Seitenueberschrift

Mode

Steilmann-Model mit blauem Mantel

Kurs der Steilmann-Aktie bricht 90 Prozent ein

Steilmann ist insolvent

Stand: 24.03.2016, 13:02 Uhr

Nur wenige Monate nach dem Börsengang ist der Modehersteller Steilmann pleite. Anleger lassen in Panik die Steilmann-Aktie fallen. Die ebenfalls zu Steilmann gehörenden Adler-Modemärkte sind wohl nicht betroffen.

Die Nachricht, die gestern nach Börsenschluss veröffentlicht wurde, ist ein Schock für Steilmann-Aktionäre. "Der Vorstand der Steilmann SE ist nach umfassender Prüfung heute zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs die Steilmann SE zahlungsunfähig ist", teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bergkamen in einer Pflichtmitteilung mit. Bislang erfolgversprechende Sanierungsverhandlungen hätten nicht zum Ziel geführt. "Der Vorstand wird vor diesem Hintergrund nunmehr unverzüglich den Insolvenzantrag stellen."

Schock für die Börse

Die Insolvenz sendet bereits vorbörslich Schockwellen an die Börse. Die Steilmann-Aktie kracht gleich in den ersten Handelsminuten ein und fällt zeitweise bis auf 0,21 Euro, ein Kursverlust von rund 90 Prozent. Auch die drei Steilmann-Anleihen dürften erheblich unter Druck geraten - derzeit sind sie aber bis auf Weiteres vom Handel ausgesetzt.

Die Adler Modemärkte, die ebenfalls zu dem Modeunternehmen gehören, erwarten durch die Insolvenz von Steilmann keine nennenswerten Auswirkungen auf ihr operatives Geschäft sowie auf ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, wie das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg mitteilte. Adler habe keinen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag mit Steilmann und verfüge unverändert über eine mehr als ausreichende Liquidität. Auch habe Adler der Steilmann-Gruppe keine Darlehen gewährt oder selbst Kredite von Steilmann bekommen. Doch an der Börse macht sich eine gewisse Skepsis breit. Adler-Aktien verlieren bis zu zehn Prozent auf 8,10 Euro.

Auch Adler-Aktie unter Druck

Adler Modemärkte: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,13
Differenz absolut
-0,02
Differenz relativ
-0,24%

Bis klar ist, was mit den Adler-Papieren von Steilmann passiere, dürfte die Stimmung der Anleger getrübt bleiben, schrieb Analyst Mark Josefson vom Investmenthaus Equinet in einer Studie. Er verwies auf einen drohenden Aktienüberhang. Damit meinen Börsianer die Unsicherheit darüber, ob sich Steilmann von Anteilen an Adler Modemärkte trennt. Wenn ein großer Investor viele Papiere auf den Markt wirft, belastet das in der Regel den Aktienkurs eines Unternehmens. Josefson bleibt allerdings grundsätzlich positiv gestimmt und bewertet die Papiere weiterhin mit "Accumulate" und einem Kursziel von 11 Euro.

Auch Experte Jörg Philipp Frey vom Analysehaus Warburg Research sah auf den ersten Blick keine größeren Risiken für Adler Modemärkte durch die Steilmann-Insolvenz. Er reduzierte zwar sein Kursziel um 2 auf 14 Euro, votiert aber weiterhin mit "Kaufen".

Das leidvolle Börsenleben von Steilmann

Das Unternehmen mit weltweit mehr als 8.300 Mitarbeitern ist noch ein Neuling an der Börse. Erst im November 2015 startete Steilmann auf dem Parkett - mit einem Desaster. Steilmann wollte ursprünglich knapp 100 Millionen Euro über den Börsengang einnehmen, um das geplante Wachstum zu finanzieren und die Mehrheit an der börsennotierten Modekette Adler zu übernehmen.

Doch die Nachfrage nach Steilmann-Aktien war schwach und Vorstandschef Michele Puller musste sich mit 8,8 Millionen Euro begnügen. Er zog die Börsennotiz dennoch durch, um sich "strategische Optionen" offen zu halten.

Gewinnwarnung im Dezember

Nun stellt sich die Frage, ob die finanzielle Situation nicht damals schon erkennbar gewesen ist. Die den Börsengang begleitenden Banken waren Oddo Seydler Bank und Banca IMI. Mitte Dezember hatten sowohl Steilmann wie auch Adler ihre Prognosen kassiert und begründeten dies mit den schwachen Geschäften infolge des milden Winterwetters.

Zu dem Unternehmen, das sich auf die Altersgruppe der über 45-Jährigen konzentriert, gehören neben "Steilmann" unter anderem die Marken "Apanage" und "Kapalua" sowie Boecker-Modehäuser. Außerdem zählt die börsennotierte Modekette Adler dazu, an der Steilmann zusammen mit dem Investor Equinox die Mehrheit hält.

Die Familie um Vorstandschef Puller hatte den 1958 von Klaus Steilmann gegründeten Damenmodenhersteller in den vergangenen Jahren schrittweise übernommen.

bs

Darstellung: