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Fusionsfantasie
Tui und Tui Travel bald eins?
Die Tui-Eigner spielen Pläne für einen Zusammenschluss des Konzerns mit seiner britischen Tochter Tui Travel durch. Der Gedanke ist zwar nicht neu, stößt aber bei den Anlegern auf breites Wohlwollen.
An der Frankfurter Aktienbörse klettert die Tui-Aktie um über acht Prozent an die Spitze des MDax. Kein Wunder, dürfte doch ein Zusammengehen von Tui und Tui Travel zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Die Rede ist von 500 Millionen Euro.
Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich etwa 100 Millionen Euro, die etwa durch die Zusammenlegung der beiden Zentralen in Hannover und London entstünden.
Fusionsgespräche bestätigt
Die Tui-Tochter Tui Travel bestätigte am Nachmittag Verhandlungen über eine mögliche Zusammenführung der beiden Unternehmen. "Die Gespräche sind in einem sehr frühen Stadium", teilte Tui Travel am Mittwoch in Crawley bei London mit. Tui habe sich dazu an die unabhängigen Aktionärsvertreter im Verwaltungsrat gewandt. Ob die Verhandlungen in einer Fusion der beiden Unternehmen münden, sei noch offen.
Eine Übernahme der Tui AG durch ihre Tochter, an der Börse als "Reverse Takeover" bezeichnet, sei hingegen nicht geplant, hieß es. Damit wies Tui Travel anderslautende Medienberichte vom gleichen Tag zurück. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Insiderquellen erfuhr, werde derzeit ein Reverse Takeover favorisiert, bei dem Tui Travel den Mutterkonzern Tui AG kaufe.
Spekulationen über "Reverse Takeover"
Der neue Plan steht im Widerspruch zu einer anderen Idee, die in der Vergangenheit wiederholt diskutiert wurde: Dass die Tui AG die noch ausstehenden rund 44 Prozent an Tui Travel kauft. Händler betonen in ihren ersten Reaktionen, dass die Fusions-Spekulationen zwar nicht neu seien, am Markt aber doch immer wieder Beachtung fänden.
Allerdings habe der Mutterkonzern dafür nicht genug Geld auf der hohen Kante und werde sich die Mittel auch nur schwerlich am Kapitalmarkt besorgen können, da das Unternehmen an der Börse mit einem deutlichen Abschlag zu den Konkurrenten gehandelt werde, sagte einer der von Reuters zitierten Insider. "Die Zahlen sprechen gegen einen solchen Deal", sagte er.
Hingegen wäre ein Reverse Takeover, bei dem etwa zehn Euro je Tui-AG-Aktie gezahlt würden, machbar und wertsteigernd für die Aktionäre. Die beiden größten Aktionäre der Tui AG - der russische Milliardär Alexej Mordaschow mit 25 Prozent und der Schifffahrtsunternehmer John Fredriksen aus Norwegen mit 15 Prozent - trieben den Versuch eines Reverse Takeovers voran.
Konstruktive Diskussionen
Die Diskussionen mit anderen Anteilseignern über den Plan seien "konstruktiv", sagte der Kenner. Mordaschow und Fredriksen waren 2008 und 2009 bei der Tui AG eingestiegen, zu Kursen weit über dem derzeitigen Niveau von 7,45 Euro. Das Investment war für die beiden deshalb ein Millionengrab. Fredriksen hat auch bei Tui Travel einen Fuß in der Tür - mit einer Beteiligung von 5,4 Prozent ist er zweitgrößter Aktionär des englischen Unternehmens.
Der Tui-Konzern mit Sitz in Hannover hält 56,4 Prozent an Tui Travel. Die Tochter entstand 2007 durch die Fusion von großen Teilen des Tui-Reisegeschäfts mit dem britischen Rivalen First Choice - seitdem ist Tui Travel an der Londoner Börse notiert.
Stand: 16.01.2013, 16:22 Uhr