Seitenueberschrift

Internet

Twitter-Mitgründer Jack Dorsey

Neuer Vorstoß von Jack Dorsey

Twitter: Aus kurz wird lang

Stand: 06.01.2016, 09:20 Uhr

Seit seiner Rückkehr an die Spitze des von ihm mitbegründeten Nachrichtendienstes kennt die Twitter-Aktie nur eine Richtung: abwärts. Jetzt will Jack Dorsey die Selbstbeschränkung der Tweet-Länge aufheben.

Jack Dorsey stellte am Dienstag eine mögliche Lockerung der Beschränkung von Tweets auf 140 Zeichen in Aussicht. Danach soll die Obergrenze auf bis zu 10.000 Zeichen angehoben werden. Damit will das Unternehmen seinen Nutzern mehr Freiheiten einräumen und den Dienst für ein größeres Publikum attraktiver machen.

Nachdem die gewöhnlich gut informierte Internetseite "Re/code" sowie das "Wall Street Journal" die Abschaffung der Beschränkung gemeldet hatten, reagierte Unternehmenschef Jack Dorsey in einem eigenen Tweet. Darin bestätigte er die Pläne zwar nicht. Er schrieb aber von der Möglichkeit, "Twitter mehr Nutzwert und Stärke zu geben". Zugleich verwies Dorsey darauf, dass viele Nutzer schon jetzt die 140-Zeichen-Regel umgehen, indem sie beispielsweise Screenshots mit längeren Texten an ihre Tweets anhängen.

Nutzer wollen längere Texte

Die mit ersten Versionen auf SMS-Basis eingeführte Grenze animiere zwar zu Kürze und Kreativität, schrieb Dorsey. Aber Nutzer wollten auch längere Texte veröffentlichen.

Wenn man ihnen erlauben würde, die als Screenshot versendeten Passagen direkt als Text zu posten, könnte man sie zum Beispiel durchsuchbar machen, gab Dorsey zu bedenken. Twitter werde Dinge ausprobieren, die Nutzer haben wollen. Wenn eine getestete Funktion tatsächlich eingeführt werden sollte, werde Twitter Software-Entwickler rechtzeitig unterrichten. Er veröffentlichte seine lange Erklärung demonstrativ als Screenshot in einem Tweet.

Die seit Gründung von Twitter geltende Regel der 140 Zeichen wird von vielen Nutzern begrüßt, weil sie eine Konzentration auf das Wesentliche erfordere. Twitter steckt allerdings zunehmend in einer Zwickmühle, weil die Zahl der Nutzer bei rund 300 Millionen stagniert und es bisher nicht gelungen ist, das Wachstum siginfikativ zu steigern.

Aktie unter Ausgabepreis

Zudem hat Twitter im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken wie Facebook noch keinen Gewinn erwirtschaftet. Trotz immer neuer Großaktionäre wie dem früheren Microsoft-Chef Steve Balmer und dem saudischen Prinz Alwaleed Bin Talal, der im vergangenen Herbst im großen Stil Aktien des Unternehmens gekauft hat und nun mehr als fünf Prozent der Anteile hält, ist die Twitter-Aktie immer weiter gefallen. Zuletzt notiert das Papier mit knapp 22 Dollar deutlich unter seinem Ausgabepreis von 26 Dollar.

Dorsey will das Steuer herumreißen und versucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, Twitter für Neueinsteiger attraktiver zu machen. Dazu gehört offenbar auch die Aufhebung der Beschränkung auf 140 Zeichen.

lg

Darstellung: