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Aktien

Achtung, Anleger!

"Vorläufer einer größeren Korrektur"

Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest blickt mit Sorge auf die Märkte. Sollte der Dollar/Renminbi-Carry-Trade platzen, so könnte dies auch an den Aktienmärkten eine größere Korrektur einleiten.

Robert Rethfeld

Robert Rethfeld Wellenreiter Invest 1408 . | Bildquelle: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest; Quelle: Unternehmen

boerse.ARD.de: Die Deutsche Bank hat eindringlich vor einer plötzlichen Auflösung des Dollar/Renminbi-Carry-Trades gewarnt. Herr Rethfeld, warum sollte das heiße Geld denn plötzlich aus dem Renminbi flüchten?

Robert Rethfeld: Sollten die Anleihenrenditen in den USA weiter anziehen bis auf drei oder vier Prozent, würde dieser Carry-Trade schlichtweg unattraktiv werden. Denkbar ist aber auch ein Eingreifen der chinesischen Behörden. Schließlich wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas durch den starken Renminbi geschwächt. Darunter leiden die chinesischen Exporte.

boerse.ARD.de: Welche Folgen hätte eine Auflösung des Dollar/Renminbi-Carry-Trades für die Finanzmärkte?

Rethfeld: Es käme zu einer "Snapback"-Bewegung, einer schlagartigen Flucht aus dem Renminbi. Geld würde zurück in den Dollar fließen, der Renminbi abwerten. Die Auswirkungen auf den Dollar-Index würden sich voraussichtlich in Grenzen halten. Allerdings könnten die Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen werden. Denn immer dann, wenn sich Kapitalströme sprunghaft verändern, alle auf einmal durch eine Tür rennen wollen, dann drohen negative Konsequenzen.

boerse.ARD.de: Privatanleger sollten also die Gefahren, die von dieser Spekulationsblase ausgehen, durchaus ernst nehmen?

Rethfeld: Absolut. Sollte der Carry-Trade zurückgehandelt werden, könnte es sich dabei durchaus um einen Vorläufer einer größeren Korrektur handeln. Denn nicht nur auf den Devisenmärkten, auch auf den Anleihen- und Rohstoffmärkten sehen wir zurzeit ziemlich hohe Volatilitäten. Die einzigen, die sich dem aktuell noch entziehen, sind die Aktienmärkte. Wir glauben nicht, dass das noch lange gutgeht.

boerse.ARD.de: Worauf müssen sich die Anleger einstellen?

Rethfeld: Wir rechnen nach wie vor damit, dass die Aktienmärkte im Spätsommer ab August eine größere Korrektur erleben werden. Die Rally kann sich durchaus noch die nächsten sechs Wochen fortsetzen. Dann aber sollte es eine mindestens 20-prozentige Korrektur geben. Das dürfte nochmals Ängste aufkommen lassen. Wir glauben allerdings, dass es sich dabei nur um eine letztere größere Wackelperiode handeln dürfte – bevor im Anschluss eine längere und stabilere Aufwärtsperiode beginnt.

Das Gespräch führte Angela Göpfert.

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