Seitenueberschrift
2.000 Jobs sollen abgebaut werden
ThyssenKrupp versucht den Befreiungsschlag
Heinrich Hiesinger ist angetreten, um ThyssenKrupp umzukrempeln. Aus dem Stahlkonzern soll ein moderner Industrieunternehmen werden. Der Umbau kostet jetzt 2.000 Arbeitsplätze. Die Aktie auf Berg- und Talfahrt.
ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger
Der Dax-Titel lag zunächst nur leicht im Plus, stieg bis auf 17,79 Euro, rutschte dann ins Minus und zeigt sich anschließend kaum verändert bei rund 17,50 Euro. Offenbar sind viele Anleger nach wie vor ratlos, wie ThyssenKrupp wieder auf die Erfolgsspur finden kann. Die Verunsicherung sitzt tief: Gigantische Verluste in den Stahlwerken in Brasilien und den USA, Korruptionsvorwürfe und die Entlassung des halben Vorstandes haben den Aktionären einiges abverlangt. Seit Sommer 2011 geht es mit der Aktie tendenziell bergab.
2 Milliarden Euro sollen gespart werden
Das Ziel hat Konzern-Chef Heinrich Hiesinger im vergangenen Jahr vorgegeben: 2 Milliarden Euro sollen eingespart werden. Dazu werden jetzt in einem ersten Schritt im Stammgeschäft Steel Europe 2.000 der insgesamt 27.600 Stellen wegfallen. Und es könnten noch mehr werden. Denn Hiesinger erwägt außerdem, einige Teilbereiche ganz zu verkaufen. Die Mitarbeiterzahl würde sich nach Angaben des Essener Konzerns um weitere 1.800 reduzieren. Thyssen-Krupp will damit rund 500 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2014/2015 einsparen.
Steel Europe decke seine Kapitalkosten nicht mehr, begründete der Konzern seine Pläne. Die Sparte hatte im Geschäftsjahr 2011/12 ein Vorsteuerergebnis von 188 Millionen Euro eingefahren - nach 1,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Viele Baustellen im Konzern
Der Traditionskonzern steckt in der größten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999. Die Werke in Alabama und dem Bundesstaat Rio kosteten ursprünglich rund zwölf Milliarden Euro. Derzeit sind sie allenfalls noch drei bis vier Milliarden Euro wert. Hiesinger sucht derzeit nach Käufern für beide Standorte. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011/12 hatten die Essener einen Verlust von fünf Milliarden Euro bekannt geben müssen - der mit Abstand höchste Fehlbetrag in der Firmengeschichte. Außerdem kommen auf ThyssenKrupp Schadenersatzforderungen wegen illegaler Kartellabsprachen mit Schienenherstellern zu. Die Zahlen für das erste Quartal 2012/2013 sollen am kommenden Dienstag veröffentlicht werden.
Kunden halten sich zurück
Die Stahlindustrie steckt seit anderthalb Jahren in einer Krise. Die Kunden in Europa halten sich wegen der unsicheren Konjunkturentwicklung mit Bestellungen zurück und bauen stattdessen ihre Lager ab. In Spanien und anderen hoch verschuldeten Staaten Südeuropas ist wegen des von den Regierungen verordneten Sparkurses die Nachfrage regelrecht eingebrochen.
Hoffnungsschimmer am Horizont
Mitte der Woche folgte die frohe Botschaft von ThyssenKrupp und Salzgitter: nach dem langen Schrumpfkurs habe man zum Jahresabschluss 2012 erstmals wieder ein Anziehen der Nachfrage verspürt - vor allem dank des wirtschaftlichen Aufschwungs in China und Brasilien. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl erklärte, viele Kunden müssten ihre leeren Lager wieder füllen, nachdem sie sich wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten mit Neubestellungen zurückgehalten hätten. Deshalb dürfte der positive Auftragstrend erst einmal anhalten. Im Gesamtjahr erwartet die deutsche Stahlindustrie ein Mini-Wachstum von rund ein Prozent auf rund 43 Millionen Tonnen.
Stand: 08.02.2013, 15:20 Uhr