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Automobile

Gerichtshammer vor US-Flagge

Milliarden-Dollar Strafe?

USA verklagen VW

Stand: 05.01.2016, 11:38 Uhr

Das US-Justizministerium hat am Montag Klage gegen Volkswagen eingereicht. Der Vorwurf: Manipulation von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen. Dem Konzern droht eine Strafe von mehreren Milliarden Dollar. Die Aktie geht auf Tauchstation.

Die im Auftrag der US-Umweltschutzbehörde EPA eingereichte Klage bezieht sich auf fast 600.000 Dieselfahrzeuge der Marken VW, Audi und Porsche, die in den Vereinigten Staaten verkauft wurden. Dabei will das US-Justizministerium den Volkswagen-Konzern wegen Manipulationen sowohl bei Modellen mit Zwei-Liter-Motoren als auch bei Modellen mit Drei-Liter-Motoren zur Rechenschaft ziehen.

In der 31-seitigen Klageschrift ist von Strafen zwischen 32.500 und 37.500 Dollar pro betroffenem Fahrzeug die Rede. Damit könnten sich insgesamt Bußgelder über 18 Milliarden Dollar ergeben. Bei der Summe handelt es sich um ein theoretisches Höchstmaß. Meldungen wonach dem Konzern Strafzahlungen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Dollar drohen, entspringen Analysten zufolge dem Reich der Fantasie.

Aus der Klageschrift geht hervor, dass auf VW für jedes mit der Manipulations-Software ausgestattete Auto eine Strafe in Höhe von mehreren zehntausend Dollar zukommen könnte. "Autobauer, die ihre Fahrzeuge nicht richtig zertifizieren und die Systeme zur Emissionskontrolle aushebeln, verletzen das Vertrauen der Öffentlichkeit, gefährden die öffentliche Gesundheit und benachteiligen Wettbewerber", erklärte der stellvertretende US-Justizminister John C. Cruden.

Alle angemessenen Mittel einsetzen

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"Die Vereinigten Staaten werden alle angemessenen Mittel gegen Volkswagen einsetzen, um Wiedergutmachung für die in dieser Klage angeführten Verletzungen der Gesetze unsere Nation zur Luftreinhaltung zu erhalten."

Ein VW-Sprecher sagte am Montagabend in Wolfsburg: "Wir kennen die Klageschrift noch nicht im Detail und werden sie nun zunächst prüfen." Man sei aber in einem ständigen Austausch mit den Behörden. In den Vereinigten Staaten hatte der Skandal um geschönte Test-Messwerte von Stickoxid-Abgasen begonnen. Volkswagen bereitet dort einen Rückruf von Fahrzeugen mit manipulierter Motor-Software vor.

An Lösungen wird noch gearbeitet

Bislang haben sich die Wolfsburger mit den US-Umweltbehörden auch noch nicht auf einen Plan dazu einigen können. Bisher hätten die Gespräche mit VW dazu keine akzeptable Lösung für hervorgebracht, heißt es in der Mitteilung des US-Ministeriums. "Wir arbeiten an Lösungen, aber über die Details können wir öffentlich noch nicht sprechen", sagte ein VW-Sprecher dazu, ohne weitere Details zu den Gesprächen zu nennen.

In Deutschland startet die Rückrufaktion für betroffene Fahrzeuge in den kommenden Wochen. Hierzulande ziehen sich die Ermittlungen zur Abgas-Affäre in die Länge. Es müsse dabei ein möglicher Tatzeitraum von bis zu zehn Jahren aufgearbeitet werden, hatte der zuständige Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe vor dem Jahreswechsel gesagt. Die Behörde ermittelt unter anderem wegen Betrugsverdacht gegen mehrere Mitarbeiter des Konzerns.

Zivilklagen drohen auch in Deutschland

Wegen der falschen Abgaswerte bahnen sich auch in Deutschland teure Zivilklagen enttäuschter Autofahrer und VW-Aktionäre an. Anders als in den USA gibt es hierzulande jedoch kein Sammelklage-Verfahren: Jeder Autofahrer, der glaubt, einen Schaden erlitten zu haben, muss diesen dokumentieren, beweisen und dann selbst geltend machen.

Die Reaktion der Anleger auf die Klage in den USA kam zögerlich. Im Lauf des Vormittags baut die Aktie ihre Verluste allerdings kontinierlich aus und verliert zuletzt fast fünf Prozent. Im vergangenen Jahr mussten die VW-Vorzüge wegen des Abgasskandals bereits ordentlich Federn lassen. Die Aktien zählten mit einem Abschlag von knapp 28 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten.

lg/dpa/afp

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