Passat GTE an einer Ladestation in Manchester

Volkswagen als Vorreiter?! VW reitet die E-Welle

Stand: 12.09.2017, 07:28 Uhr

Der E-Auto-Hype geht in eine neue Runde: Jetzt startet ausgerechnet der Konzern, der mit seiner Dieselaffäre den Stein ins Rollen brachte, eine große E-Auto-Offensive.

Elektroautos gelten derzeit als schick, politisch korrekt und umweltbewusst. Ob Letzteres auch der Wahrheit entspricht, sei mit Blick auf die Bestandteile der Batterien und die Ursprünge der Stromgewinnung mal dahin gestellt.

Fakt ist: Für Autohersteller gab es wohl kaum einen, allein von der Stimmung in der Bevölkerung und bei den politischen Machthabern her, besseren Zeitpunkt für die Vermarktung von E-Autos als jetzt.

"Wir haben verstanden"

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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137,90
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Wer nicht von der Konkurrenz überholt werden möchte, sollte besser umdenken. Das hat nun auch VW erkannt. Die Wolfsburger wollen ihre Investitionen in die Elektromobilität bis zum Jahr 2030 auf 20 Milliarden Euro hochfahren.

Bis 2025 bringen die Konzernmarken insgesamt mehr als 80 neue Autos mit E-Motor auf den Markt, darunter rund 50 reine E-Autos und 30 Plug-in-Hybride, wie Vorstandschef Matthias Müller am Montag beim Konzernabend zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt sagte.

»Wir haben verstanden, und wir werden liefern. Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung, sondern eine Selbstverpflichtung, an der wir uns ab heute messen lassen.«

"Roadmap E" gibt den Weg vor

Bis 2030 soll es nach Müllers Worten für jedes der weltweit rund 300 Modelle des Konzerns in allen Fahrzeugklassen und -segmenten mindestens eine elektrifizierte Variante geben. Hintergrund ist eine "Roadmap E" genannte Strategie - laut VW die umfassendste Elektro-Offensive in der Autoindustrie.

Doch auch Dieselmotoren hätten im Konzern weiterhin eine Zukunft, bis 2025 soll der Anteil der Verbrenner nach Volkswagen-Schätzung ohnehin noch 75 Prozent betragen.

Daimler und BMW haben eigene Pläne

Mit seiner E-Auto-Offensive prescht VW unter den deutschen Automobilkonzernen weit voran. Die Konkurrenz setzt eher auf einzelne E-Autos, um Herausforderern wie Tesla und Nissan zu begegnen.

So will BMW auf der IAA eine viertürige Elektro-Limousine präsentieren. Daimler kündigte bereits am Montag an, seine Kleinwagenmarke Smart komplett auf elektrische Antriebe umstellen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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66,87
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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85,14
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Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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307,76
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Kein gutes Omen für den Aktienkurs?

Die Elektro-Ambitionen der Autohersteller kommen an der Börse übrigens nicht zwingend gut an, das zeigt die gestrige Kursreaktion der Daimler-Aktie: Mit einem Minus von 0,3 Prozent war sie gestern in einem positiven Marktumfeld der einzige Dax-Verlierer gewesen.

Branchenkenner befürchten mit dem E-Auto-Fokus einhergehende hohe Investitionen, die kurz- bis mittelfristig erst einmal auf die Margen drücken dürften.

ag

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BMW i Vision Dynamics

BMW i Vision Dynamics

Die Studie i Vision Dynamics ist der ganz großen Hingucker in der riesigen BMW-Halle. Manch ein Beobachter sieht in ihr den "Tesla-Killer". Beeindruckend sind die Reichweite von 600 Kilometern und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in vier Sekunden des Elektroautos. Doch fürchten muss sich Tesla derzeit nicht. Denn an einen Serieneinsatz ist erst im Jahr 2021 zu denken.

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