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Automobile

MAN-Mitarbeiter überprüft Leistung eines Schiffsmotors

Spekulationen über Verkauf dementiert

Wozu braucht VW Schiffsmotoren?

Stand: 10.02.2016, 11:30 Uhr

Autos und Schiffsdiesel-Motoren - passt das zusammen? Eher nicht. Deshalb will VW angeblich seine Schiffsmotoren-Sparte abstoßen, um an neues Geld zu kommen. Laut Finanzkreisen gibt es ein halbes Dutzend Interessenten. VW dementiert die Gerüchte heftig.

VW bereite erste Gespräche mit einem chinesischen Interessenten vor, sagte ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Alles sei aber noch in einem sehr frühen Stadium. Ein Verkauf könnte VW nach Einschätzung von Bankern vier bis fünf Milliarden Euro in die Kassen spülen.

Interessenten aus China, USA und Europa

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Als mögliche Käufer werden die chinesischen Konzerne Yuchai, Weichai sowie Sinomach gehandelt. Andere potenzielle Bieter seien nach Darstellung von Bankern Siemens, der US-Mischkonzern General Electric (GE) sowie der Schweizer Maschinenbauer Sulzer. Diese Firmen hätten allerdings vermutlich nur Interesse an Teilen der Schiffsmotoren-Sparte.

VW hatte die Sparte im Rahmen der Übernahme von MAN "geerbt". Der Bereich MAN Diesel & Turbo ist Weltmarktführer für Schiffsdiesel und produziert auch Turbomaschinen für die Öl- und Gasindustrie. Mit dem Kerngeschäft des Nutzfahrzeugbaus gibt es aus Sicht nur von Experten nur wenige Synergien.

Betriebsrat: Sparte steht nicht zum Verkauf

Ein Pressesprecher von VW wies am Mittwoch die Spekulationen über einen Verkauf der Schiffsdieselmotoren-Sparte zurück. Da sei nichts dran, meinte er gegenüber boerse.ARD.de. Ähnlich heftig dementierte der mächtige VW-Betriebsrat die Gerüchte . Ein Sprecher des von Bernd Osterloh geführten Betriebsrats erklärte: "MAN Diesel & Turbo ist eine absolute Perle. Natürlich gibt es da viele Interessenten. Schon alleine deshalb kommt für uns ein Verkauf nicht infrage."

Der Betriebsratssprecher hob die wichtige Funktion der Sparte hervor. "Diversifizierung ist und bleibt eines unserer strategischen Ziele." Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat stehe fest zum Maschinenbaubereich. Es sei immer die gemeinsame Linie mit dem Management und Aufsichtsrat gewesen, den Maschinenbau weiterzuentwickeln, hatte Osterloh vor einem Jahr schon erklärt.

Keine Notverkäufe

Der Wolfsburger Autokonzern hat mehrfach betont, dass er wegen Belastungen durch den Diesel-Skandal nicht gezwungen sei, Notverkäufe zu tätigen. Sollte sich daran etwas ändern, sei die Schiffsdieselmotoren-Sparte die erste Verkaufsoption, erklärte ein Insider. Zuletzt gab es Spekulationen über Verkäufe einzelner Automarken sowie über einen Börsengang des Nutzfahrzeug-Bereichs.

Der Medienbericht über einen möglichen Verkauf der Sparte beflügelte die VW-Aktie am Mittwoch ein bisschen. Sie steigt um 3,5 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Kurs des Dax-Konzerns gut ein Viertel an Wert eingebüßt.

Am Vormittag sickerte zudem durch, dass Suzuki und Volkswagen wollen mit einer Schadenersatzzahlung der Japaner einen Schlussstrich unter ihre verunglückte Partnerschaft ziehen wollen. Suzuki kündigte am Mittwoch an, im Zuge einer Einigung eine "bestimmte Summe Geld" an VW zu überweisen.

nb

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VW

Kernmarke des Autokonzerns ist und bleibt VW. Von den 2014 verkauften über zehn Millionen Fahrzeugen trugen sechs Millionen das VW-Logo. Meistverkauftes Modell ist der Golf, der nun schon in der siebten Generation läuft. Das Problem der Kernmarke ist die schwache Rendite. Sie liegt derzeit bei nur zwei Prozent. Der neue von BMW geholte VW-Manager Herbert Diess soll ab Oktober die Kernmarke wieder auf Rendite trimmen.

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