Seitenueberschrift

Aktie des Tages

Twitter: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Historischer Tiefstand

Twitter: Bald reif für die Übernahme?

Stand: 10.08.2015, 10:56 Uhr

Hat Jack Dorsey die Twitter-Aktie bewusst auf Talfahrt geschickt? Seit der Warnung des Mitbegründers und Interimschefs vor schwachem Nutzerwachstum ist die Aktie des sozialen Netzwerks im freien Fall. Alles nur Kalkül?

Die Analysten tun sich jedenfalls schwer damit, den Auftritt der Führungsriege von Twitter zu bewerten. Klar ist nur, dass der Vorstand hätte wissen müssen was er tat, als er Ende Juli vollmundig verkündete, das Nutzerwachstum des Kurznachrichtendienstes entpuppe sich als großes Problem. Auch habe das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, bislang keine nennenswerte Wirkung gezeigt.

Finanzchef Anthony Noto sprach gar von einer "dramatischen Verlangsamung". Die Investoren sollten sich deshalb keine großen Hoffnungen auf Besserung machen. "Wir erwarten kein nachhaltiges, bedeutendes Wachstum, bevor wir den Massenmarkt erreichen", sagte Noto. Das werde noch erheblich dauern.

Bewusst die Aktie schlecht geredet?

Hat hier jemand bewusst die Aktie schlecht geredet, das Unternehmen mies gemacht, um es in Wirklichkeit für einen möglichen Käufer attraktiver, sprich billiger zu machen? Mögliche Käufer haben sich zwar bislang nicht gemeldet. Doch ist es nicht das erste Mal, dass Twitter als Übernahmekandidat gehandelt wird. Besonders Facebook und Google sind in der Vergangenheit mehrfach als potenzielle Käufer gennant worden. Beide Firmen haben aber stets abgewunken. Ist Twitter denn so unattraktiv?

Tatsächlich ist die Zahl der User, die mindestens einmal im Monat Twitter nutzen, im zweiten Quartal kaum noch gestiegen und lag zuletzt bei 316 Millionen. Damit hinkt das soziale Netzwerk seinem Konkurrenten Facebook mit seinen 1,45 Milliarden Nutzern unaufholbar hinterher.

Immer noch Verluste

Fakt ist auch, dass Twitter bei Umsatz und Ergebnis dem Konkurrenten aus Kalifornien ebenfalls weit unterlegen ist. Zwar sind die Erlöse im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich um 61 Prozent auf 502 Millionen Dollar gestiegen. Auch entfielen 88 Prozent der Werbeeinnahmen auf das Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Doch der Zuwachs erwies sich als der bislang schwächste in einem Quartal seit dem Börsengang im November 2013.

Silhouette einer Frau mit Notebook vor Twitter-Logo

Twitter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zudem verliert Twitter weiterhin Geld - auch wenn das Minus zum Vorjahr immerhin von 145 auf 137 Millionen Dollar verringert werden konnte. Das Unternehmen steckt in einer Übergangsphase, nachdem der bisherige Firmenchef Dick Costolo wegen Erfolglosigkeit zurücktreten musste. Firmen-Mitbegründer Dorsey, der Twitter bereits in der Vergangenheit führte, kommt für etliche Mitglieder im Twitter-Aufsichtsrat als Dauerlösung aber nicht infrage, weil er das Unternehmen nur im Teilzeitjob führen kann. Er leitet parallel den von ihm gegründeten Bezahldienst Square, der laut US-Medien vor dem Börsengang steht.

Ist Twitter zu kompliziert?

Analysten wie Doug Anmuth von JPMorgan sind der Meinung, dass Twitter seine Angebote besser organisieren müsse. So sei die neue Funktion namens Project Lightning, die Trendthemen mit Tweets und Videos verknüpfen soll, noch immer nicht startklar. Auch die breitere Anbindung weiterer Informationskanäle bleibe unklar.

Für Jack Dorsey gibt es für die unterschiedliche Entwicklung von Facebook und Twitter einen viel einfacheren Grund: Twitter sei einfach zu kompliziert, erklärte er Ende Juli bei der Vorlage der Quartalszahlen. Eine überraschende Aussage für einen Firmenmitbegründer und ausgewiesenen Technikfan.

Und wie geht es jetzt weiter? Das weiß niemand. Auch die oft so meinungsstarken Analysten sind ratlos. Von den 40 das Unternehmen verfolgenden Experten raten 25 dazu, die Aktie zu halten, acht empfehlen sogar das Papier zu kaufen, weitere fünf trauen ihm einen spektakulären Wiederaufstieg zu. Zum Verkauf rät keiner. Hier herrscht die Meinung vor, dass Twitter über kurz oder lang gekauft werden wird.

lg

Darstellung: