Seitenueberschrift

NYSE und ICE geben sich das Ja-Wort

Milliardenschwere Hochzeit zweier US-Börsen

Die US-Rohstoffbörse IntercontinentalExchange will den Börsenbetreiber NYSE Euronext übernehmen. Das lässt sich die ICE Milliarden kosten. Nun müssen nur noch die Wettbewerbshüter ihren Segen geben.

Insgesamt will die Derivatebörse ICE 8,2 Milliarden Dollar in die Hand nehmen. Das teilte die ICE mit. Pro NYSE-Anteilsschein bietet das Unternehmen 33,12 Dollar. Bezahlen will die US-Börse den Coup bar und in Aktien. Die Aktionäre der NYSE Euronext sollen an dem neuen Konzern etwa 36 Prozent halten.

Die Börsenfusion hatte sich bereits angedeutet. Am Mittag wurden die Aktien der NYSE an der Nasdaq vom Handel ausgesetzt. Außerdem hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagenturen Bloomberg berichtet, dass es Übernahmegespräche gebe.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
59.70
Differenz absolut
0.51
Differenz relativ
+0.86%

ICE will Zugang zum Terminmarkt
Die NYSE setzt vor allem auf den Aktienhandel in den USA, doch dort geraten die Margen immer mehr unter Druck, weil das Handelsvolumen sinkt. Die ICE ist dagegen auf den Handel von Optionen und Futures spezialisiert und seit Jahren auf Wachstumskurs. Interessant ist für die vor allem die Londoner NYSE-Tochter Liffe, die am Derivate-Geschäft an europäischen Börsen beteiligt ist und ihr den Zugang zum Terminmarkt ermöglichen würde.

Damit buhlt die ICE schon zum zweiten Mal um die NYSE. Und nach Ansicht vieler Branchenkenner dürften die Aufsichtsbehörden diesmal ihren Segen geben. "Ich kann auf den ersten Blick nichts an Überlappungen erkennen, was kartellrechtlich Probleme machen sollte", betonte UBS-Analyst Alex Kramm.

Kein Einwurf von der Deutschen Börse

Vor zwei Jahren war das noch anders: Damals hatte die ICE bereits ein Auge auf die NYSE geworfen und wollte sie zusammen mit der Nasdaq für insgesamt elf Milliarden Dollar übernehmen. Doch die US-Behörden zogen die Notbremse: Sie fürchteten, dass die Marktkonzentration damit zu groß sei.

Aus dem Grund scheiterte diesen Februar auch die von der Deutschen Börse angeschobene Fusion mit der NYSE. Die Brüsseler Wettbewerbshüter legten ein Veto ein. Sie fürchteten ein Monopol im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten. Die Lust an Übernahmen scheint der Deutschen Börse seitdem vergangen.

Coup verleiht NYSE-Aktie Flügeln

Wird also bei der Trauung zwischen NYSE und ICE die Frage gestellt: "Hat jemand etwas gegen diese Ehe einzuwenden?" Dann dürfte die Deutsche Börse ihre Stimme nicht erheben, heißt es zumindest aus Unternehmenskreisen.

Dank des milliardenschweren Coups konnte die NYSE-Aktie im vorbörslichen Nasdaq-Handel ein Drittel zulegen und kam damit auf 31,60 Dollar. Probleme mit den Wettbewerbshütern sieht Analyst Richard Perrott von der Privatbank Berenberg nicht. Allerdings lasse sich nicht abschätzen, ob es Gegenangebote gebe. Deshalb belässt er die Einstufung für den Börsenbetreiber NYSE Euronext auf "Hold" mit einem Kursziel von 28 US-Dollar.

Stand: 20.12.2012, 14:44 Uhr

Darstellung: