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Automobile

Volkswagen-Werk im Herbstnebel

Vor der Hauptversammlung am Mittwoch

Viel Aufregung bei Volkswagen

Stand: 20.06.2016, 16:20 Uhr

VW produziert Autos und Nachrichten am laufenden Band: Die HV dürfte turbulent verlaufen, denn weitere Aktionärsvertreter wollen einen Sonderermittler. Und auch Ex-Vorstandschef Winterkorn soll zur Kasse gebeten werden.

Ein kühler Juni, aber heiße Tage für das VW-Management: Nach der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wollen weitere Aktionäre VW zu einer Sonderprüfung des Abgas-Skandals zwingen. Die Fondsgesellschaft Hermes kündigte im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS") an, notfalls für eine solche Prüfung auch vor Gericht zu ziehen. Die DSW hatte bereits Ende Mai mitgeteilt, bei der Hauptversammlung des Autobauers am 22. Juni eine unabhängige Sonderprüfung zu beantragen.

Anleger schließen sich zusammen

Auch in Sachen Entschädigung nehmen die Dinge Fahrt auf: Bereits 100.000 betroffene Kunden haben sich beim Rechtsdienstleister MyRight registrieren lassen. Die US-Kanzlei Hausfeld kooperiert mit MyRight. In den kommenden Wochen werde MyRight Volkswagen Abtretungsanzeigen und Zahlungsaufforderungen in Millionenhöhe vorlegen, kündigte Anwalt Christopher Rother, Leiter der US-Kanzlei in Deutschland im "Tagesspiegel" an.

"Wir können nur dann Druck aufbauen, wenn VW erkennt, dass sich deutsche und europäische Autokäufer nicht als Kunden zweiter Klasse abspeisen lassen", sagte Rother. In den USA hat VW vom Abgasskandal betroffenen Kunden Schadenersatz angeboten. Dort geht die Kanzlei bereits gegen VW vor.

Der Vorstand der Volkswagen AG mit Andreas Renschler (l-r), Frank Witter, Rupert Stadler, Herbert Diess, Matthias Müller, Christine Hohmann-Dennhardt, Karlheinz Blessing, Francisco Javier Garcia-Sanz und Jochem Heizmann

VW-Vorstand: Es wird ein spannender Mittwoch für das Management. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Erfolgsprovision von 35 Prozent

Auf der Webseite my-right.de können betroffene deutsche VW-Kunden ihre möglichen Ansprüche wegen Wertverlust ihres Fahrzeugs geltend machen und an den Rechtsdienstleister abtreten. Der formuliert eine Klage, reicht sie beim zuständigen Landgericht Braunschweig ein und übernimmt zunächst die Prozesskosten.

MyRight verheißt bis zu 5.000 Euro Schadenersatz pro Fahrzeug. Der Rechtsdienstleister nimmt eine Erfolgsprovision von 35 Prozent. Sollten die Kunden kein Geld von VW bekommen, entstünden ihnen auch keine Kosten.

Was passiert mit Winterkorn?

In der Aufarbeitung der Abgasaffäre hat der VW-Aufsichtsrat einem Zeitungsbericht zufolge Verhandlungen mit dem früheren Vorstandschef Martin Winterkorn aufgenommen. Dabei gehe es um die Frage, ob und wieviel Winterkorn vom Schaden durch den Dieselskandal tragen müsse, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Das Unternehmen habe den Schaden bereits der Managerhaftpflichtversicherung angezeigt.

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn

Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Winterkorn hat dem Bericht zufolge womöglich seine Pflichten verletzt, weil er frühzeitig über die Manipulation der Abgaswerte informiert war oder hätte informiert sein müssen. Zumindest aber gelte als wahrscheinlich, dass ihn ein Organisationsverschulden treffe. Gesetzlich ist demnach festgeschrieben, dass Vorstände bei einem Managerhaftpflichtschaden mindestens das 1,5-fache des fixen Jahresgehalts selbst tragen müssen. Auf Winterkorn könnten damit Forderungen in Millionenhöhe zukommen.

Am Nachmittag kam es noch dicker für Winterkorn. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig teilte mit, dass sie gegen den zurückgetretenen Konzernlenker wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt.

Trotzdem einstiegen?

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
137,75
Differenz relativ
-3,64%

Die Aktien der Wolfsburger verloren seit Ausbruch der Diesel-Krise heftig an Wert. Die Vorzugsaktien büßten teils gut 40 Prozent ein, aktuell liegen sie bei etwa 75 Prozent des Niveaus vor der Krise. Einige Investoren werden sich deshalb die Frage stellen, ob es sich noch lohnt einzusteigen.

Die Fachleute von ING gehen die Frage charttechnisch an. Sie raten einzusteigen, wenn die Aktie mit Schlusskursen über 138 Euro ihr potenzielles großes Doppeltief vollendet. Aktuell kostet das Papier etwas weniger als 119 Euro. Insgesamt geben die Expertenstimmen ein gespaltenes Bild ab, was angesichts der Lage nicht überraschend ist. Reuters-Daten zufolge sehen 13 Fachleute die Aktie positiv. Elf Analysten raten, das Papier zu halten, acht Experten sind negativ gestimmt.   

Eines ist aber gewiss: Solange es noch derart viele ungeklärte Fragen bei Volkswagen zum Thema "Dieselgate" gibt, ist jedes Investment mit hohen Risiken verbunden.

ts

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