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Telekommunikation

Junge Frau mit Smartphone hinter einem T-Mobile-Schild in New York

Gewinnsprung, aber die T-Aktie verliert

Telekom - die US-Tochter bügelt alles glatt

Stand: 05.11.2015, 08:30 Uhr

So können sich die Quartalszahlen sehen lassen: Dank der amerikanischen Tochter T-Mobile US kann die Deutsche Telekom ihren Gewinn überaus kräftig steigern. Wenn es nur in Deutschland auch so gut liefe.

Im heimischen Markt schwinden die Gewinne. Doch dank des Kundenansturms in den USA stimmt unterm Strich die Bilanz des dritten Quartals. Die Bonner fuhren 809 Millionen Euro Gewinn ein, knapp 60 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Das Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) zog um 13 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro an, der Umsatz um neun Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Der schwache Euro hatte seinen Anteil daran. Aus eigener Kraft hätte das Wachstum nur 2,2 Prozent betragen.

Kommen jetzt die Gewinnmitnahmen?

Insgesamt bieten die Zahlen einem Händler zufolge keine großen Ausreißer. Die Bonner schnitten bei Umsatz und Ergebnis etwas schwächer ab, als am Markt erwartet wurde. Den Free Cash Flow und auch das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) ordnete der Händler dagegen auf den ersten Blick als etwas besser ein.

Den Kurs dürften die Zahlen nicht sehr stark bewegen. Allerdings könnten einige Gewinnmitnahmen einsetzen. Die Aktien hatten zuletzt nach einer starken Erholung bereits an Dynamik verloren. Vorbörslich wurden sie in etwa auf dem Schlusskurs des Vortages von 16,82 Euro gehandelt.

Deutschland leidet unter Rabatten

Die unschöne Stelle in der Quartalsbilanz: In Deutschland sank das Betriebsergebnis um 2,4 Prozent, weil das hiesige Mobilfunkgeschäft schwächelt. Hier sank der Umsatz ohne Handy-Subvention um 0,4 Prozent.

Die Telekom begründet dies mit Rabatten für die Telekom-Bündeltarife "Magenta Eins", bei denen Mobilfunk, Festnetz und Internet in einem die Vertrag abgerechnet werden.

T-Mobile auch mit Schatten

Ganz anders das US-Geschäft: Die Telekom-Tochter, die auf dem US-Markt der am schnellsten wachsende Anbieter ist, entwickelt sich immer mehr zu einem verlässlichen Ergebnislieferanten für die Telekom. Erst vor wenigen Tagen präsentierte sich die US-Mobilfunktochter mit einem kräftigen Ergebnissprung von gut 40 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Handynutzer legte um 2,3 Millionen zu. Nur der Umsatz enttäuschte ein wenig. Die US-Tochter, an der sie zwei Drittel der Anteile hält, bietet seit einigen Monaten Endgeräte neben den üblichen Ratenverträgen auch zum Mieten an. Dabei werden die Umsätze erst nach und nach verbucht.

Der Erfolg der amerikanischen Tochter war kein leichtes Spiel. Die Deutsche Telekom musste sie jahrelang mit Milliardenaufwand sanieren. Berichte über einen Ausstieg des Bonner Riesen aus dem US-Geschäft sind nun inzwischen verstummt.

Der Wachstumskurs in den USA fordert aber durchaus seinen Tribut, wie diese Woche deutlich wurde: Die US-Sparte nahm über eine Anleihe zwei Milliarden Dollar neue Schulden auf, unter anderem steht im kommenden Jahr erneut eine teure Frequenzauktion in den USA an.

Ist im Gesamtjahr mehr drin?

Die Prognosen behielt das Management um Konzernchef Tim Höttges bei. Für dieses Jahr rechnet die Telekom mit einem Free Cash Flow von 4,3 Milliarden Euro nach 4,14 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Betriebsergebnis soll 2015 bei konstanten Wechselkursen 18,3 Milliarden Euro erreichen nach 17,6 Milliarden Euro im Vorjahr.

Die Telekom berechnet die Prognose mit dem Dollar-Durchschnittskurs des Vorjahres. Seitdem hat die US-Währung allerdings im Vergleich zum Euro kräftig an Wert gewonnen. Marktexperten rechnen deshalb für das Gesamtjahr mit einem operativen Ergebnis von 19,3 Milliarden Euro.

bs

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