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil erschleichen. Aber die Manager, denen das eingefallen ist, haben nicht nur betrogen, sondern ihr eigenes Unternehmen sabotiert. Jeder kann sich denken, dass sie VW massiven Schaden zufügen würden, sollte das herauskommen. Nun ist es herausgekommen und VW hat alles Renommee verloren. Massive Umsatzeinbrüche sind zu erwarten, Unsummen von Schadensersatzforderungen und Strafzahlungen kommen auf das Unternehmen zu, Köpfe werden rollen. Es ist nicht nur bodenlos und verwerflich, sondern auch in höchstem Maße dumm und selbstzerstörerisch. Hatte Piech Wind davon bekommen und deshalb Winterkorn absägen wollen?

Kommentar von "heinzmichael fischer" am 23.09.2015, 00:36 Uhr

Verehrte Redaktion, können Sie vielleicht in Zukunft die von Ihnen freigegebenen Kommentare von den gröbsten "Schoten" in Rechtschreibung usw. befreien ? Manchmal kann es einem ja richtig schlecht werden, wie fehlerhaft auch ganz vernünftige Gedanken mit Papier/E-Mail Nachricht verbreitet werden. MfG HMF

Kommentar von "Wolf-Rüdiger Grote" am 22.09.2015, 22:42 Uhr

Was beim Abgas-Grenzwert hier als Betrug gebrandmarkt wird, ist beim Kraftstoffverbrauch von der Politik per Gesetz erlaubt. Der Kunde bekommt eine Verbrauchsangabe die unter Prüfstandbedingungen und mit manipulierten Fahrzeugen gemessen wird, aber mit dem tatsächlichen Verbrauch des Fahrzeuges nichts zu tun hat. Die erwarteten Strafen für den Abgas-Betrug steckt sich der Staat in die Taschen, der eigentlich betrogene Autokäufer bekommt davon nichts, er wird klagen müssen und u.U. eine höhere Kfz.-Steuer auferlegt bekommen.

1
2
3
4
5
6
7

Mein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Es können leider keine weiteren Kommentare abgegeben werden.

Darstellung: