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Hohe Werbekosten
United Internet geht seinen Weg
Nach dem Einbruch im Sommer hat der Internetdienstleister United Internet im dritten Quartal wieder mehr verdient. Auf Neun-Monats-Sicht ergibt sich allerdings ein Rückgang. Dennoch hat die Firma aus Montabaur die Jahresprognose bestätigt.
Seine Erwartungen hatte United Internet ("1&1", "gmx.de") im Sommer wegen Abschreibungen auf die Tochter Sedo allerdings gesenkt. Danach soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im laufenden Jahr 200 Millionen Euro betragen.
Dabei schlagen enttäuschende Geschäfte mit Werbung auf brach liegenden Internetseiten von Sedo mit 46,3 Millionen Euro negativ zu Buche. Hinzu kommen Anlaufkosten für die neuen Geschäftsfelder mit selbst erstellten Internetseiten sowie dem verschlüsselten eMail-Dienst "De-Mail". Sie belaufen sich seit Jahresanfang auf 99 Millionen Euro.
Operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau
Ohne diese Belastungen hätte United Internet das Ebit das Vorjahresniveau von rund 250 Millionen Euro erreicht. Zuvor hatte das Unternehmen eine Ebit-Spanne von 243 Millionen bis 281 Millionen Euro angepeilt. In den ersten neun Monaten summierte sich das Ebit abzüglich der Abschreibungen und Anlaufkosten auf 169 Millionen Euro, ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Vorstandschef Ralph Dommermuth beziffert im Gespräch mit boerse.ARD.de die Belastungen auf insgesamt 66 Cent je Aktie, davon kommen 24 Cent aus den Abschreibungen auf Sedo und 42 Cent für die Anlaufkosten für die neuen Geschäfte. Insgesamt habe United Internet operativ 1,22 Euro verdient.
Der Umsatz stieg gleichzeitig bis Ende September um 15 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr wird ein Umsatz in Höhe von 2,4 Milliarden Euro erwartet. Gleichzeitig soll der Kundenstamm bis Jahresende auf 1,2 Millionen aufgestockt werden, nach 910.000 im Vorjahr.
Ordentliche Zahlen
Im dritten Quartal legte der Umsatz um 14 Prozent auf 603 Millionen Euro zu. Damit wurden die Umsatzerwartungen am Markt erfüllt. Beim Ebit von 65,4 Millionen Euro (plus drei Prozent) liegt United Internet allerdings unter den Schätzungen der Analysten, die mit 70 Millionen Euro gerechnet hatten.
United Internet habe ordentliche, aber dennoch unspektakuläre Resultate vorgelegt, schrieb DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger in einem ersten Kommentar. Wie von ihm erwartet, seien die Marktschätzungen erfüllt und die Unternehmensprognosen für 2012 bestätigt worden.
Immer mehr Kunden
Analystin Heike Pauls von der Commerzbank verwies auf einen verbesserten Gewinntrend. Zwar spiegelten die Zahlen nach wie vor hohe Investitionen in das Wachstum wider, doch erschienen die Resultate im Vergleich zum Vorjahr langsam besser. Die Kundenzahlen machten in der Mobilsparte einen starken Eindruck, während die Zahl von Neuabonnenten im Geschäft mit selbst erstellbaren Homepages kleiner gewesen seien als gedacht. Pauls votiert weiterhin mit "Buy".
Werbeeinahmen gehen zurück
Allerdings bekommt auch United Internet die sich eintrübende Konjunktur zu spüren. Im Gespräch mit boerse.ARD.de räumte Ralph Dommermuth ein, dass die Werbeeinnahmen zurückgehen. Insgesamt erwartet das Unternehmen im kommenden Jahr ein Ergebnis je Aktie zwischen 1,0 und 1,10 Euro, nach Anlaufkosten für die neuen Geschäftsfelder von 30 bis 40 Cent.
An der Börse kommen die Zahlen gut an. Nach anfänglichem Zögern dreht die im TecDax notierte Aktie ins Plus und klettert um über zwei Prozent.
Stand: 22.11.2012, 08:43 Uhr