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Telekommunikation

Hauptversammlung der Deutschen Telekom 2015 in Köln

Hauptversammlung in Köln

Telekom sagt "Bye, bye, T-Online!"

Stand: 21.05.2015, 15:15 Uhr

Selten war die Stimmung auf der Hauptversammlung der Telekom so gut wie diesmal: Der Konzern macht wieder Milliardengewinne, und die T-Aktie ist im Aufwind. Vor den Aktionären kündigte Vorstandschef Tim Höttges hohe Investitionen und die Trennung von T-Online an.

Erstmals bestätigte der 52-jährige Telekom-Kapitän die Spekulationen über den Verkauf des Internet-Portals T-Online. Gespräche mit Interessenten seien aufgenommen worden, sagte Höttges auf dem Aktionärstreffen in Köln. Konkrete Namen nannte er jedoch nicht. Als heißer Interessent gilt Axel Springer.

T-Online muss neues Geschäftsmodell finden

Das Geschäftsmodell von T-Online habe sich überlebt. "Die Wege der Kunden ins Netz laufen heute nicht mehr über ein Portal", erklärte der Telekom-Chef. Eine E-Mail-Adresse zum Beispiel könnten Internet-Surfer heute überall im Netz erhalten.

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Damit könnte die neunjährige Liaison zwischen der Telekom und T-Online bald enden. 2006 hatte der Bonner Konzern seine Tochter reintegriert und sie mit anderen Geschäftsbereichen verschmolzen. Zuvor war T-Online jahrelang eigenständig gewesen und an der Börse notiert.

Anfang April war in den Medien durchgesickert, dass die Telekom die Bank BNP Paribas mit der Suche nach einem Käufer beauftragt habe. Ein Verkaufsprospekt sei erstellt worden, der an knapp zehn Interessenten verschickt werden sollte, hatte "Der Spiegel" berichtet.

Milliarden-Investitionen für schnellere Netze

Im künftigen Telekom-Imperium haben Inhalte keinen Platz mehr. Höttges will die Telekom zum reinen Infrastruktur-Anbieter machen. Für schnellere und bessere Netze gibt sie viel Geld aus. Mit rund zehn Millionen Euro "investieren wir so viel wie kein anderes Unternehmen in die Infrastruktur", kündigte Höttges auf der Hauptversammlung an.

Der Telekom-Chef verwies auf die Umstellung von ISDN- auf IP-Standard und den Glasfaserausbau. Zudem wird an einer neuen Mobilfunk-Generation 5G getüftelt.

Offen für Schulterschluss in den USA

Was aus der US-Tochter T-Mobile US wird, ließ Höttges offen. Man sei offen für einen Partner, erklärte er. Bis dieser gefunden sei, bleibe es die Pflicht des Vorstands, die Rendite von T-Mobile US weiter zu steigern. Die Bonner wollten ihre US-Tochter bereits längst verkaufen, doch ein Deal mit AT&T platzte. Im vergangenen Jahr sprangen zwei Kaufinteressenten ab.

Dennoch zeigten sich die Telekom-Aktionäre sichtlich zufrieden über die Entwicklung der Telekom. Früher sei die Telekom depressiv gewesen, jetzt marschiere sie nach vorne, meinte ein Kleinanleger.

"Herr Höttges, das war super!"

Besonderes Lob gab's von den Aktionärsschützern. "Herr Höttges, das war super", kommentierte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), .das vergangene Geschäftsjahr. Vor allem in den USA, wo derzeit die Tochterfirma T-Mobile von Quartal zu Quartal hohes Kundenwachstum vermeldet, sei der Knoten offenbar geplatzt.

An der Frankfurter Börse hält sich am Donnerstag die Begeisterung in Grenzen. Die T-Aktie gibt 0,3 Prozent nach. Seit Jahresbeginn hat der Dax-Titel gut 30 Prozent zugelegt. 2014 verdreifachte die Telekom den Überschuss auf 2,9 Milliarden Euro. Die Dividende bleibt unverändert bei 0,50 Euro je Aktie.

nb

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