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Kontroverse Debatte

TecDax: Auslaufmodell oder Erfolgsgeschichte?

Knapp zehn Jahre nach seiner Gründung gerät der TecDax in die Kritik. Derzeit sind gerade noch elf der 30 Gründungsmitglieder mit an Bord - und von seinem Höchststand ist der Index ebenfalls weit entfernt. Doch der Index hat auch gewichtige Fürsprecher.

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Nach Einschätzung einiger Experten hat der Technologie-Index ausgedient. "Dax, MDax und SDax reichen aus", meint Index-Experte Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Aufteilung in klassische Branchen und Technologietitel sei ein Relikt aus der Vergangenheit und habe sich überholt.

"Wir haben zu viele Indizes und zu wenige gute Aktien", sagt auch Marktanalyst Christoph Schmidt vom Asset-Manager N.M.F. und sähe es am liebsten, wenn die Börse die wichtigsten Werte aus dem TecDax in den MDax für mittelgroße Unternehmen und den SDax für kleinere Unternehmen eingliedern würde. Auf diese Weise würden auch die verbleibenden Nebenwerte-Indizes aufgewertet.

Durch eine Neuordnung der Branchen samt Umstellung von MDax und SDax könnten zudem TecDax-Unternehmen mit weltweiter Spitzenposition in ihrer Branche - wie etwa Qiagen, Pfeiffer Vacuum oder SMA Solar - größere Beachtung finden. Vielleicht habe dann "auch mal eines dieser Unternehmen die Chance auf ein höheres Index-Segment oder sogar eine Dax-Aufnahme", argumentiert Analyst Schmidt.

Qiagen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
14.56
Differenz absolut
0.06
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+0.38%
Pfeiffer Vaccum: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98.03
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0.49
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+0.50%

Das war nämlich bislang nie wirklich der Fall. Die Bezeichnung des TecDax als "Dax-Nachwuchs", wie ihn die US-Investmentbank Goldman Sachs beim Start bezeichnet hatte, hat sich als nachhaltige Fehleinschätzung erwiesen.

Nur ein einziger Aufsteiger

Bisher rückte nur Infineon aus dem TecDax in den Leitindex auf. Eine wirkliche Erfolgsgeschichte ist das allerdings auch nicht, war doch die Aktie des Münchener Halbleiterherstellers im März 2009 aus der ersten Börsenliga in den TecDax abgestiegen, bis sie dann bereits im September desselben Jahres in den Dax zurückkehrte.

Der TecDax stand nach Ansicht von Schmidt von Anfang an unter einem schlechten Stern. "Er wurde auf verbrannter Erde aufgebaut", sagt Schmidt. Die Deutsche Börse hatte den Index im März 2003 aus dem Boden gestampft, nachdem der 1997 gegründete Neue Markt am Ende war.

Von der Vergangenheit gelöst

Von der schmerzvollen Vergangenheit seines Vorgängers hat sich der TecDax gelöst. Dort sind nur Unternehmen, die den ebenfalls 2003 etablierten Prime Standard erfüllen. Damit bezeichnet die Frankfurter Börse Transparenz-Regeln, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgingen. Dazu gehören ausführlichere Quartalsberichte, Kommunikation in deutscher wie englischer Sprache, wie auch größere Sanktionsmöglichkeiten für die Börse, falls Regeln verletzt werden.

Drägerwerk VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98.66
Differenz absolut
0.53
Differenz relativ
+0.54%
Software AG: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.48
Differenz absolut
-0.82
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-3.14%

Durch Bilanzskandale oder kriminelle Machenschaften sind die im TecDax notierten Unternehmen ebenfalls nicht aufgefallen. Vielmehr glänzen nicht wenige der in dem Index notierten Firmen mit herausragenden Kursgewinnen. So hat etwa der Anbieter von Medizintechnik Drägerwerk seinen Aktienkurs seit seiner Aufnahme in den TecDax im März 2003 mehr als vervierfacht. Und die Darmstädter Software AG, ein anderes TecDax-Mitglied der ersten Stunde, schaffte es gar, ihren Kurs in dieser Zeit zu versechsfachen.

Besserer Branchenmix

Natürlich gab es auch Pleiten, Rückzieher und Enttäuschungen. So sind inzwischen nur noch elf der 30 Gründungsmitglieder an Bord. Während einige Firmen wie der Schweizer Halbleiterproduzent Micronas Semiconductor sich freiwillig zurückgezogen haben, sind die einst so zahlreichen Solarwerte ausgeschieden, weil sie die von der Deutschen Börse festgelegten Kriterien (Handelsvolumen, Free Float und Marktkapitalisierung) nicht mehr erfüllten.

Gerade diese Beweglichkeit wird von einigen Experten auch als Erfolgsfaktor gepriesen, hat das Ausscheiden der vielen Solarfirmen, die zeitweise ein Drittel aller Indexmitglieder stellten, doch dazu beigetragen den TecDax breiter aufzustellen - und damit von den Schwankungen der Branche unabhängiger zu machen.

Zufriedene Unternehmen

United Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
22.68
Differenz absolut
-0.22
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-0.94%

Auch zeigt sich derzeit kaum ein Unternehmen unzufrieden mit einer Notierung in dem Technologie-Index. So fühlt sich etwa der Internet-Dienstleister United Internet aus Montabaur, mit einer Marktkapitalisierung von gut drei Milliarden Euro eines der Schwergewichte im TecDax, dort durchaus wohl. "Zunächst einmal ist die Index-Zugehörigkeit eine Entscheidung der Deutschen Börse, aber wir fühlen uns als Technologiewert im TecDax auch gut aufgehoben", verlautet aus der Investor-Relations-Abteilung.

Auch andere Schwergewichte wie die Darmstädter Software AG sind mit ihrer Zugehörigkeit im TecDax "ganz zufrieden" und haben vorerst nicht das primäre Ziel, in einen anderen Index um- oder aufzusteigen.

Auch die Deutsche Börse hat am TecDax nichts auszusetzen, räumt aber ein, dass das wirtschaftliche Umfeld derzeit eher klassische Industriewerte favorisiert als die Technologiebranche. Daher gebe es nun mal mehr Aufsteiger aus dem MDax, wie kürzlich Continental und Lanxess, als aus dem TecDax. "Doch wegen eines ungünstigen Marktumfelds gleich einen ganzen Index aufzugeben, wäre keine nachhaltige Politik", urteilt Konrad Sippel, Leiter der Indexabteilung bei dem Frankfurter Börsenbetreiber.

Stand: 14.11.2012, 11:38 Uhr