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Streit um Media-Saturn nicht beigelegt
Auch nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München streiten sich der Dax-Konzern Metro und Minderheitsgesellschafter Kellerhals um die Macht bei der Elektrohandelskette Media-Saturn. Beide sehen sich als Gewinner. Die Aktie steigt.
Minderheitsaktionär Kellerhans
Der Richterspruch folgt weitgehend der vorangegangenen Schiedsgerichtsentscheidung. Verwirrend: Beide Parteien sehen ihre Position bestätigt. "Entscheidend ist, dass die Metro keinen Millimeter weitergekommen ist. Sie kann weiter nicht durchregieren", sagte Kellerhals' Anwalt Luidger Röckrath. "Herr Kellerhals hat weiterhin seine Minderheitsrechte und kann sie durchsetzen."
Der Handelskonzern Metro, der drei Viertel an Media-Saturn hält, sieht seine Position wiederum gestärkt. Die Rechtsauffassung, wonach Metro künftig mit einfacher Mehrheit grundlegende Entscheidungen bei der Ingolstädter Tochter treffen könne, sei bestätigt, sagte ein Sprecher. Bisher war dafür eine Mehrheit von 80 Prozent nötig, womit Mediamarkt-Mitgründer Kellerhals zustimmen musste.
Streit juristisch nicht zu lösen
Der Anwalt des Minderheitseigners, Röckrath, hat nach dem Richterspruch Bereitschaft signalisiert, den Konflikt beizulegen. "Dieser Streit kann juristisch nicht gelöst werden; nur auf einer anderen Ebene, der kaufmännischen etwa", sagte er. Auch die Metro bemühte sich um Deeskalation. "Es gibt hier keine Sieger und Besiegte. Es ging nie ums Durchregieren", sagte der Firmensprecher.
Metro hält 75,41 Prozent an der Media-Saturn-Holding, der Milliardär Kellerhals über 21 Prozent. Der Handelsriese sollte mit dem Mehrheitsanteil eigentlich das Sagen bei Media Markt und Saturn haben, die im vorigen Jahr mehr als 20 Milliarden Euro zum Umsatz des Konzerns von 66,7 Milliarden Euro beitrugen. Doch der Konzern kann bei seiner Ingolstädter Tochter ohne Kellerhals bislang nichts ausrichten, denn im Gesellschafterausschuss können wichtige Entscheidungen nur mit einer Mehrheit von 80 Prozent gefällt werden. Metro hatte deshalb einen Beirat eingerichtet, der mit einfacher Mehrheit entscheiden soll. Kellerhals wehrt sich entschieden dagegen.
Mehr Freiheit bei Investitionsentscheidungen
Nach Einschätzung von Metro kann der umstrittene Beirat jetzt "mit einfacher Mehrheit über wesentliche unternehmerische Sachverhalte entscheiden". Unter anderem gelte dies für Budgetentscheidungen, also Investitionen. Bei wichtigen Personalfragen oder Entscheidungen etwa über einen Börsengang bleiben die bisherigen Stimmverhältnisse offenbar unverändert.
Minderheitsaktionär Kellerhals bleibt jetzt die Möglichkeit einer Beschwerde vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Die Anleger haben positiv auf den Spruch reagiert. Der Dax-Titel notiert am Mittag 1,4 Prozent höher bei 23,66 Euro.
Stand: 09.08.2012, 12:03 Uhr